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Lichte. Er nahm sich vor, sobald er mit Anna verheirathet sein würde, sein Leben ebenfalls, wenn auch mit einer be­scheideneren Summe, zu versichern und er erwog auch, ob er seinem Vater nicht den Vorschlag machen sollte, die Versicherung lieber auf seine Person als auf die seiner Braut ausstellen zu lassen. Er kam jedoch schnell wieder davon zurück, indem er bei sich dachte:

Der Alte hat das nun einmal so ausgeklügelt, man darf ihn nicht kopfscheu machen, und Anna hat wirklich recht: an der Versicherug stirbt man ebenso wenig wie wenn man sein Testament macht. Man kann beide Documente im Schreibtisch liegen haben und dabei hundert Jahre alt werden."

Ja, ja, laß sie abgethan sein!" antwortete Anna fröh­lich, seine letzte Aeußerung wiederholend. Weiß Deine Mutter schon?"

Der Vater ist zu ihr gegangen, um es ihr zu sagen" So laß uns zu ihnen eilen!" rief sie verschämt, aber mit glückstrahlendem Gesichte und ergriff ihn bei der Hand, um ihn aus dem Zimmer zu führen, befreite aber im Vorübergehen den Papagei von seiner Hülle. Er war sehr ungnädig und schrie, während Anna die Thür schloß, ihr ganz erbost nach:

Trau, schau, wem!"

Während sie, sich an Adolfs Hand klammernd, ängstlich flüsterte:Ach, Adolf, ich weiß gar nicht, wie ich Deinem Vater unter die Augen treten soll!"

Sie wurde dieser Verlegenheit überhoben, denn sie trafen den Amtmann nicht mehr im Wohnzimmer an, sondern nur Frau Göbener, welche den Sohn und die künftige Schwiegertochter mit tiefer Rührung umarmte, küßte und segnete.

Ach, Kinder," seufzte sie, während Helle Thränen lang­sam an ihren blaffen Wangen hinabrollten,ich bin sehr, sehr glücklich! Ein solcher Augenblick wiegt Jahre des Leidens auf."

Meine gute Mutter, wir haben es Dir zu danken, Du hast nicht abgelassen mit Bitten und Vorstellungen," sagte Adolf ihr die Hände küssend.

Sie schüttelte den Kopf.Nein, nein, er ist ganz allein darauf gekommen, wenn auch Lorenz' vielleicht ein wenig nachgeholfen haben, und das macht für mich die Sache noch viel werthvoller. Nun bringt ihn aber nicht auf und fügt Euch in seine Anordnungen, wenn sie Euch auch sonderbar erscheinen mögen."

Gewiß, gewiß!" versicherte Anna.Wo ist er denn?

Komm, Adolf, wir wollen ihn aufsuchen, um ihm zu danken."

Sie wollte des Geliebten Hand ergreifen, um ihn nach der Thür zu führen. Die Mutter hielt sie zurück.

Laß es gut sein. Er will keinen Dank und keine Nührscene, wie er sagt. Schweigt still, bis er selbst davon anfängt. Es soll überhaupt nicht von der Sache gesprochen und nicht gethan werden, als ob wir eine Braut im Hause hätten. Auch Deinen Schwestern darf ich's nicht schreiben, sie können es einmal bei Gelegenheit erfahren, meinte er."

Warum nur nicht!"

Sei Deinem Vater darf man nicht viel nach dem warum" fragen, das kennst Du doch, mein Sohn. Dein Bruder soll ebenfalls vorläufig nicht davon benachrichtigt werden, mein Töcherchen."

Ueber Annas klares Gesicht flog ein Schatten.

Wie schade!" rief sie traurig.Stephan würde sich sehr gefreut haben."

Nun, das wird sich ja Alles finden," tröstete sie die sanfte Frau, die es nicht über das Herz gebracht haben würde, dem jungen Mädchen ,die schroffen Aeußerungen ihres Mannes über den Bruder zu wiederholen. Es wird, nun wir so weit sind, gewiß Alles gut werden. Habt nur Geduld und gebt Euch Mühe, den Vater bei guter Laune zu erhalten. Du darfst nicht häufiger als sonst heraus­

kommen, Adolf, und nehmt Euch in Acht, daß der Vater Euch nicht zu viel bei einander sieht."

