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Er hat einen ordentlichen Lebenswandel geführt, auch öfters stark getrunken.
Das Betragen des Angeklagten ist im Allgemeinen gut, doch im betrunkenen Zustande läßt derselbe viel zu wünschen übrig. An Vermögen besitzt derselbe nichts als ein kleines nichtssagendes Häuschen.
Gemeinnütziges.
Der Stachelbeerstrauch im Sommer. Gewöhnlich bekümmert man sich im Sommer nicht um diesen Strauch und doch ist dies die beste Zeit seiner Pflege. Dieselbe be steht nun im Entfernen der austreibenden jungen Schößlinge und im Aufbringen von Compost oder verrotteten Düngers um den Strauch herum und im Auskneipen oder Abschneiden zu lang gewordener Zweigspitzcn und Zweige. Alt gewordene, schon verholzte Schößlinge sind zur heißen und trockenen Sommerzeit nicht zu entfernen, indem bei solcher Arbeit die Wurzeln beschädigt und derartig gelockert werden können, daß der Strauch vertrocknet. Dieserhalb ist auch ein Umgraben, wenigstens tiefes Umgraben des Bodens unter den Sträuchern im Sommer zu vermeiden. Das Umgraben und Eingraben des Compostes und Düngers hat dieserhalb erst im Herbst zu geschehen. Unkraut darf im Sommer auf keinen Fall unter den Stachelbeersträuchern geduldet werden.
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Wilder Wein. Die Pflanze, die man unter diesem Namen versteht, ist die aus Nordamerika stammende fünf- blätterige Doldenrebe. „Wilder Wein", der zur Verkleidung von Gartenhäuschen, Balcons und Veranden eine der empfehlenswerthesten Pflanzen ist, hat vor vielen anderen Schlingpflanzen den großen Vortheil, winterhart zu fein. Gleichwohl empfiehlt es sich, wenn man sie zur Bekleidung von Balcons verwendet, die Pflanzung der überaus leicht sich bewurzelnden Stecklinge in niederen Holzkisten vorzunehmen, die den gegebenen Raumverhältnissen angepaßt sind. Wenn die Pflanzen uns im September mit dem leuchtenden Roth ihrer Blätter den Genuß des scheidenden Blumenjahres gebracht haben, dann bringt man sie mit den Holzkisten einfach in den kühlen Keller und läßt sie daselbst über den Winter an einem trockenen Orte stehen. Im Frühjahr bringt man sie dann auf den Balcon.
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Daß der Star «ns ein Helfer ist, den schädlichen Apfelblüthenstecher zu vertilgen, habe ich mehrfach beobachtet. Im Frühjahr 1897 sah ich in einer größeren Obstbaumanlage eine Schaar Stare von Apfelbaum zu Apfelbaum fliegen, Alles untersuchend. Ich bestieg einen Baum in dem Glauben, daß die Stare nur die Räupchen, die man hier und da sah, abgelesen hätten, diese waren aber nicht allein verschwunden, sondern auch die Larven und Puppen des Apfelblütenstechers waren aus den wie verbrannt aussehenden Blüthen herausgeholt und verzehrt.
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Heilung einer Myrte. Vor einigen Jahren hatte ich eine Myrte in Pflege bekommen, die so stark mit Schildläusen besetzt war, daß ihr alle Lebenskraft geraubt und an ihrem Fortkommen allgemein gezweifelt wurde. Ich sann hin und her — endlich ein rettender Gedanke! Ein großes Gefäß wurde mit Wasser und Lehm gefüllt und ein dicker Brei gerührt, etwa so stark, daß beim Eintauchen einer Besenruthe eine 2 Millimeter starke Schicht haften blieb. Die Myrte schnitt ich nun stark zurück und tauchte sie vom Topf bis an die äußerste Kronenspitze in den Brei und stellte sie so in das Warmhaus. Am anderen Tage war der Lehmbrei getrocknet und konnte nun abgebröckelt werden. Die Läuse waren allesammt angetrocknet und waren sammt ihrer
Brut herabgefallen. Die Myrte verblieb unter reichlichem Spritzen und, nachdem sie verpflanzt war, im Warmhaus und entfaltete sich ganz prächtig. Im Frühjahr, abgehärtet, stellte ich sie halbschattig im Freien auf, und die Mühe wurde reich belohnt. „Eine herrliche Krone", sagte Jeder^ der die Myrte sah.
