Ausgabe 
27.1.1898
 
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bis vier Meter langes und etwa einen Meter breites, vier­eckiges Stück Stoff, aber stets von der schwersten Seide und so kostbar, wie ihn die Trägerin nur erschwingen kann. Es giebt Obis, welche Hunderte von Mark kosten, und ge­wöhnlich ist der Preis dieses Gürtelbandes höher als jener aller anderen Kleidungsstücke, welche die Japanerin trägt, zusammengenommen. Um den Obi anzulegen, ist immer die Hilfe einer zweiten Person erforderlich, und es scheint in der Thar eine wahre Kunst zu sein, den Obi zu knüpfen. Zunächst wird über die langen faltenreichen Kleider eine Schärpe aus Krepp, der Hosoobi, gebunden, dann wird der Obi der Länge nach zu einer etwa fußbreiten Schärpe zusammen­gefaltet und mit der Faltung nach oben der Japanerin zwei- bis dreimal um den Leib gewunden. Die Enden werden rückwärts in kunstvoller Weise zu einer riesigen Masche ge­bunden, und die zwölf bis fünfzehn Lagen des ungemein schweren, dicken Stoffes bilden eben das eigenartige Kissen, das die Japanerin unter ihrem Rücken trägt. Um seiner­seits wieder den Obi zu halten, wird darüber ein elastisches dünnes Seidenband mit kleinen, kunstvollen Goldschließen an den Enden, das Obi-dome, gebunden. In den Falten des Obi verbirgt die Japanerin eine ganze Menge kleiner Artckelchen, die sie stets bei sich zu tragen pflegt, und was im Obi nicht Platz findet, wird in die weiten, sackartig herabfallenden Aermel des Kimono gesteckt. Da sind zunächst die kleinen, weichen Papierchen, welche die Japanerin statt des Taschentuches zu benutzen pflegt,- ferner Pfeife, Tabaks­beutel und Zündholzschachtel, denn die Töchter Japans sind eingefleischte Raucherinnen und ziehen alle Augenblicke die winzigen Pfeifchen mit den fingerhutgroßen Köpfen und blei­stiftlangen Stielen hervor, um sich diesem Genuß hinzugeben. Dann kommen allerhand Toiletten artikel, Kamm, Nadeln, Puderbüchse, Schminkkästchen, Schwärzestifte für die Augen­brauen, ein kleines Spiegelchen und schließlich der unent­behrliche, allgegenwärtige kleine Papierfächer.

Noch häßlicher als der Obi erscheint dem Europäer die Fußbekleidung der Japanerin. Diese zarten, ätherischen, reizenden Geschöpfchen gehen ihr ganzes Leben lang auf schweren Holzschuhen einher. Schon in den ersten Jahren ihrer Kindheit werden ihre winzigen Füßchen in zolldicke Holzsandalen gesteckt, die durch Lederstreifen an den Füßen festgehalten werden, und ein anderes Schuhwerk bleibt ihnen bis zu ihrem Tode unbekannt. Die Japanerin trägt keine Strümpfe. Ihre Waden bleiben nackt, und gehen sie im warmen Sommer in den Straßen oder den schattenreichen städtischen Parks spazieren, dann legen sie wohl auch ihre Kimonos über den Arm und zeigen mit rührender Unver­frorenheit ihre Beine. Aber auch bei herabfallenden Kimonos öffnen sich diese Gewänder beim Gehen und enthüllen die Beine mehr oder weniger bei jedem Schritte. An Stelle der Strümpfe trägt die Japanerin ganz kurze, etwas über die Fußknöchel reichende Leinen- oder Seidensocken mit einer Abtheilung für die große Zehe und fester Sohle aus dickem Baumwollstoff. In ihren Häusern, im Theater, in Tempeln und Theehäusern gehen die Japanerinnen nur in diesen Socken einher, und die Holzsandalen bleiben vor der Thüre stehen. Treten sie auf die Straße, so schlüpfen sie mit ihren Füßen wieder in die schweren Klötze und schleifen damit mühs im und mit gebeugten Knieen, vornüber geneigt, einher. Stehend oder sitzend ist die junge Japanerin von unsagbarem Reiz, der aber sofort verschwindet, wenn sie auf der Straße einherschlürft.

