Ausgabe 
26.2.1898
 
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auszurichten versteht und es auch jetzt wohl durchgesetzt . haben wird."

Ach ja, sie wird ihn, als er in Fuchsberg war, dazu bestimmt haben, wir wollen ihr und ihrem Mann recht von Herzen danken," sagte Anna.

Das wollen wir," stimmte Adolf zu. Dem geliebten Mädchen näher rückend und ihre Hand fester fassend, fuhr er dann etwas zögernd fort:

Ganz ohne Einschränkung hat der Vater seine Ein­willigung aber doch nicht gegeben."

Das finde ich sehr begreiflich," erwiderte das junge Mädchen arglos.Er verlangt wahrscheinlich, daß wir noch lange mit der Hochzeit waren sollen."

O, das will ich nicht fürchten!" rief Adolf lebhaft. Er hat sich darüber gegen mich noch nicht geäußert. Nein, es ist etwas Anderes."

Aber so sprich doch, die Sache wird doch nicht un­erfüllbar sein!" lachte sie.

Das ist sie freilich nicht, sie ist nur sonderbar," be­gann der Bauführer.Es wird mir recht schwer, mit Dir darüber zu sprechen, dennoch mußt Du es wissen, und am besten ohne Aufschub."

Du machst mir aber wirklich bange," sagte sie leise und sah ihn ängstlich an. Ihr stieg jetzt der Gedanke auf, der alte schlaue Amtmann Göbener habe eine Bedingung ausgeklügelt, an der die Heirath doch scheitern müsse.

Nun, so höre denn. Der Vater besteht darauf, Du sollst Dein Leben sogleich mit einer recht hohen Summe ver­sichern," brachte Adolf zögernd und gepreßt hervor.

(Fortsetzung folgt.)

Die Verlängerung der menschlichen Lebensweise.

Von Dr. med. R. Ebing.

------- (Nachdruck verboten.)

KO. Es geht der Gesundheit wie so vielen Gütern, man schätzt sie erst nach ihrem wahren Werthe, wenn man sie verloren hat. Gesundheit ist nicht nur das Mittel und die Bedingung zum wahren frohen Lebensgenuß, sondern auch die Quelle der Anmuth und Schönheit. Was gesund ist, das ist auch schön- wer nicht gesund ist, der magert in erster Linie ab und jede starke Abmagerung macht unschön.

Wer gesund ist, wem das Blut leicht durch die Adern rollt, der ist in der Regel auch heiter und glücklich. Aber wie viele sind im Zeitalter des Dampfes und der Electricität noch gesund? Während noch zu Anfang dieses Jahrhunderts das Durchschnittsalter der Menschen laut Statistik auf 3536 Jahre festgestellt wurde, hat sich am Ende des Jahrhunderts diese Ziffer auf dreißig erniedrigt. Das ist ein schwerer Vorwurf für die Menschheit, denn zwischen der Dauer des Wachsthums und der Lebensdauer besteht im ganzen Thi?rreich ein Verhältniß von 1 : 7, wonach also die Dauer des Lebens diejenige des Wachsens siebenmal über­steigen müßte. Da nun beim Menschen das Wachsthum erst mit dem zwanzigsten Jahre sein Ende erreicht, so müßte er nach obigem Gesetz hundertundvierzig Jahre alt werden.

Von tausend Menschen aber erreichen etwa hundert ein Alter von siebzig Jahren, von drei tausend wird nur ein einziger neunzig Jahre alt. Ein Hundertjähriger ist eine große Seltenheit. Freilich beweist auch die Statistik, daß beinahe die Hälfte der Menschheit in früher Kindheit stirbt, wodurch sich der Procentsatz der Siebzigjährigen relativ verdoppelt.

