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Was sind Grutz- und Erinnerungsphotographien *? Das ist thatsächlich mal was Neues, Originelles und Reizvolles, das Interesse bei Alten und Jungen verdient. Sie beschauen sich gern Ansichtskarten, sie freuen sich, wenn ihnen eine solche Karte zeigt, wo der Absender lebt — wir auch. Aber wie selten macht das Bild Anspruch auf Schönheit und Treue/ wie hat es gelitten unter den Händen seiner Beförderer, unter dem Stahldruck des Poststempels rc. und vor Allem das zeigt es doch nicht, was die Photographie zeigt, diese treueste der treuen unter den mechanischen Reproductions- arten. Ja, wenn man an eigene und fremde Reisen erinnert würde durch etwas, was Photographie, Ansichtskarte, Reisebeschreibung vereint, was einheitlich wäre in Format, Ton, Ausgestaltung rc.! Während Sie das denken, schöne Leserin, lieber Leser, und sich so ein Jdealalbum vorstellen, das Ihr eigenstes Prachtwerk wäre, znsammengcstellt auf Reisen, ein immer neuer Quell der Unterhaltung und Erinnerung — ist es schon erfunden eben in der Gruß- und Erinnerungsphotographie. Unter dem gemeinschaftlichen Titel „die Welt in Photographieen" giebt jetzt Joseph Kürschner, der unermüdlich immer Neues findet und erfindet, in dem bekannten Verlage von Hermann Hillger in Berlin tausende schönster Cabinet- photographieen aus allen Theilen der Welt heraus, vornehmlich natürlich zuerst des lieben deutschen Vaterlandes, Oesterreichs und der meist bereisten Länder. Auf der Rückseite dieser Photographieen findet sich ein instructiver Text über das Dargestellte, der ca. 24 Zeilen umfaßt und mit der Liebenswürdigkeit eines Wandergenossen und mit der Kenntniß eines Specialführer^ plaudert. Aber überraschend in ihrer Einfachheit und dabei doch so bis aufs i-Tüpfelchen zweckentsprechend ist die echte Kürschner'sche Einrichtung, die in Form einer Visitenkarte, mit der den Besuch markirenden umgebogenen Ecke Pl-tz gefunden hat, auf dem Sie selbst Ihre Bemerkungen über die Erlebnisse an dem bildlich dargestellten Ort niederlegen oder den Freunden Gruß- und Scherzwort senden, kurz Geschichtsschreiber der eigenen Reise oder Meldereiter für ihre Gedanken an ferne Lieben sein können. Zu jedem Bild bekommen Sie ein schmuckes Couve t in dem, durch eleganten Löschcarton geschützt, das Bild Aufnahme findet, um darin seinen Weg anzutreten, je nach Ihrer Redseligkeit für drei oder zehn Pfennig. Die Neuheit hat etwas so Ueberzeugendes, daß Jeder sich mit ihr befreunden ! wird, auch der, der dem etwas tollen Spuk der illustrirten - Postkarte vielleicht gram ist. Die Kürschner'sche Gruß- und Erinnerungsphotographie wird zu einem Sammelsport reizen, der seine int besten Sinne sehr ernste Seite hat: er wird den Blick wahrhaft erweitern, das Herz erfreuen durch die dar- gestelllen Schönheiten der Natur und menschlichen Schöpfungen, Sinn für Geographie wecken und ausgestaltrn, Kenntnisse j bring?« und auch Sammlung. Denn wenn es erst Mode ge- \ worden, sich von seinen Reisen und überall her solche Bilder i mitzubringen und sie in Albums zu vereinigen (wie sie ! übrigens ebenfalls von Hermann Hillger Verlag in den 5 verschiedensten Ausstattungen geliefert werden), dem Laufe ' der Reise entsprechend, so wird die Erinnerung an diese ! fester haften und zu immer neuen Genüssen und Mittheilungen ' an Befreundete Gelegenheit geben. Begründet ist bei dem ' Gedanken an die hahen Preise der Phothographie, daß diese ■ Neuerung etwas sei, nur finanziell Bevorzugten verwendbar, i dem ist aber nicht so. Denn das ist das Wunderbare bei ; der so schönen und klaren Sache, daß jedes dieser Cabinet- ; bild r nur — zwanzig Pfennig kostet mit Couvert rc. Nach Orten, Gegenden rc. zusammengestellt werden auch je zehn Bilder in sehr origineller Mappe zum Preise von zwei Mark geliefert. Die Buchhandlungen führen Verzeichnisse, aus denen das bisher Erschienene ersichtlich ist. Was wir von den Bildern iahen, hat uns gezeigt, daß hier etwas wahrhaft Gutes und Empfehlenswerthes geboten wird. Möchte es sich überall einbürgern!
