Donnerstag de« 27. Jansar.
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(?&Sruf Treue ruht das Kaiserthum, Auf Treue steht die ganze Welt; Nur Treue ist der Herr der Welt, Auf Treue aller Segen ruht. Alter Spruch.
Blond der Haare, Blau der Augen
Macht den Deutschen, wie ks heißt;
Besser zu Wahrzeichen taugen
Deutsches Herz und deutscher Geist.
Joh. Scherr.
Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, In keiner Noth uns trennen und'Gefahr. Schiller.
Muttersohn.
Roman von Arthur Zapp.
(Fortsetzung.)
Der Commerzienrath rückte mit seinem Stuhl zum Zeichen, daß er die Unterredung zu beendigen wünsche. Nach seiner Ansicht hatte er sich schon zu lange mit seinem früheren Werkführer aufgehalten. Seine Zeit war kostbar und er verschwendete sie nicht gern an unnütze Dinge. Aber der junge Mann nahm in seiner Aufregung von der Ungeduld des Commerzienraths keine Notiz.
„Sie richten mich zu Grunde, Herr Commerzienrath, Sie ruiniren mich!" stieß er verzweifelt hervor.
Herr Dalchow zuckte mit den Achseln.
„Das würde mir privatim sehr leid thun und es ist, wie gesagt, nicht meine Absicht. Aber ich kann Ihnen nicht helfen. Sie wisfen, wie's im geschäftlichen Leben zugeht: Des Einen Profit ist gewöhnlich des Andern Schaden. Sie haben sich ja seinerzeit auch nicht darum gekümmert, daß Sie mein Interesse schädigten."
„I . . . . ich, Herr Commerzienrath?" stammelte Carl Köster erschrocken.
„Freilich ... als Sie mir kündigten. Sie hatten sich bei mir eingearbeitet, Sie wußten mit Allem Bescheid, man konnte sich auf Sie verlassen. Es ist nicht leicht Ersatz zu finden. Ich habe seit Ihrem Weggang schon zweimal gewechselt. Das bedeutet immer einen kleinen Schaden . . . na, man schreibt ihn einfach auf das Verlustconto und spricht nicht weiter darüber."
Er griff nach seinem eleganten Schreibzeug hinüber und nahm einen Federhalter in die Hand. Karl stand noch immer auf demselben Fleck. Seine Fingernägel gruben sich tief in die Krämpe seines Hutes.
„Man wollte sich doch auch einmal selbständig machen, Herr Commerzienrath!"
„Natürlich! Das konnte ich Ihnen ja gar nicht verdenken und ich habe Ihnen ja auch damals mit keinem Wort zugeredet, zu bleiben. Das konnte ich ja gar nicht von Ihnen verlangen. Ihr gutes Recht war es, zu gehen und sich zu etabliren, wie es mein gutes Recht ist, meinen Profit zu suchen, wo ich ihn finden kann."
Er tauchte seine Feder ein und beugte sich über die Platte seines Schreibtisches.
Carl Köster stand wie vernichtet. Das Argument des Commerzienrathes schien ihn völlig geschlagen zu haben. Jedenfalls sah er ein, daß er irgendwelche Rücksicht von dem kalten Geschäftsmann nicht zu erwarten habe. Dem lag vor Allem sein Profit am Herzen.
„Guten Morgen, Herr Köster", sagte der Commerzienrath in nicht mißzuverstehendem Ton.
Dem jungen Mann schlug eine flammende Röthe ins Gesicht. Seine Finger bewegten sich zuckend und sein Mund öffnete sich. Aber der tief eingewurzelte Respect vor dem Fabrikherrn siegte. Ohne Erwiderung schlich Carl Köster hinaus.
Zu Hause angelangt, berieth er mit seiner Frau, was nun werden sollte. Er war gewöhnt, sich über alle geschäftlichen Dinge mit Helene zu besprechen. Sie hatte von allem Anfang an nicht nur ein eifriges Interesse, sondern auch ein schnelles Verständniß und einen klaren Blick in allen geschäftlichen Angelegenheiten bewiesen. Sie rieth ihm, sich eine neue Specialüät zu schaffen. Carl stimmte zu. Er hatte in seinen Mußestunden einen neuen Brenner construirt, der sich zu demselben Preise Herstellen ließ wie die bisherigen Rundbrenner, der aber in Folge eines sinnreich construirten Mechanismus den Vorzug einer viel stärkeren Leuchtkraft besaß. Wenn er auf seine Erfindung ein Patent nahm und den Brenner sogleich in größeren Massen auf den Markt warf, so war ein großes Geschäft zu machen und keine Con- correnz konnte ihm etwas anhaben. Aber Geld gehörte dazu . . . mindestens ein paar Tausend Mark. „Der Vater wird Dir schon helfen", ermuthigte ihn Helene.
Carl kratzte sich mit einer zweifelnden Miene hinter dem Ohr. Er kannte die Aengstlichkeit seines Vaters, feine Kleinlichkeit in Geldsachen und seine Liebe zu dem Geld, das