Ob es jemals Zeiten gegeben hat, wo der Mensch ein Durchschnittsalter von hundertundvierzig Jahrenrerreicht hat, das ist nicht mehr zu beweisen. Freilich geht die Bibel mit den Jahren recht verschwenderisch um; sie spricht in den fünf Büchern Mosis sogar von dem fabelhaften Alter von

960 Jahren. Allerdings ist nicht angegeben wie lange so ein Jahr damals gedauert hat. Aus allen uns bekannten geschichtlichen Quellen geht mit Sicherheit hervor, daß die Menschen aller uns bekannten Zeiten nicht nennenswerth länger gelebt haben, als in unserem Jahrhundert, wenigstens wie im Anfänge desselben, denn später beginnt mit dem steigenden Handel und Verkehr, dem wachsenden Luxus und Hasten der Rückgang der menschlichen Lebensdauer. Dabei muß noch besonders bemerkt werden, daß alle Culturvölker nur relativ gesund sind, indem jeder Mensch mehr oder weniger eine Disposition zu Erkrankungen überhaupt hat, oder eine schlummernde, manchmal aber auch sichtbar aus­geprägt, erbliche Anlage für eine bestimmte Krankheit.

Cultur und Civilisation und die davon unzertrennlichen mannigfachen Anforderungen an den menschlichen Geist und Körper haben die ursprüngliche Energie der Lebenskräfte abgeschwächt und den Menschen empfänglicher für äußere, schädliche Einflüsse gemacht. Auch gestattet es die Cultur dem Menschen nicht, unter absolut normalen Verhältnissen zu leben. Erwähnt sei nur der ungeheuer große Verbrauch an Bier und Wein, welche Getränke für den Orgmismus nur verunreinigtes Wasser sind, denn das ursprüngliche Ge­tränk des Menschen war reines Wasser. So entstand mit der steigenden Cultur die Krankheitsanlage im Menschen und jene Grundstimmung des Organismus, die geneigt ist, Störungen des relativ gesunden Lebensgauges zu unterliegen und für gewisse Erkrankungsursachen begünstigende Be­dingungen darzubieten. Es ist ein nicht wegzuleugnendes Unglück für die modernen Menschen, daß sie fast alle ohne Ausnahme mit der Anlage für eine bestimmte Krankheit man möchte sagen eine Familienkrankheit geboren werden, und daß sie in der Regel früher oder später an dieser Krankheit sterben. So selten das Alter von achtzig bis neunzig Jahren ist, ebenso selten ist auch der natürliche Tod durch Altersschwäche, das ist ein sanftes Einschlafen ohne vorauigcgangene ausgesprochene Krankheit. Sich ein solches Alter, einen solchen Tod zu verschaffen, müßte das Bestreben der Menschen sein, aber das Motto der modernen Lebewelt heißt wieder einmal:Nach uns die Sündfluth", und die ärptcren Klassen reiben sich frühzeitig auf im Kampf ums nackte Dasein, int Kampf mit einer unnatürlichen Concurrcnz. Auf fast allen Gebieten herrscht übertriebene Concurreuz, die eine allzugroße Erwerbsanstrengung und eine zu pein­liche Sorge um den nöthigen Lebensunterhalt bedingt. Dieser Uebelstand fällt in das sociale Gebiet und muß Ab­hilfe von Staat oder den Genossenschaften erwarten- Zweck dieser Zeilen kann es nur sein, die Leiden zu betrachten, welche der Arzt oder der Einzelne selbst heilen.

Wenn auch die heutige Generation im Allgemeinen den Krankheitskeim von Geburt in sich trägt, so giebt es dennoch ein Mittel, selbst ein schon durch Anlage und Krankheit ge­schwächtes Dasein zu verlängern, aber nicht durch Arznei­mittel oder gar durch sogenannte Geheim- oder Wunder­mittel, sondern lediglich durch eine diätetische Kunst, durch das richtige Abwägen unserer Kräfte, durch Kenntniß der schädlichen Einflüsse und der Schutzmittel. Jeder Mensch sollte daher so früh als möglich sich einer Selbstbeobachtung befleißigen, das heißt: sich in seiner physischen Natur und ihrer Schwäche kennen lernen und darnach seine Lebensweise einrichten.

Die Selbsterkenntniß seiner Constitution ist für den Menschen ebenso wichtig, wie für fein geistiges und sittliches Wohl das alte, berühmte Wort:Erkenne Dich selbst.""

Es giebt zwar Menschen, welche meinen, Gesundheits- regeln seien überflüssig- aber selbst der kräftigste Körper vergeht sich nicht ungestraft gegen die Gesetze der Natur, und die bösen Folgen eines regellosen Lebens bleiben niemals aus. Deshalb sollte Jeder wissen, wovon seine Gesundheit abhängt, wie leicht sie verloren gehen, und wie j man sich gegen diesen Verlust schützen kann.