Ausgabe 
26.4.1898
 
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werden nach und nach mit sämmtlichcn rückläufigen Körpern zusammengestoßen und gegen das Centrum hineiugcfallen sein, bis sich alles zu einer maximalen Dichte zusammen- gezogen hat. In Wirklichkeit wird nun die Bedingung der genau gleichmäßigen Verkeilung der rechtläufigcn Bahnen niemals genau erfüllt sein; dies bedeutet dann nichts anderes, als daß unser werdender Weltkörper schon von vornherein eine wenn auch noch so langsame Rotation haben muß, welche sich durch den Ueberschuß etwa der rechtläufigen gegen die rückläufigen Bahnen ausdrückt.

Nehmen wir an, in einer bestimmten Entfernung vom Ccntrum bewegten sich sieben Körper rechtläufig mit der ihnen durch das Newtonsche Gesetz vorgeschriebenen Ge­schwindigkeit und fünf Körper mit derselben Geschwindigkeit rückläufig. Soll daun von der hier vorhandenen Strömung ein Körper fortbewegt werden, so würde er innerhalb 7 7 = 12 Zeiteinheiten eine Strecke von 752 Weg­

einheiten weitergeschoben werden, d. h. im Ganzen eine Geschwindigkeit von 2:12, also ein Sechstel der gewählten Einteit besitzen. Wir sahen aber, wie im Laufe der Zeit je ein rechtläusiges Massenclement zusammenstoßen und gegen das Centrum hinfallen mußten- nach einiger Zeit werden also in der ins Auge gefaßten Entfernung nur noch sechs rechtläufige und vier rückläufige Elemente kreisen. Die Geschwindigkeit ist nun gleich (64): (34-4) oder gleich ein Fünftel- sie hat inzwischen zugenommen. Nach weiterer Ausmerzung eines Paares ergiebt unsere Rechnung (5-3): 54-3) oder ein Viertel. Bei , Ver­nichtung der cntgegengerichteten Bewegungen des nächsten Paares ergiebt sich ein Drittel, dann ein Halb und schließ­lich Eins, sobald alle rückläufigen Massenelemente verschwunden sind. Aus dieser einfachen Betrachtung folgt also nur, was durch complicirte theoretische Untersuchungen aus dem Newton'schen Gesetz abgeleitet worden ist, daß nämlich in einem System von Weltkörpern, die um ein Zentrum kreisen, aus die Dauer nur Bewegungen in einer und derselben Richtung möglich sind. Körper mit rückläufiger Bewegung werden durch beständig sich häufende Störungen aus dem System gewiesen. Eine Ausnahme machen nur die ganz ver­einzelten geringfügigen Massenvereinigungen, welche wir in unserem Sonnensystem als rückläufige Kometen kennen lernten, und die wir als letzte Reste des einstmaligen Nebel anzusehen haben, die, von sehr entfernten Ausläufern desselben her- rührend, von der Verdichtungsthätigkeit des großen Welt- gebildes nur selten kräftiger beeinflußt werden konnten.

So haben wir inzwischen aus dem chaotischen Nebel einen kugelförmigen, nach seiner Mitte zu condensirten so­genannten planetarischen Nebel und damit eine zweite Art von rings über den Himmelsraum verbreiteten Weltkörpern entstehen sehen. Mit der vorhin gemachten Annahme einer vorherrschenden Bewegungsrichtuitg ist der Kugel zugleich eine Umdrehungsachse mit den zugehörigen Polen und ein Aequator gegeben. Geometrisch ausgedrückt bedeutet dann das Vorherrschen einer Richtung, daß die Bahnneiguugen der Massenelemente sich um eine bestimmte Ebene so gruppiren, daß geringe Neigungen zu dieser am häufigsten Vorkommen- Neigungen über 90 Grad gehören bereits rückläufigen Körpern an. Wir wissen, daß die Störungen solcher Körper um so größer werden, je mehr sie die Eigenschaft der Rück­läufigkeit haben, d. h. je größer die Neigungen ihrer Bahnen sind. Auch atomistisch ist dies ohne Weiteres zu verstehen - die Zusammenstöße zweier Massenelemente werden um so mehr Bewegungsenergie gegenseitig zerstören, je ver­schiedener die Richtungen der zusammenstoßenden Körper sind. Sind zunächst die eigentlich rückläufigen Körper, d. h. solche mit Bahnen von Neigungen über 90°, aus gemerzt, so werden die betreffenden Wirkungen doch immer noch weiter fortgesetzt und nun die um 900 Herumliegenden am meisten beeinflußt. Die Zusammenstöße verkleinern die Bahnen dieser Körper

am meisten gegenüber den anderen. Da diese Bahnen unr 90« herum die Körper zum Pol der Kugel hinsühren, so iehen wir, daß sich diese hier allmälig abplatten muß. Es wird aus der Kugel ein Ellipsoid und schlicßlich ein linsen­förmiger Körper. Eine dritte Art von Himmelskörpern, die elliptischen und schließlich ganz langgestreckten Nebels reihen sich der Stufenfolge unseres Weltentwickelungsganges an»

