Ausgabe 
26.5.1898
 
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Donnerstag den 26. Mai.

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in Diamant hat immer Werth, Mag er auch ungeschliffen sein, Doch dient dies zur Entschuldigung Nicht dem ungeschliffenen Kieselstein.

Das Fräulein.

Roman von E. Vely.

(Fortsetzung.)

Und heute war Line zu stolz, nach einer ausweichenden Antwort zu suchen, wie kürzlich.

Ich kannte ihn ja!"

//Ah, das erklärt Vieles! Wo wenn Sie nicht etwa Ursache haben, zu schweigen war das?"

Ich möchte darüber nicht sprechen," sagte Line,es weckt zu schmerzliche Erinnerungen ich sah ihn auch in seinem Beruf."

Die Mienen Frau Ebbas liehen nicht darauf schließen, daß sie diesen Worten vollen Glauben schenke.

Auch gleichgültig. Fremder Leute Geheimnisse kümmern mich nicht"

Verheimlichen will ich nichts, ich sagte ja, daß ich den Doctor Hallsberg," nur stockend kam der Name über ihre Lippen,kennet

Und Sie wußten ihn im Hause und Henny gabVeran- lassung, ihn rufen zu lassen?"

Sie hätte diese Raffinirtheit dem hochmüthig blickenden Geschöpf gar nicht zugetraut.

Das Kind schien sehr krank, Walther versprach einen Arzt zu senden der kam und bestätigte meine Annahme wer es sein würde, konnte ich nicht vorher wissen!"

Hatte man versäumt, Ihnen die Einladungsliste zu zeigen?" fragte Ebba sarkastisch.Den Ton gekränkter Unschuld können Sie übrigens fortlassen, er bleibt ohne Eindruck auf mich," herrschte sie dann,aber sagen Sie mir, weßhalb Sie hier in dem ersten Zimmer mit dem Arzte standen, statt bei dem Kinde zu sitzen? warum hielt er Ihre Hand? Um den Puls zu fühlen?" sie verzog den Mund, die Weißen Zähne blitzten.

Doctor Hallsberg beleidigte mich!"

Ah!"

Eine Pause, die beiden Frauen sahen einander in die

Augen/ die Fischer, lehnte sich an den Tisch und bewegte nickend den Kopf, auf welchem die weiße Haube schief saß. Marianne sagt es auch, ein schöner, junger Mann, ein schöner Doctor und sie haben Alle unten gelacht, Alle!"

Er beleidigte Sie? Wie soll ich das verstehen?"

Sie sahen es ja!"

Ebba lachte so selten hörbar, jetzt aber klang ihre Stimme durch den Raum silberhell, eisig.

Nein, wirklich das ist kostbar. Sie nehmen es ernsthaft, wenn ein Herr sich irgend eine kleine Freiheit erlaubt? Es wird die erste nicht sein bleiben Sie ruhig, bitte! In meinem Hause schreit man nicht. Haben Sie denn wie eine Dame behandelt werden wollen?"

Frau Consul Lund" Line stieß es bebend hervor.

Fräulein von Arabin" sagte der rothe Mund. Wenn man in eine Stellung tritt, so gießt man alle Prätensionen auf, berechtigte und erdichtete. Sie werden nicht untersucht, denn sie sind werthlos."

Heißt es Respect gegen das Haus bezeigen, in dem man weilt, wenn man ein wehrloses Mädchen beleidigt wehrlos, weil in untergebener Stellung, wenn Sie denn einmal so wollen?" fragte Line, und ihre Augen bekamen einen leuchtenden Schein.

Die Empörung stand ihr gut, Ebba Lund war vor- urtheilsfrei genug, das Schöne und Interessante überall sinden zu können und zu wollen.Und Sie greifen einen Gast an, den ich schützen muß und will," sagte die Hausfrau, die immer die Ueberlegene blieb.

Ich hätte es vielleicht verzeihlich gefunden, wenn Sie einem Herrn, der sich in Champagncrlaune zu einer Keckheit hinreißen läßt merken Sie wohl, eine andere Bedeutung hat das nicht nicht gerade schroff entgegengetreten wären mir die tugendhafte Posse des Bettlerstolzes vorzuführen, ist gar zu lächerlich."

Jedes Wort schnitt in Lines Seele sie wurde wehrlos, sie knickte unter der Wucht der Erkenntniß zusammen, nicht unter dem eisigen Hohn, der absichtlichen Herabsetzung. Das war's Champagnerlaune!und sie hatte sich ihm dankbar, demüthig genähert, und er hatte das benützt.

Sie fand keine Erwiderung, sie hatte nicht mehr den Muth, in das, Gesicht sund die kühlen Augen zu blicken, die kleine Gestalt vor ihr wuchs und sie sank in sich zusammen. Sie schlug die Hände vor das Antlitzunb stöhnte qualvoll auf:Mein Gott! mein Gott!"

Ebba Lund fand den Kampf ein wenig ungleich, die Feindin ergab sich schnell.