Ausgabe 
26.6.1898
 
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Gerthes zuweilen mit Beschämung eingedenk werde. Werde idj ihn verstehen, ihm zur Seite bleiben können?

Die Kranke wiegte mißbilligend den Kopf.

Kind, Kind," sagte sie besorgt,Du schaffst Dir selbst Dich, daß Deine Selbstunterschätzung und Selbstanklagen nicht zur Manie ausarten! Einen Tropfen Wermuth enthält jedes Glück. Suche jeder Situation, ,edem Mißverständniß stets die beste Seite abzuaewinnen Du verbitterst sonst Dir und dem Manne, den Du liebst Las Leben." '

(Schluß folgt.)

Kinder als Helfer im Garten?)

M. Danklor.

Es ist zwar eine bekannte Regel, daß Kinder im Garten nicht vrel Gutes anrichten, aber man sollte dabeischreiben ,,ohne Aufsicht", denn bei genügender Aufsicht können sie sich recht nützlich machen. Natürlich müssen sie mindestens 78 Jahre alt sein.

Gut angeführt sind Kinder treffliche Helfer im Kampfe gegen Ungeziefer und Unkraut. Der Vortheil ist ein doppelter, nämlich für den Garten, oder für den Gartenbesitzer und nicht weniger für die Kinder.

So helfen mir die Kinder mit Vorliebe beim Ablesen der Raupen und Larven. Durch einen Trauerfall eine Woche vom Garten abgehalten, fand ich bei der Rückkehr alle Stachel­beersträucher von der Larve der Stachelbeerblattwespe be­fallen. Ein Strauch hatte schon alles Laub verloren, bei den übrigen begann das Verderben erst. Was thun? Kalken? Jawohl, aber die Früchte mit, dadurch werden diese minder- werthig. Da können Kinder helfen. Ein halbes Dutzend begann gleich die Arbeit, jeder Strauch wurde einer ein­gehenden Besichtigung unterworfen, und jedes Kind zählte die gefangenen Räupchen. Obschon weit über hundert Sträucher befallen waren, war die Arbeit am ersten Tage in ein paar Stunden vollendet. Von einzelnen Sträuchern waren über hundert Thiere abgelesen worden. Am zweiten Tage dieselbe Arbeit, mit Bienenfleiß durchmusterten die Kinder die ein­zelnen Zweiglein, an Sträuchern, wo hundert gefangen wurden, fanden sich zehn und nach ein paar Tagen fanden auch die eifrigen Sucherinnen keine mehr. Die Plage war abgewandt, während in der Nachbarschaft die Beerensträucher (die Thiere gingen, nachdem die Stachelbeeren abgefressen, auch auf Johannisbeeren) dürren Reisern gleichen, an welchen die hängengebliebenen Beeren sich merkwürdig abheben.

Kommen die Kohlraupen, nur die Kinder auf die Felder! Sie lernen leicht durch die Reihen zu gehen, ohne die Pflanzen zu beschädigen und sind dann unbezahlbare Helfer. Ihren scharfen Augen entgehen die Thiere nicht und ihre kleinen Finger greifen geschickter zu, als die arbeitssteife und harte Hand des erwachsenen Arbeiters. Hat man ein paar gut angelernte Kinder jeden Tag zur Verfügung, sei es auch nur ein paar Stunden, so kommt nicht viel Ungeziefer auf. Sie lernen bald die Schädlinge kennen und von den nützlichen Jnsecten unterscheiden und erwerben sich so eine practische Naturkenntniß, die für ihr künftiges Leben Werth hat. Solche Kinder werden nicht die Larven der Schwebefliege, bes Marienkäferchens u. s. w. tödten, auch die nützlichen Laufkäfer nicht mit Füßen tobt treten, ebenso natürlich auch die Vögel als nützliche Thiere nicht verfolgen. Sie werden vielmehr ihre Kameraden davon abhalten.

