1898.
Sonntag den 27. Febrnar
TOäTÜ
DL es großen Mannes Sohn wird oft ein Wicht, Und reiches Erbe schützt vor Armuth nicht. In seines Vaters Glück und Eigenart
Ist keines Sohnes Glück und Art gewahrt. O. S.
Der Amtmann von Rapshagen.
Criminal-Roman von F. Arnefeld.
(Fortsetzung.)
Anna schaute ihn verwundert an. Offenbar begriff sie gar nicht recht, was damit gemeint sei.
„Aber wie kann ich denn das?" fragte Anna. „Mein Leben versichern?"
Er lächelte über ihre kindliche Unwissenheit, fühlte sich aber gleichzeitig tief beschämt dadurch. Die erröthende Stirn senkend, erklärte er ihr die Bedeutung der Lebens- versicherung. Sie begriff ihn sehr schnell. Zu seiner Verwunderung überzog ein Freudenschein ihr Gesicht. Sie schlug die Hände zusammen nnd rief:
„Das giebt es, Adolf! O, das ist ja ganz herrlich!"
„Zucker, Zucker!" kreischte der Papagei, sehr erbost über die Nichtbeachtung, an die er gar nicht gewöhnt zu sein schien.
Das junge Mädchen stand auf, nahm aus einer kleinen Schale ein Stück Zucker und befriedigte den Schreier, schloß dann aber den Käfig und warf ein Tuch darüber. Zum 5 Sopha zurückkehrend, versetzte sie: >
„Der Schwätzer soll uns weiter nicht stören. Das ■ ist wirklich ein Prächtiger Einfall von Deinem Vater."
„Aber, Anna, hast Du denn nicht begriffen?" fragte er vorwurfsvoll.
„Gewiß," antwortete sie. „Ich soll mich einkaufen und jährlich einen Beitrag zahlen, damit nach meinem Tode meine Erben eine große Summe erhalten, das ist sehr schön. Nur " ihre heitere Miene verdüsterte sich — „woher soll ich denn das Geld für den Jahresbeitrag bekommen? Du weißt doch, daß ich ganz arm bin."
„O, den wird mein Vater zahlen Und zu seiner Sicherheit die Police in Händen behalten, nur —"
//Wie gut von ihm!" unterbrach sie ihn. „Ich habe
I Deinem Vater viel abzubitten, Adolf. Nie hätte ich gedacht, daß er das Alles für uns thun könnte."
„Du bist also nicht verletzt durch die Zumuthung?" fragte er aufathmend.
„Aber wie so te ich?" erwiderte sie verwundert. „Im Gegenrheil, ich freue mich darüber, ich fühle mich ordentlich gehoben durch den Gedanken, daß ich nun doch nicht ganz arm zu Dir komme, sondern Dich im Falle meines Todes | zu einem reichen Erben mache."
j //Sprich nicht so etwas!" rief er, sie an sich drückend, i ,/Dein Leben ist mir theurer als Alles. Ich würde mich i doch als Bettler fühlen, wenn ich Dich verlieren sollte." I Sie wiegte den tübschen Kopf und fragte mit altklugem 1 Gesichtsausdruck: „Wie viel würde ich denn z. B. Werth sein?"
„Ach, Anna, wie kannst Du so scherzen?"
j //Esi ich scherze nicht, es ist mein voller Ernst. Mit ' welcher Summe gedenkt Dein Vater mich zu versichern?"
„Er sprach von hunderttausend Mark."
„Hunderttausend Mark?"
„Ja, darunter wird er es schwerlich thun."
„Hunderttausend Mark!" wiederholte Anna nochmals, indem sie aufsprang und sich in die Höhe reckte, als fühle sie Plötzlich ihre Wichtigkeit. „Adolf, wenn Dir die Summe in den Schooß fiele, damit könntest Du ja ein sorgenfreies Leben führen."
„Ohne Dich! Rede doch nicht solchen Unsinn. Dein Besitz allein macht mich glücklich. Betrachten wir die Sache als eine Schrulle meines Vaters, der wir uns fügen müssen und reden wir nicht mehr davon."
„Im Gegentheil, reden wir davon," erwiderte Anna, die ein seltsames Gemisch von naiver Kindlichkeit und practischem Altverstand war. „Wie glücklich wäre mein Bruder und ich gewesen, wenn mein Vater sich nur mit dem vierten Theil der Summe versichert gehabt hätte und das Geld wäre uns bei seinem Tode ausgezahlt worden."
„Das ist wohl wahr, aber Dein Vater war alt," begann Adolf. Lachend fiel sie ihm in die Rede:
„Und wo steht denn geschrieben, daß man jung sterben muß, wenn man sein Leben versichert? Ich kann alt und grau mit der Versicherung werden,- sie wird uns aber in unserem Haushalt einen angenehmen Rückhalt geben."
„Du hast Recht, ich freue mich, daß Du die Sache so gut aufnimmst, nun laß sie aber für uns abgethan sein," versetzte Adolf Göbener.
Nun er die Angelegenheit mit seiner Braut besprochen hatte, erschien sie ihm auch wieder in einem günstigeren


