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"Es giebt doch nur zwei Möglichkeiten, entweder Unglücksfall oder Selbstmord."

Für letzteren lag bei meiner Schwester keinerlei Ver- anlassung vor."

Das eben dürste nachzuweisen sein," antwortete der Verncherungsbeamte.Wenn Sie als nächster Verwandter und Mitbeiheiltgter"

Ich Mitbetheiligter!" unterbrach ihn Stephan entsetzt. Ringleb war jedoch entschlossen, die Angelegenheit, in der er gekommen, so viel an ihm war, zu Ende zu bringen und fuhr daher unbeirrt durch den Zwischenruf fort:

Wenn Sie den Herrn Amtmann Göbener bestimmen könnten, sich mit uns zu einigen, es kann Alles freundschaft­lich und in aller Stille geordnet werden."

ich soll mit dem Amtmann Göbener unter­handeln! Herr, was muthen Sie mir da zu! Zwischen mir und diesem Mann giebt es keine Gemeinschaft!" schrie Doctor HEen und es war, als sträube sich das Haar auf seinem

(Fortsetzung folgt.)

Ernährung der Kinder nach dem Säuglingsalter.

Von Dr. Grumbach.

jNachdruck verboten.)

Wenn man die lieblichen Menschenknösplein glücklich durch d-e Säuglingsperiode hindurch gebracht hat, so erhebt sich die höchst wichtige Frage: Wie soll sich die fernere Er­nährung gestalten? Im Allgemeinen bevorzugt man bis ungefähr zum zweiten Lebensjahr unter den Nahrungsmitteln zu sehr Mehlspeisen und vegetabilische Kost. Diese ver­mögen aber nur höchst mangelhaft den ganz erheblichen Eiweißverbrauch zu decken,- denn es ist eine bewiesene That- sache, daß im kindlichen Organismus viel mehr Eiweiß zersetzt wird als bei Erwachsenen. Auch Milch allein soll in diesem Alter nicht die einzige Nahrung bilden. Solche Kinder, die bis zum zweiten Lebensjahr nur Milch bekommen haben, setzen Milchfett an, jedoch Muskulatur und Knochen entwickeln sich nur kümmerlich,- es entsteht allmählich ein fett- und wasserreicher, aber eiweißarmer und energieloser Körper. Man, soll eben bald nach der Säuglingsperiode mit etwas Fleischkost ansangen. Daß dies nur den natür­lichen Verhältnissen entsprechend ist, kann man schon aus der Zahnentwicklung des Kindes ersehen. Immer brechen bei normalem Wachsthum die Schneidezähne zuerst durch. Ge­sunde Kinder haben mit neun oder zehn Monaten ungefähr fechs Schneidezähne, und diele sind doch sicherlich in erster Linie zum Abbeißen und Zerkleinern von Fleisch bestimmt, während die zum Zermahlen von Pflanzlicher Kost durchaus nothwendigen Backzähne erst später erscheinen. Fleisch ist auch leicht verdaulich, wird gut ausgenutzt und braucht nicht in großen Mengen gegeben zu werden.

Sonach würde sich zunächst für den neunten bis zwölften Lebenumonat als geeignetste Kost ungefähr folgende ergeben. Neben der Milch, die zwar immer noch die Hauptnahrung bilden muß, soll das Kind Fleisch erhalten, und zwar zunächst gebratenes, zartes Kalb-, Hühner- oder Taubenfleisch, ganz^klein geschnitten oder gewiegt wird, mit etwas kräftiger Sauce. Man kann es ihm täglich zweimal verab­reichen, einmal warmes und einmal kaltes Fleisch- letzteres bestehe möglichst aus fein geschabtem, rohem Schinken. Alle Fleischstückchen dürfen nie größer sein als ein Steckuadel- knopf- auch achte man besonders darauf, daß die Kindlein die einzelnen Portionen erst hinunterschlucken, bevor sie neue in den Mund stopfen, sonst bilden sich größere Ballen im Munde, die zum Speien und Erbrechen reizen. Rohes ge­schabtes oder gehacktes Fleisch gebe man nie, einerseits wegen der Bandwurmgefahr, andrerseits weil es außerordentlich leicht in Fäulniß übergeht. Gelegentlich kann man ein

halbes, später ein ganzes Eigelb verabreichen, ganz weich i gekocht mit wenig Salz. Auch klare Fleischbrühe kann das - Kind bisweilen bekommen, aber nur wenn es dieselbe wirklich s gern mag. Dagegen sei jede andere Speise bis zum Ablauf des ersten Jahres gänzlich verboten, namentlich Brot, Kartoffeln, Schleimsuppen und alle Süßigkeiten.