Etwas schwieriger sind die Kinder im Kampfe gegen das Unkraut zu verwenden. Auch hier ist Anlernen die Hauptsache. Zuerst lernen sie das Unkraut aus Wegen und Hecken entfernen, dann gehts ans Salatfeld, da der Salat

rnr- 0 Aus:Praktischer Rathgeber für Obst- und Gartenbau' Verlag von TrowiHsch & Sohn in Frankfurt a. O.

sich wohl am wenigsten mit Unkraut verwechseln läßt, dann an die anderen Felder. Ehe die Kinder an ein Feld gestellt werden, lernen sie genau die darauf wachsende Cultnrpflanze kennen, Alles andere dürfen sie ausziehen.

Sie lernen das Unkraut mit zwei Fingern unterhalb des Wurzelhalses fassen, damit die Wurzeln mit heraus­kommen, und werden darüber belehrt, wie dadurch doppelte Arbeit gespart wird.

Sie lernen hocken und knieen, ohne die Füße zu bewegen, damit sie auf den hinter ihnen liegenden Beeten keinen Schaden anrichten.

Ich sage noch einmal, 34 gut angeführte Kinder sind etn Segen für jeden Garten, und jeder Gartenfreund wird solche gegen eine kleine Belohnung (am Ende der Woche) haben können, wo nicht eigene Kinder vorhanden sind, die im Garten helfen können.

Ein anderes Bild: Dir Kinder liegen auf der Straße, treiben sich ohne Aufsicht herum und nehmen Vogelnester aus oder hocken in der Stube, und die Gärten ersticken im Un­kraut und werden vom Ungeziefer kahlgefressen! Und nun noch ein Hauptgrund: Es werden Gartenfreunde!

Durch die leichte Beschäftigung im Garten, durch die Anleitung, die sie erhalten, durch die Freude, die erlangten Kenntnisse auch practisch auszuüben, durch die Erfolge, die sie dadurch erzielen, bekommen sie selbst Freude daran und behalten sie auch! Und gesund ists auch. Also herein mit den Kindern in den Garten, nicht heraus, aber Aufsicht muß immer, immer, immer dabei sein.

Eine Anzahl Stilblüthen,

die Jemand seit Jahren aus gerichtlichen Verhandlungen, Anzeigen, Berichten und Eingaben gesammelt hat, veröffentlicht dieStraßburger Post". Es sei hier eine klein- Auslese zum Besten gegeben:

In der Privatklagesache . . . erschienen die Beschuldigten und erklärten: Wir geben zu, die angegebene Beleidigung geäußert zu haben, bestreiten aber jede Verbreitung. Wir beabsichtigten nur eine treuliche Wiedererzählung. Wahr ist, daß der Privatkläger zu der Beschuldigten in die Heirath gegangen ist.

Gegen den Ehebrecher und Hilfstelegraphisten . . . stelle ich auf Grund des § 172 St.-G-B. Strafantrag.

Er behandelte mich, wie wenn ich mit ihm verheirathet wäre, indem er mir alle mögliche Schande sagte.

Beklagenswerthes von Schmerzen oder Zerreißen einer Hose ist hierbei nichts anzuführen.

In der Scheune packte der Mann das Mädchen an, aber dieselbe war älter und klüger als ihre Freundin und sprang angeblich dann zur Scheune hinaus mit Zurücklassung einer Ohrfeige.

Unsere einzige Habe ist ein kleines Kind von neun Monaten.

Ist Dein Herz nicht aus Liebe an mich gebunden, so gehe in Gottes Namen/ aber der Fluch Gottes soll auf Dir ruhen, so lange Du leben thust. Ich werde aber niemals einer weiblichen Creatur mein Herz mehr schenken.

Der K. kann wegen hochgradiger Trunkenheit nicht ver­nommen werden. Der Amtsanwalt.

Im Uebrigen stelle ich dem Herrn Kreisdirector anheim, für die verwahrlosten Kinder ein gnädiges Auge in die Wag­schale zu werfen.

Ich bin geborener Preuße und nur dieser einen Sprache mächtig.

Ihre Aufführung ist eine gute/ nur wenn sie gereizt wird, giebt sie auch Antwort.

Seine Aufführung ist eine gute, es fehlt ihm ein wenig an besserer Ueberlegung, was seiner weiteren Unerfahrenheit zuzuschreiben ist. Er stand noch nicht vor Gericht, noch weder als Zeuge, noch weder als Selbstangeklagter.