1898.
MU
W
SM
Schubert.
Als
G. Bötticher.
ltern, übet ernste Zucht!
Wie die Saat, so wächst die Frucht;
Besser, Euer Kind weint jetzt, daß Ihr noch weint zuletzt.
Wahre Freundschaft stirbt mit Nichten: Aber bricht sie mal ein Bein, Wird es schwerer einzurichten,
Als bei halber Freundschaft sein. (
Der Amtmann von Rapshagen.
Criminal-Roman von F. Arneseld.
(Fortsetzung.)
Mit Bestürzung nahm Ringleb wahr, welche Veränderung im Aeußern des jungen Arztes vorgegangen war. Die hübschen, intelligenten, wenn auch von einem tiefen Ernst beschatteten Züge waren verzerrt, die Augen mit Blut unterlaufen.
„Verzeihen Sie, Herr Doctor, ich wollte Sie nicht beleidigen," sagte er zaghaft und entschuldigend. „Ich war ja darauf gefaßt, durch mein Anliegen eine schmerzhafte Wunde in Ihrem Herzen zu berühren, den Eindruck, welchen ich dadurch hervorgebracht, konnte ich ^dennoch nicht vorausschen. Es scheinen hier noch ganz besonders peinliche Dinge vorzuliegen."
Die Ansprache brachte Doctor Holten wieder etwas zu sich selbst. Mit beinahe übermenschlicher Anstrengung nahm er sich zusammen und erwiderte:
„Ich kann Ihnen nicht dienen, wie Sie es wünschen, mein Herr, zwischen mir und Amtmann Göbener bestehen seit längerer Zeit keine freundschaftlichen Beziehungen, aber Sie bedürfen auch keinerlei Vermittelung. Wenden Sie sich direct an den Amtmann Göbener."
„Sie meinen, er wird sich zu einem Vergleich bereit finden lasten?" fragte Ringleb.
Holten zuckte die Achseln. „Darüber vermag ich kein Urtheil abzugeben."
„Wir müssen es im äußersten Falle zu einem Proceß kommen lassen und das dürfte doch auch Ihnen nicht angenehm sein," sagte Ringleb, der diesen Schreckschuß sich bis zuletzt aufgespart haben mochte. Er verfehlte jedoch die be- |
absichtigte Wirkung, denn der Doctor entgegnete mit müder Stimme: „Ich muß es Ihnen überlassen, was Sie zu thun für gut finden. Nur eins rathe ich Ihnen, behandeln Sie die Angelegenheit ganz discret und lasten Sie den Amtmann Göbener nicht wissen, daß Sie mich davon in Kenntniß gesetzt haben."
Er hatte die letzten Worte wieder lebhaft und eindringlich gesprochen, als aber der Versicherungsbeamte, dadurch ermuthigt, ihm in vielen Worten seinen Dank für den er- theilten Rath aussprechen und ihm die Versicherung geben wollte, daß er seiner gegen den Amtmann nicht erwähnen werde, unterbrach er ihn mit einem:
„Schon gut, schon gut! Leben Sie wohl, mein Herr," und mit einer verabschiedenden Handbewegung.
Ringleb sah ein, daß er nicht länger verweilen dürfe und entfernte sich mit einem höflichen Gruß.
Kaum hatte sich hinter ihm die Thür geschlossen, so stieß Stephan Holten einen Schrei aus, der weit mehr Aehnlichkeit mit dem heißeren Gebrüll eines Raubthieres, als mit dem Tone aus einer Menschenbrust hatte. Sich mit der Faust mehrmals vor die Stirn schlagend, rannte er so heftig im Zimmer auf und ab, daß er rechts an das Untersuchungsbett und links an den mit Instrumenten, Gläsern und Flaschen besetzten Tisch stieß. Er mußte sich durch diese körperliche Kraftäußerung von der beinahe unerträglichen seelischen Anspannung befreien, zu welcher er sich während der Unterredung mit dem Versicherungsbeamten genöthigt gesehen hatte.
„Das also wäre die Lösung des Räthsels, wonach ich so lange vergeblich gesucht!" murmelte er, während er die kalten Schweißperlen von der Stirn wischte. „Meine Ahnung! Ich witterte vom ersten Augenblick an ein Verbrechen und konnte doch keinen Grund dafür finden. Jetzt — jetzt hab' ich ihn!"
„Zwei Möglichkeiten giebt es nur," sagte jener Mann. „Rechnet er gar nicht mit der dritten — dem Verbrechen!"
„Und es ist wirklich begangen?" fuhr er reflectirend fort. „Lasse ich mich durch mein Borurtheil und meine Abneigung nicht doch zu ungeheuerlichen Annahmen verleiten? Kann die Geldliebe, die Habsucht einen Menschen wirklich zu einer so grausigen That bringen? Hunderttausend Mark sind für einen Mann von Göbeners Vermögen doch eine nicht so bedeutende Summe!"
„Judas verrieth Christus um dreißig Silberlinge!" fügte er mit unbeschreiblicher Bitterkeit hinzu. „Je mehr ich mir das Benehmen Göbeners an der Bahre meiner


