Ausgabe 
26.5.1898
 
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Sie glitt mit den Fingern über die halbzerbrochene Lehne des Schaukelstuhles.

Sie paffen nicht in dieses Haus, Fräulein von Arabin, und ich ersuche Sie, dasselbe sofort zu verlassen. Ich will keinen Abschied von den Kindern Walther wird das Nöthige besorgen. Fischer, geh zu Henny der Arzt sieht bald wieder nach."

Die Alte schlürfte hinüber, setzte sich mit Geräusch und schob sich ein Fußkissen zurecht.

Nun ist die Fischern wieder bei ihren Kindern, ja, ja," murmelte sie und noch einmal krachte der Stuhl unter ihr.

Line Arabin stand noch unbeweglich.

Wenn Sie auf ein Zeugniß Werth legen, das stelle ich selbstverständlich aus," sagte Ebba-solch' kleinen Extra­vaganzen, wie sie eben hier vorkamen, ist man ja immer ausgesetzt"

Ja so, nun sollte sie fort wieder hinaus in's Un­gewisse, wieder auf die Suche nun war da, was sie hatte kommen sehen. Sie hatte aber geglaubt, freiwillig gehen zu müssen, dem Hausherrn aus dem Wege.

Sie wandte den Kopf nach dem Nebenzimmer, in dem sie solche angstvolle Stunden zugebracht, und mehr zu sich sagte sie:Die Kinder habe ich lieb gehabt, recht lieb."

Ich liebe das nicht einmal, daß sich die beiden Mädchen so attachire», es ist bei einem Wechsel nur für sie nachtheilig."

Von der Thür her kamen noch die Worte:Die sämmt- liche Dienerschaft ist noch auf, man kann Ihnen packen helfen, oder die Sachen nachsenden. Die paar Zeilen schreibe ich noch vor dem Niederlegen natürlich entschädige ich Sie für drei Monate."

Lina hatte nicht einmal Zeit, der schwindenden weißen Gestalt nachzurufen:Geld für den Hohn, die Beleidigung, das Hinausstoßen! Ich will es nicht"

Obdachlos!" sagte sie und sah sich in dem Raume um, der so wenig mit der Pracht und Behaglichkeit harmonirte, die in der Villa herrschte, doch war's ein Dach über dem Haupt gewesen, warme vier Wände und zwei kleine Herzen, die an dem ihrigen geklopft hatten.

Fort gleich, jawohl!

Bon dem Bette Hennys her klangen schnarchende Töne, die Fischer hatte es sich behaglich auf ihrem Wachtposten gemacht. Ein anderes Bild, als es diese Nacht gewesen war. In wenig Stunden würde es wieder wechseln, dann saß Frau Ebba in irgend einem ihrer entzückenden Morgen­röcke da, und Bruno ihr gegenüber. Sie war plötzlich hell­sehend geworden aus dem Hohn und der Härte, mit welcher die schöne Frau sie behandelt hatte, war ihr das wärmste Interesse für den Doctor entgegengeklungen. Frau Ebba Lund und Bruno Hallsberg würden wahrschein­lich über den hinweggescheuchten schwarzen Schatten lachen den Ausfluß der Champagnerlaune nahm die Weltdame ja nicht schwer nur das Object mußte aus dem Wege ge­räumt werden.

(Fortsetzung folgt.)

Die Militärakademie zu West-Point.

Schilderung des Cadettenlebens in der Union.

Von Dr. William Jackson.

------- (Nachdruck verboten.)

KO. West Point, die Militärschule der Union, liegt auf einem vorspringenden Plateau am rechten Ufer des Hudson­flusses, in der Nähe von Newburgh, da wo er durch die Hügelkette der Apalachen hindurchbricht. Unmittelbar nördlich von West-Point hemmt eine riesige Felsmaffe den Lauf der Strömung und zwingt sie, nach Osten auszuweichen, so daß das Plateau, auf welchem die Gebäude der Akademie errichtet sind, nördlich und östlich an den Fluß grenzt, dagegen südlich und westlich von den dahinterliegenden schroffen Felsen um­geben ist. Auf dem westlich gelegenen Theil befinden sich

die Gebäude mit den prachtvoll eingerichteten Dienstwohnungen der Offiziere und Professoren der Schule. Nach Süden zu, mit freier Aussicht nach dem Fluffe, liegen die Baracken oder Casernen, die Häuser der alten Akademie, die Griechische Capelle (wohl nach dem Baustyl so benannt) und das mit vielen kleinen Thürmchen geschmückte Bibliothekgebäude. An der Nordgrenze steht ein großes, fast regulär viereckiges Gebäude, die Spetsehalle, welche einen großen Saal mit langen Tischen und Bänken für die gesammte Mannschaft enthält. Hier und dort über das ganze Plateau verstreut, stehen verschiedene Marmor- und Bronzestatuen früherer, durch ihre Thaten im Felde berühmt gewordener Schüler der Akademie. Ueber dem Ganzen weht an einer riesigen Flaggenstange hoch in der Luft das Sternenbanner.