Hat das Kind seinen ersten Geburtstag gefeiert, so bleibe man im Allgemeinen noch bei der gleichen Ernährungs­weise. Nur kann jetzt ein ganzes Ei gegeben werden und manchmal eine halbe Semmel mit Butter. Man schneidet die bestrichene Semmel in kleine Stückchen und legt etwas Schinken darauf, was die meisten Kinder sehr gern nehmen. Bon Fleischsorten kann jetzt auch Filet oder Lümmel gegeben werden, ebenso ist unter Umständen etwas Pflaumen- oder Apfelmus am Platze.

Mit dem zweiten Jahre erweitert sich das Menu etwas mehr, indem jetzt auch zartes, mageres Schweinefleisch, Hammel und Wild, eine ganze Semmel, etwas Kartoffelbrei und junges, grünes Gemüse (Spargel, Spinat, Blumenkohl) in dasselbe ausgenommen werden können, ferner möge die bisher klare Fleischbrühe durch Einlage von Reis, Gries oder Nudeln etwas compacter gemacht werden.

Je älter das Kind wird, desto reichhalter gestaltet sich I die Speisekarte. Nach dem dritten Jahre sind dann magerer Gänsebraten, etwas Brot, von Gemüsen Kohlrabi, Rüben, Schleimsuppen, ein wenig nicht zu süße Mehlspeisen, leicht verdauliches frisches Obst gestattet. Vom vierten Jahre an lasse man die Kinder, natürlich unter steter Bevorzugung der animalischen Kost, allmählich anfangen, Alles mitzueffen, z. B. auch leichtere Fische und von Gemüsen: Erbsen, Bohnen, Linsen, stets aber sollen alle sauren, stark gewürzten, fetten und schweren Speisen absolut verboten werden. Ebenso ist der Alkohol in jeglicher Gestalt von der kindlichen Nah­rung noch völlig auszuschließen und höchstens für kränkliche Kinder zu verwenden. Kaffee und Thee sollen nur in so geringem Maße gegeben werden, daß die Milch dadurch leicht gefärbt wird und einen etwas anderen Geschmack erhält. Auch Chokolade ist nur ausnahmsweise gestattet und dann mit viel Milch vermengt.

Schon im Jahre 1818 schrieb Professor Henke:Eine für die Erhaltung der Gesundheit sehr wichtige Regel ist die, daß man die Kinder an eine feste und gewisse Ordnung im Essen und Trinken gewöhne. Nur zu bestimmten Zeiten gebe man den Kindern zu essen, außer dieser Zeit aber schlechthin nicht. Die schädliche Gewohnheit, auch außer der Zeit den Kindern Backwerk, Butterbrot, Obst, Näschereien u. s. w. zu geben, die in der falschen Zärtlichkeit der Großmütter, Tanten, Wärterinnen ihren Grund hat, giebt die erste Ver­anlassung zu der unmäßigen Gefräßigkeit der Kinder und durch diese zu gestörter Function des Darmcanals und nicht selten zu dauernder Schwäche der Constitution für das ganze Leben!" Das ist eine alte Wahrheit, die doch stets neu bleibt, gegen welche aber auch immer und immer wieder ge­sündigt werden wird, solange man in der Kinderhygiene den Muhmen und Gevatterinnen irgendwelches Recht einräumt. Ihr Mütter, hört nicht rechts noch links, sondern trachtet geradewegs nur darnach, den Organismus eurer Lieblinge durch eine vernünftige Ernährungsweise so zu kräftigen und zu stählen, daß er die an ihn herant-elenden Fährlichkeiten mit Erfolg überwinden kann! Schafft gerade in den ersten Lebensjahren eine gesunde, starke Grundlage, auf welcher der jugendliche Körper dann sicher und fest sich weiter auf­bauen und ausbilden kann!

Ein Vorspann vor hundert Jahren.

Skizze von A. G ö d d e.

Tr , (Nachdruck verboten.)

KO. Weimar war vor hundert Jahren einer der schmutzigsten Orte. In den Gassen, in denen der Lottcnbach floß, waren Schrittsteine angebracht, mit deren Hülfe man