Humoristisches.
Spanischer Optimismus. Marineminister (mit seinen College« über die Verwendung der eingegangencn Gelder berathend): „Und mit diesem Geld kaufen wir ein neues Schiff und geben ihm den Namen „Delila". — Finanzminister: „Warum „Delila?" — Marineminister: „Weil wir mit diesem Schiff dem Sampson die Haare stutzen werden."
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Gaunerstolz. Richter: „Wie oft sind Sie schon vorbestraft?" — Angeklagter: „Ich will nich dicke dhun, Herr Jerichtshof, aber Stücker zwanzig Mal wern 's woll' sind.
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Vett. A.: Hast Du Line Cigarre bei Dir?" — B.: „Nein, ich kaufe keine Cigarren mehr." — A.: „Wie kommst Du denn auf den Gedanken?" — B.: „Ich will Dir das Rauchen abgewöhnen."
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„M alitiös. „Kleidet mich wohl dieser Cylinder oder ein Strohhut besser, Coustnchen?" — „Auf Deinen Kopf paßt besser ein Strohhut."
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Die billige Uhr. Ein Herr, welcher in der Eisenbahn einem anderen gegenübersitzt, bemerkt an diesem, daß er mit dem Oberkörper von Zeit zu Zeit eine schüttelnde Bewegung macht, und fragt ihn deshalb: „Sie sind wohl nervenleidend?" — „Sie irren," — meint dieser — „ich habe mir da so eine Uhr für drei Mark gekauft. Die bleibt mir sonst stehen."
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Druckfehler. Der Student kam ganz ermüdet im Bauernhöfe an und klagt über Durst, worauf er von der Bäuerin mit Wasser gekränkt wurde.
Literarisches
Novellen - Bibliothek der Illustrirten Zeitung. 22. Band Preis 2 Mk., in Originalleinenband 3 Mark Verlag von I. I. Weber in Leipzig. Fast ein Viertelhundert neuer, den Leser immer fesselnder Geschichten spendet der soeben erschienene 22. Band der schnell beliebt gewordenen Novellen-Bibliothek der Illustrirten Zeitung. In farbigen Lebensbildern wird uns ferner Länder Art und Sitte vertraut. Des Daseins Lust und Leid in der lärmvollen Großstadt wie im armseligen Fischerdorf, an der Brandung der Meeresküste wie hoch oben int Gebirge wird hier bald erschütternd, bald schalkhaften Humors voll geschildert. Uebermüthige Laune sprüht aus der Novelle „Das lederne Wams" von I. Weiß. Eine ergreifende Episode aus Mozarts letztem Lebensjahr erzählt A. E. Simsons „Requiem". Arthur Achleitner führt uns hinein in die Majestät der Alpen und ihre Schrecknisse und schildert uns dte Bevölkerung des Hochgebirges mit Liebe, ober auch mit der Liebe zur Wahrheit. Wie auf demselben Boden kindliche Frömmigkeit und fanatische Bigotterie gedeihen können, zeigt Max Langenbergs packend erzähltes „Gnadenbild".
Katechismus des Ruder- und Segelsports von Otto Gusti. Mit 66 Abbildungen und einer Karte. In Originalleinenband 4 Mark. Verlag von I. I. Weber in Leipzig. Dem Vorurtheil Uneingeweihter, daß der Rennrudersport schlimme Folgen für die Gesundheit haben könnte, wird hier vom Verfasser gründlich der Garaus gemacht, der Einfluß des Wassersports auf Körpcrentwicklung und Character- bildung dagegen erschöpfend nachgewiesen. Die Vortheile der Vereins- angehörigkeit namentlich für sportgerechte Schulung werden in das grhörige Licht gestellt. Dankenswerth sind die Winke für Ausrüstung auf Touren und Grundlinien eines Wasser-„Baed-ker". Ein alphabetisches Register weist auf alle im Katechismus erläuterten Fachaus- drücke hin. Der Ruder- und Segelkarte ist eine alphabetische Uebersicht der deutschen Orte mit rüder- und segelsportlichen Ver-inen beigegeben. Den instructiven Textillustrationen wird jeder Sachverständige anmerken, daß hier Fachmänner den Griffel gehandhabt haben. Gustis Katechismus sei auch allen denen angelegentlich empfohlen, die weit ab von Pffegestätten des Ruder- und Segelsports an einem zu fröhlicher Fahrs lockenden Wasserspiegel ihren Wohnsitz haben.
«esaction: «. Burkhardt. — Druck und «erlag der Brühl'schm UniversitStd-Buch- und Vtemdruckerei (Pietsch Ur 6 en) in Gießen.