Längs des östlichen Randes des Plateaus, mit dichtem Gras bewachsen, dehnt sich der Lagerplatz der Cadetten aus, auf welchem sie im Sommer campiren. Bon Mitte Juni bis Ende August entfaltet sich hier ein reges, lautes Leben geregelt nur durchdes Dienstes ewig gleichgestellte Uhr". Die weißen Zelte stehen in tadellos geraden Reihen. Die Gaffen dazwischen kreuzen sich genau unter rechten Winkeln und werden aufs Peinlichste sauber gehalten. Nach Osten zu stehen die Zelte der Wachtmannschaften mit der Aussicht auf den Exerzier- und Paradeplatz, längs welchem bet gutem Wetter die Gewehre der Cadetten in Pyramiden aufgestellt sind. Dahinter stehen, durch eine Straßenkreuzung geschieden, die Zelte der vier Cadettencompagnien. Bor diesen Zelten wieder befinden sich diejenigen der Compagnieoffiziere in einer Reihe. Die Zelte des Adjutanten und Quartier- meisters unterscheiden sich von den übrigen durch ihre Größe und Höhe. Adjutanten und Quartiermeister werden aus den Cadetten selbst genommen und von diesen darum stets be­neidet. Hinter den Zelten der Compagnien stehen diejenigen der Armeeoffiziere und Jnstructoren und dasjenige des Oberstcommandirenden. Ganz im Hintergründe ist das Trommler- und Pfeifercorps, die Stiefelputzer und sonstige Dienstmannschaften in kleinen Hütten untergebracht.

Um das ganze Lager herum sind Tag und Nacht, bei schlechtem wie bei gutem Wetter Wachtposten aufgestellt, welche alle drei Stunden abgelöst werden.

Jeder Congreßdtstrict sowie jedes Territorium ist be­rechtigt, einen Schüler in die Akademie zu schicken. Das Recht der Bestimmung liegt in den Händen des Repräsen­tanten dieses Districts oder Territoriums im Congreß. Der Präsident allein hat das Recht, zehn Cadetten aus beliebigen Districten zu bestimmen. So beläuft sich die reguläre Anzahl der Cadetten auf 344. Da die Examina zur Auf­nahme und Beförderung aber so sehr strenge und schwierig sind und die Disziplin mit eiserner Energie gehandhabt wird, so verlassen viele Cadetten die Anstalt im Laufe jeden Jahres wieder, um ins bürgerliche Leben zurückzukehren.

Applikanten zur Aufnahme in West Point müssen zwischen 17 und 22 Jahre alt sein. Die einzigen Erfordernisse zur Aufnahme sind, ein vollkommen gesunder Körper, ein tadel­loses Führungsattest und eine gründliche Bekanntschaft mit all den Fächern allgemeiner Bildung, wie sie auf den öffent­lichen Schulen gelehrt werden. Jeder Cadett muß sich schriftlich verpflichten, den Vereinigten Staaten 8 Jahre zu dienen, wofür er jährlich ein Gehalt von 540 Dollars, etwa 2270 Mark, in monatlichen Raten ausbezahlt erhält.

Zur Aufnahme können alle jungen Leute, welche in der Union geboren sind, ohne Unterschied von Farbe oder Her­kommen, Besitzthum oder gesellschaftlicher Stellung, gelangen, so bald sie die nöthigen Kenntnisse und das erforderliche Alter haben. Befähigung allein öffnet ihnen also die Thore der Anstalt, und Fleiß allein bedingt ihre Beförderung. Die Kleidung ist für Alle genau dieselbe an Stoff und Schnitt, desgleichen Nahrung und Nachtlager ohne Unterschied für Alle gleich. Man könnte sagen, nirgends in der Union gelten die demokratischen Principien der Freiheit, Gleichheit