Ebensowenig wie die Japanerin ihren Obi binden kann, ebensowenig kann sie ohne fremde Hilfe ihre Haare frisiren, und auf der Reise durch Japan ist es eine der gewöhn­lichsten Scenen, zwei weibliche Wesen in ziemlich tiefem Negligs bei dieser ihrer Meinung nach wichtigsten Ver­richtung zu erblicken. Bei der peinlichen Sorgfalt, die sie auf ihre Haarfrisur verwenden, und dem bedeutenden Zeit-

| aufwand, der dafür erforderlich ist, muß es ihnen ein Trost sein, daß die zu so hübschen Bändern und Maschen zu ammen- geleimten Haare beiläufig eine Woche lang halten. Würden die Japanerinnen ihre Nachtruhe auf ähnlich weichem Pfühle verbringen wie ihre abendländischen Schwestern, dann müßten sie sich natürlich, geradeso wie diese jeden Morgen der Haar­frisur unterziehen. Deshalb legen sie ihre Köpfchen keines­wegs auf schwellende Federkissen. An Stelle derselben tritt ein Holzklotz, den sie sich beim Schlafengehen unter den Nacken schieben und über den ihre Köpfchen frei herabbaumeln. Aber lieber erdulden sie diese von frühester Jugend auf ge­wohnte Qual, als die schön pomadisirten Haare in Un­ordnung zu bringen.

Wie mögen manche von ihnen die Damen des japa­nischen Kaiserhofes wie der feudalen Fürstenhöfe aus früheren Zeiten beneiden, wo es Mode war, die reichen schwarzen Haare lose herabfallend zu tragen!

Daß in diesen Haar- und Kleidertrachten der Japane­rinnen durch die Einführung europäischer Moden bald eine Aenderung eintreten dürfte, ist nicht anzunehmen. Man geht in Europa fehl, wenn man glaubt, die Verordnung der japanischen Regierung hätte im Volke irgendwelche Wirkung gehabt, und das alte Japan hätte seine bisherigen malerischen Trachten modernen Kleidern, Miedern, Federhüten und Stöckelschuhen geopfert. Ausschließlich bei Hofe werden diese Producte der europäischen Modeknechtschaft getragen, und die in solcher Maskerade erscheinenden Damen mögen wohl als abschreckendes Beispiel für all ihre nicht hoffähigen Schwestern gedient haben, denn, der Vorsehung sei es ge­dankt, man begegnet in Japan, wohin man auch reisen mag, in Städten und auf Dörfern, bei Hoch und Niedrig, nur japanischen Toiletten. Statt dieselben durch europäische er­setzt zu sehen, müßte man eigentlich herzlich wünschen, daß der japanische Kimono, aber ohne Obi und Holzsandalen, im Abendlande Einführung fände.

Gein-rnnritziger.

Tafelobst de« Winter über zu conserviren. Aepfel halten sich am besten in gut gefügten, mit Holzwolle ausge­fütterten Holzkisten und mit Holzwolle zwischen den einzelnen Früchten und Schichten auf dem Boden (nicht im Keller) aufbewahrt. Auch zur Versendung von Tafelobst gibt es kein geeigneteres Material als Holzwolle. Sie wirkt gegen Fäulniß, schützt als schlechte Wärmeleiter vor dem Frost und erhält das Obst frisch und gesund.

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Feiner Salat aus Sellerie. Eine große Knolle Sellerie wird abgeschält, in passende dünne Spalten ge­schnitten und in V2 Liter Wasser, vier Eßlöffel guten Wein­essig, drei Gramm Zucker, x/3 Kaffeelöffel Salz weich ge­kocht. Dann seiht man die Selleriespalten ab, läßt sie ab­kühlen und bereitet sie mit Oel und Essig zu. Auf diese Weise zuberei.tet, schmeckt der Selleriesalat vorzüglich.

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Pikante Sauce zu gebratenen Fischen. Zuthaten: 1/i Liter bestes Olivenöl, zwei Eigelb, ein kleiner Löffel Senf, zwei kleine Essiggurken und Petersilie, Beides fein gewiegt, eine Prise feines Salz. Die Eigelb werden mit einigen Tropfen Essig in steinerner Schüssel verrührt, tropfenweiß das Olivenöl beigefügt, gerührt bis dick ist, was ungefähr % Stunden Zeit erfordert, dann das übrige hinzugesügt, mit gerührt und kalt gestellt. Man kann die Sauce schon zwei Tage vor Gebrauch machen, jedoch in steinerner Schüssel stehen lassen. Sollte sie beim Versuche zu scharf sein, kann man etwas kaltes Wasser hinzurühren.

Kebactien: 8L Echeyba. Druck uub Verlag der Brühl'schen Üniverfitäts-Buch- und Stcinbruckerei (Pietsch & Scheyba) in Meßen-