Es läßt sich aber weiter zeigen, daß unser elliptischer Nebel eine wirbelförmige Bewegung annehmen muß, auch wenn er noch ferner sich selbst überlassen bleibt. Wie wir nämlich früher erfahren haben, ist die Anziehungskraft, welche ein Maffentheilchen innerhalb eines größeren kugeligen Massencomplexes erfährt, unabhängig von derjenigen Masse, deren Entfernung vom Centrum größer ist als die des in Betracht gezogenen Massentheilchens. Daraus folgt, daß. innerhalb eines homogenen Körpers von sonst beliebiger Constitution die Schwerkraft nach dem Centrum hin beständig abnehmen muß, und zwar genau im Verhältniß deS Radius,, da die Masse hier gleichbedeutend mit dem Volumen im Verhältniß seiner dritten Potenz abnimmt, die Schwerkraft aber nur mit der zweiten Potenz desselben wächst. Ver­gleichen wir die Tangentialgeschwindigkeit, welche nach dcn. obigen Erörterungen dieser Schwei krast in den verschiedenen Entfernungen vom Centrum genau die Wage halten muß, so ergiebt sich, daß bei einem Körper mit sehr großem Durchmesser sich bei seinem Kleinwerden die Geschwindigkeir zunächst verlangsamen und erst bei einem bestimmten Ver- häktniß des Durchmessers zur ganzen Masse wieder beschleunigen muß. Die äußeren Partien des Nebels eilen den inneren voraus, die Bewegungsverhältnisse sind also in diesem Stadium der Entwickelung gerade umgekehrt wie in dem fertigen Zu­stand eines Planelensystemes gleich dem unserigen, in welchem die Hauptmasse sich im Centrum vereinigt hat. Daß durch ein solches Vorauseilen, welches nur bis zu einer gewissen Tiefe stattfindet, spiralige Windungen der Materie entstehen müssen, ist unmittelbar eiuzusehen, ebenso, daß sich schließlich ein äußerer Ring von der inneren Centralmasse loslösen muß. Wir habeii damit die Spiral- und Ringnebel ent­stehen sehen.

(Mit Erlaubniß der Berlagshandlung veröffentlichen wir die vorstehenden interessanten Ausführungen ans bem soeben vollständig erschienenen WerkDas Weltgebäudch. Eine gemeinverständige Himmelskunde von Dr. M. Wilh» Meyer. Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig und Wien. Das Werk des ausgezeichneten Autors, welcher tiefes Wissen mit einer glänzenden und fesselnden Dar­stellungsweise aufs glücklichste vereinigt, stellt eine epoche­machende Erscheinung auf seinem Gebiete dar, die dem Laien die Kenntniß der himmlischen Wunder in der anziehendsten und anschaulichsten Form vermittelt).

Vermischtes.

Ländliche Einfalt. Bauer (zu seinem Weibe, auf einen im Schaufenster eines größeren Uhrengeschäftes ausge­stellten Regulator weisend, dem ein Zettel mit der Bemerkung acht Tage gehend" angesügt ist):Da schau' her, Nani, die Prachtuhr! Ja, schön wär' sie schon, aber eine Uhr um hundertundsünfzig Mark und bloß acht Tage gehen nein, da ist mir meine alteSchwarzwälder" zu Hause schon lieber, die hat nur drei Mark gekostet und geht alleweil noch."

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Frohe Aussicht.9?ein, es ist doch wirklich zu toll! Volle drei Jahre bereits besuchst Du das Gymnasium, und noch jedesmal hast Du ein schlechtes Zeugmß nach Hause gebracht."O, Mama, da wird schließlich die Freude um so größer sein, wenn ich einmal ein gutes bringe."

Rrtaction: I. Hermann «lle. Druck und Verlag der Brühl'schen UniversitätS-Buch. und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) tn G'-ß-n-