Ausgabe 
26.7.1898
 
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s ist Geduld ein rauher Strauch Voll Dornen aller Enden, Und wer ihm naht, der merkt das auch An Füßen und an Händen.

Und dennoch sag' ich: Laß die Müh' Dich nimmermehr verdrießen, Sei's auch mit Thränen spät und früh Ihn traulich zu begrüßen.

Urplötzlich wird er über Nacht Dein Mühen dir belohnen. Wenn über all den Dornen lacht Ein Strauß von Rosenkronen.

W. Wackernagel.

Felsgarten.

Roman von Clara Bücker.

(Fortsetzung)

Hilde sah traurig zu ihm auf, jede Farbe wich von ! ihrem Gesicht. /

Womit habe ich das verdient? Aus innerer Freund- i lchaft gab ich Ihnen meine Sachen doch nicht aus Eitel- kett oder Prunksucht. Weil Sie spielten, weil Sie voll ; Verständniß für mich schienen ich meinte es nur gut, ; Herr Wulfsens

Nun ja."

Die sanfte Stimme griff gewaltig an sein Herz.

Ich bin sonst nicht so freigebig," fuhr sie halb ab­gewandt fort,für den Papa sind meine Sachen langweilig, er ist noch von der alten Schule. Irgend eine herzhafte Reisebeschreibung, ein spannendes Genrebildchen und was die Namen unserer Großen decken, umfangreicher mag er sich das Gebiet geistigen Könnens nicht denken."

Irmgard aber nein, für sie male ich nicht. Das Wenige, was sie von mir zu sehen bekam, verspottete sie in s einer Weise, die mich nicht belehrt, schon der Vers im- s zimmer ist ihr ein Dorn im Auge."

Und Ihnen ist meine Art ebenfalls unangenehm? : Seien Sie aufrichtig."

Jetzt hatte Heinrich sich wieder in der Gewalt.

Unangenehm? Aber, Fräulein Hilde, das gerade . Gegentheil davon, ich wage es ja nicht auszusprechen. !

Allerdings bin ich kein Fachmann, vom meinem Laienstandpunkt aus folgt sichs schwerer, trotzdem überraschten und fesselten Sie mich, wie es mir sonst nur die Musik thut. Eins freilich mag es an Ihrer Auswahl liegen Sie malen mit aller Inspiration eines starken Geistes, nur die des Herzens fehlt/ indeß, ich bin nicht maßgebend, ent­schuldigen Sie."

Was soll ich entschuldigen?" rief sie wieder mit dem stolzen, muthigen Ausdruck von gestern Abend:sprechen j Sre frei heraus, ich will, ich muß noch viel lernen!" S , ."Sie s? hen bloß, daher das Ueberwigen des Geistigen. : Erleben müssen Sie!" 1 u

Sein Blick fuhr schwer-und düster an ihr herab: daß er Hilde nicht allein zudringlich, sondern wie ein Blitz zer- geahntnb fen9enb traf/ der Leidenschaftliche nicht

1 Ihr Gesicht versteinerte gleichsam, ihr Auge schimmerte eisig auf, ihre Lippen krümmten sich in einem unsagbaren Stolz. Sie kehrte ihm den Rücken und ging."

Heinrich wagte keinen Laut, bewegungslos rang er mit dem Schmerze, sie damit gekränkt zu haben, womit er Ines erobert hatte, mit seiner Sinnlichkeit. Es begann ein bitteres, aber ehrliches Ringen in ihm sie, die so von ihm ging, handelte recht.

Unentwegt schritt Hilde dem Hause zu, jedes weiche Empfinden, am meisten den trostlosen Schmerz über diese Enttäuschung weit von sich weisend.

In der Nähe der Glasthür lief sie dagegen schon schneller und als diese hinter ihr zufiel, stiegen die Thränen eben in ihre Augen, da rief Tauchlitz von oben her.

Hilde! Ich bitte, einen Augenblick."

Sofort, Papa."

Tauchlitz erwartete sie in seinem Arbeitszimmer. Er war fertig gekleidet, hatte dabet seine väterlichen Betrachtungen von gestern wieder ausgenommen und zuguterletzt die Debatte im Garten beobachtet. Sein Entschluß war gefaßt.

Du riefst mich," sagte Hilde blaß, mit jenem harten Gesichtsausdruck, den ihr die Selbstbeherrschung lieh.

Da hatte es also schon Affecte gegeben.

Höre, Kind," sagte er leichthin,ich bin Dir doch noch eine Aufklärung schuldig. Es scheint Wulffen bei uns zu behagen, vielleicht bleibt er länger, da mußt Du als erste und einzige Dame im Hause orientirt sein."

Laß es doch, Papa, es ist ja geschehen," wehrte sie gequält ab.

Du bist nicht neugierig, ich weiß,- dennoch könntest