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Die Kunst, Naturblumen zu färben. Eine hübsche Spielerei, die auf das „Corrigiren" der Natur herauskommt ist das Färben von lebenden Blumen. Stellt man sie mit dem Stengel in Wasser, welches Scharlach-Anilin gelöst enthält, so färbt man sie roth- durch Jndigo-Carmin erhält man blaue, durch Mischung beider wasserlöslichen Aniline verschiedene Töne von Purpur bis Violett. Maiglöckchen färben sich auf diese Weise in sechs Stunden blau oder roth^ weiße Narciffen in zwölf Stunden tief purpurn. Aber auch weiße Camelien, Flieder, Primeln und Tulpen können sa nach Belieben der „Schönfärberei" unterzogen werden. Verwendet man sie dann für Tafelaufsätze, so kann man seinen Gästen eine ganz aparte Ueberraschung bereiten.
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Kitt für Risse in Gummireifen bei Fahrrädern erhält man aus 10 Theilen Guttapercha, 16 Theilen Kautschuk und 4 Theilen Hausenblase, welche man in 70 Theilen Schwefelkohlenstoff aufquellen läßt. Diesen Kitt füllt man in die sorgfältig gereinigten und wieder getrockneten Risse und hält die Theile bis zum Festwerden der Masse mit Bindfaden zusammen. — Auch durch Auflösen von einem Theil pulveri- sirten Schellack in 10 Theilen Ammoniakflüssigkeit (specifisches Gewicht 0,910) in der Kälte erhält man einen guten Kautschukkitt. Allerdings dauert die vollkommene Lösung des Schellacks in Ammoniak längerer Zeit. Beim Gebrauch ist ein Theil der gallertartigen Masse durch gelindes Erwärmen zu verflüssigen.
Hninopistisches.
Ein Trost. Dame (in einem Landwirthshaus): „In dem Kuchen sind ja Fliegen eingebacken!" — Wirthin (begütigend) : „Aber 's meist' sind Zibeben."
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Verwechselung Richter: „Sie heißen?" — Angeklagter: „Schiller!" — Richter: „Schiller . . . Hm, der Name kommt mir bekannt vor!" — Angeklagter (bescheiden): „Nee, der Schiller bin ich nicht, Herr Gerichtshof!"
Literarisches.
Die richtig« Verwendung von Liebig Companys Fleisch-Cxtraet und Pepton. Leitfaden für Vorsteherinnen von Koch-, Haushaltungsschulen, Krankenküchen, Reconvalescenten-Anstalten und für Hausfrauen. Von Hedwig Heyl, geb. Crüsemann. — Die Verfasserin ist bereits den weitesten Kreisen namentlich der Frauenwelt bekannt, sowchl durch ihre Thäligkeit bei der Leitung des Pestalozzi- Fröbel-Hauses in Berlin, im besonderen seiner Kochschule wie auch namentlich durch ihr großes Werk (916 Folioseiten) „Das ABC der Küche". Frau Heyl hat in dem neuerschienenen handlichen kleinen Buche höchst Beachtungswerthes geboten. Die Einleitung bringt über Fleischbrühe im allgemeinen (Bedeutung, Werth, rationelle Herstellung rc.) höchst anregende Darlegungen. Es folgen fünf Abschnitte über Bereitung von 8 „Grundbouillons", über deren Anwendung zu Suppen, über Speisen für den Selbstkocher, ferner über Saucen, Aspics rc., und schließlich i ein besonders bemerkenswerthes Capitel: „Krankenkost-Recepte". Diese t für Hausfrauen, Krankenpflegerinnen u. a. m. so wichtigen Themata i sind hier von einer Sachverständigen ersten Ranges mit Gründlichkeit t in allgemein verständlicher, klarer und übersichtlicher Form besprochen worden.
Redaction: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen UniverfitätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.


