1898. - Nr. 63
Tieiislag den 26. April.
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le anders ist's, wenn die Liebe tadelt, Die Siebe, die jede Silbe adelt, Als wenn der Haß, der wie Dornen sticht, Als wenn der Haß seine Meinung spricht.
Glück ist wie ein Sonnenblick, Niemand fann'S erjag-n, Niemand von sich sagen. Daß er heut' und eine Frist Ohne Wunsch und glücklich ist.
Das Fräulein.
Roman von E. Ve ly.
(Fortsetzung.),
„Mein Gott," Line von Arabin erschrack und iviii) zurück. „Daß ich das vergessen konnte — darum, und ich dachte —" Frau Kubaitz gestikulirte mit ihren kurzen Armen. „Ich brauchte es ja nur zu sagen, und ich konnte thun, als merkte ich nichts, und so wäre es auch gekommen, wenn Sie mich nur ein Bischen besser behandelt hätten, Fräulein von Arabin — aber nun sollten Sie die zwanzig Mark partuh scheu — denn wissen wir ja Beide, was die Glocke geschlagen hat. Zwanzig Mark druckt ein Doctor, der auf seinen eigenen Beinen nach Kundschaft geht, mir in die Hand und lagt: Sorgen Sie man gut für das Fräulein — Ja, sehen Sie wohl!"
Sie sank auf den Stuhl, auf welchem vorhin der Doctor gesessen hatte. Ohne eine Bewegung stand das schlanke Mädchen, ein Ausdruck des Entsetzens war in ihren Augen, die Nasenflügel bebten leise, sie schien nachzudenkcn über das, was sie gehört hatte, es sich erst langsam wiederholen müssen, ehe sie den vollen Sinn begreifen konnte. Dann warf sie Plötzlich den Kopf zurück, etwas Wehrhaftes, Trotziges war in ihren Zügen.
„Dieser Doctor" — ihre Finger vergruben sich in die Falten ihres Kleides — „meinte, es sei größere Roth bei uns, als in Wirklichkeit. Er mochte denken, es sei Aushilfe nöihig."
„Ach nee!" machte die Kubaitz, das Geldstück jetzt wieder cinschiebend, „geben Sie sich man bloß die Mühe nich, Fräulein, wozu? Nu is ja doch Alles gut, tut wissen wir
Beide, wie wir miteinander dran sind. Daß Sie mich untertaxirt haben, weiter hat mich ja doch nichts geärgert —" „Bitte!" Eine abwehrende, gebietende Handbewcgung, vor der die Alte unwillkürlich verstummte.
Dann eine lange Pause, in welcher die großen Augen zu Boden gesenkt blieben und die Wittwe auf ihrem Stuhl ein paar Mal seufzte.
„Ja so," sagte Line Arabin dann, als habe sie nun das Rechte gefunden, und wandte sich nach dem Schreibtisch. „Wollen Sie^mir einen Brief besorgen — an den Herrn Doctor Hallsberg?"
„I, selbstverständlich, wer denn sonst? Dazu bin ich doch wohl da — so'n freundlicher Herr."
Die Feder flog über das Papier,- als das Couvert geschlossen war, wurde es der wieder freundlich lächelnden Frau zugeschoben.
„Besser is besser," meinte die, „ich hätte es auch bestellen können — aber wenn er nich zu Hause wäre —"
Line nickte. „Gehen Sie gleich."
„Na, was die alten Beine können."
Als sie verschwunden war, stieß die Zurückbleibcnde einen lauten Wehruf aus, und die kleinen Hände ballten sich zornig.
„O — die Demüthigung und die Schmach — und gerade da, wo ich ahnungslos, vertrauensvoll an ein anständiges inneres Empfinden geglaubt —" Sie machte einige Schritte in dem Raum hin und her/ als sie am Fenster war, fiel ihr ein, daß sie vorhindagestanden und ihm nachgesehen, der Klang der festen Tritte war oben vernehmbar gewesen. Rasch wandte sie sich ab, und die Arme emporschleudernd, stieß sie jammernd hervor: „Wie wehrlos ist ein Weib, wie unsäglich wehrlos!"
Doctor Hallsberg rief ein sehr barsches Herein. Er hatte das Buch vor sich liegen, in welches er die täglichen Besuche einzeichnete und fand, daß er heute wieder ziemlich nutzlose Gänge gemacht hatte. Es war doch eine schwere Sache, jung und fremd in der Millionenstadt eine Praxis zu erringen — so viel man ihn auch gewarnt hatte, so schwer hatte er's sich nicht vorgestellt. Arme Leute riefen ihn zur Genüge, unbeschäftigt war er ja nicht, aber da sah er sich oft in der Lage, zu geben, statt zu nehmen —. Und das Leben war so kostspielig, und sein kleiner Bestand schmolz zusammen. Er biß auf seine Lippen und hieß die Feder kratzende Töne auf dem Papier hervorbrst.gen. Wo war der fröhliche Jugendmuth, mit dem er zu allen Vorstellungen gelächelt? Durch das Gerassel der Wagen dort unten,