Adolf versprach das und fügte hinzu, er müsse so wie so morgen nach Greifswald zurück, Anna aber gelobte in die Hand der Schwiegermutter:

Ich will gewiß thun, was ich dem Vater an den Augen ablesen kann und werde noch fleißiger und sorgsamer sein als bisher."

Wie Du das anfangen willst, weiß ich nicht, bist ja schon der Fleiß und die Gewissenhaftigkeit in eigener Person," erwiderte Adolf, ihre Hand an seine Lippen drückend, und seine Mutter nickte dazu, während die matten blauen Augen aufleuchteten.

Doch, doch!" entgegnete Anna eifrig und eilte aus dem Zimmer mit den Worten:

Jetzt ist es aber hohe Zeit, daß ich in die Milch­kammer komme. Die Butter muß abgewogen und einge­schlagen wer en, damit sie fertig ist, wenn der Fuhrmann aus Greifswald kommt, um sie abzuholen."

IV.

Seit einer Reihe von Jahren hatte Amtmann Wenzel die königliche Domaine Waldhof in Vorpommern, deren fruchtbare, weitausgedehnte Ländereien sich bis zum Meere erstreckten, in Pacht und bewohnte das noch aus der Zeit der alten pommerschen Herzöge stammende altersgraue, weitläufige Schloß, das nur zum Theil zu Wohnstä ten für die Kinder der Neuzeit hergerichtet war. Ein anderer Theil ward als Kornspeicher, Wollböden und für andere landwirth- schaftliche Zwecke benutzt.

Durch Fleiß, Tüchtigkeit und einfache, verständige Lebensweise war Wenzel auf seiner Pachtung zum reichen Mann geworden und fand, daß auch jetzt bei guter Bewirth- schaftung und verständiger Lebenshaltung darauf auszu­kommen sei, wenn er auch nicht in Abrede stellte, daß die Landwirthschaft harte Zeiten zu überwinden habe.

Amtsrath Wenzel war Wittwer. Von mehreren Kindern, die seine verstorbene Frau ihm geboren, war nur eine Tochter, Mera, am Leben geblieben. Er hatte sie sehr sorgfältig zuerst durch eine Gouvernante im eigenen Hause erziehen lassen und sie dann zu ihrer weiteren Ausbildung noch für ein paar Jahre nach Berlin in Pension gegeben, so schwer es ihm auch geworden war, sich von dem geliebten einzigen Kinde zu trennen.

Erst nachdem Meta zurückgekehrt war, hatte der Amts­rath sein Haus auf einen seinem Vermögen entsprechenden etwas größeren Fuß eingerichtet und eine ausgedehntere Geselligkeit gepflegt als früher, dabei jedoch niemals ein weises Maß überschritten.

Seit mehreren Wochen hatte man aber in Waldhof überhaupt keine Gäste gesehen. Meta war sehr krank ge­wesen und hatte dem Vater viel Angst und Unruhe bereitet.

Auch jetzt, wo sie völlig wiederhergestellt war, ruhte sein .Auge nicht ohne Besorgniß auf ihr, als er in dem sehr gut ausgestatteten Speisezimmer, dessen Fenster nach dem von alten, breitästigen Kastanien beschatteten alterthümlicheu Schloßhof gingen, mit ihr am gutgedeckten, wohlbesetzten Tisch beim Frühstück saß.

Trink', Meta," redete er ihr zu, indem er ihr Glas von Neuem mit Wein füllte.Du sieht mir heute wieder gar zu blaß aus."

Eine hohe Röthe, welche sogleich das schmale Gesicht des jungen Mädchens bedeckte und sich auch den kleinen Ohren und dem Nacken mittheilte, schien die Bemerkung des Vaters zu widerlegen.Was denkst Du? Der schwere Tokaier, ich habe schon ein Glas getrunken!" Ste schob das Glas zurück.

Thut nichts!" lächelte der Amtsrath und strich sich behaglich den ergrauten Backenbart,Du kannst immerhin ein zweite Gl.s trinken. Mein Freund, Professor Brunner, I hat mir erst gestern, als ich in Greisswald mit ihm über