1898.
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Ahr' und Reichthum treibt und bläht,
M Hat mancherlei Gefahren,
'P* Und Vielen hat's das Herz verdreht, Die weiland wacker waren. Claudius.
Der Amtmann von Rapshagen.
Criminal-Roman von F. Arnefeld.
(Fortsetzung.)
„Ach, was das Thier frißt, das fällt ab, ist ja nicht der Rede werth."
„So heißt es immer!" knurrte Göbener. „Das Thier hält Anna und die Mägde von der Arbeit ab. Sie braucht kein Spielzeug und keinen Zeitvertreib."
„Sie hat zu Hause bei ihrem Vater einen gehabt und immer so viel von ihrem Papchen gesprochen, da wollte Adolf ihr die Freude machen, und sie ist ja auch ganz glücklich darüber."
„Unsinn! Was hat man nur an einem solchen Schreier?"
„Er hindert Dich ja nicht. Sie hält ihn auf ihrem Zimmer und Du wirft nicht gestört."
„Das wollte ich mir denn auch sehr verbeten haben, ehe ich mich durch sei» Schreien stören ließe, drehte ich dem Thiere den Hals um," versetzte der Amtmann. Den erschrockenen Gesichtsausdruck seiner Frau gewahrend, fügte er ärgerlich lachend hinzu: „Na, ängstige Dich nur nicht, ich thu's nicht. Wär' ja schade um das Geld, was der Papagei gekostet hat."
Ein Paar Minuten herrschte Schweigen zwischen den Gatten. Der Amtmann beobachtete jetzt einen Knecht, der mit dem Zerkleinern von Holz beschäftigt war, und konnte, so viele Mühe er sich gab, doch keinen Tadel an dessen Gebühren finden, seineUrau suchte nach den richtigen Worten." um eine Frage zu stellen, über deren Aufnahme sie zweifelhaft war. Endlich sagte sie:
Ich möchte doch wohl an Büttners und Lorenzes schreiben, daß Du Adolf Deine Einwilligung gegeben hast, und was meinst Du, Annas Bruder müßte doch auch wohl — unterbrach er sie heftig herumfahrend. „Willst wohl Berobung feiern? Kälber und Gänse schlachten?
Daraus wird nichts. Zu solchen Lustbarkeiten haben wir keine Veranlaffung. Eine Brautschaft hier im Hause will ich nicht haben."
„Es kann aber doch nicht verschwiegen bleiben," wandte die Frau schüchtern ein.
„Ich will's aber haben!" schrie der Amtmann hart auftretend. „Es soll mich nicht Jeder darauf anreden, daß ich die Dummheit zugegeben habe. Zeit genug wenn's zur Heirath kommt. Lorenz' hab' ich gestern, schon den Standpunkt klar gemacht, plaudern sie doch gegen Büttners, so werd ich ihnen Allen zusammen den Mund verbieten, und was den Herrn Doctor Holten anbetrifft, so mag ich°den überhaupt nicht wieder hier auf Rapshagen -haben, das werd' ich Anna schon selbst beibringen."
„Aber, mein Gott, was hat Dir denn der gethan?" fragte Frau Göbener erschrocken.
„Es ist ein hochnäsiger, aufgeblasener Mensch, ich kann ihn nicht ausstehen!" rief Göbener giftig. „Wozu mußte er sich denn uns hier auf die Nase, nach Greifswald setzen? Wäre für ihn viel besser, wenn er in eine kleine Stadt ging. Da wäre er schneller zu Praxis gekommen."
„Er wollte wohl gern in der Nähe der Schwester bleiben, das kann man ihm doch eigentlich nicht verdenken —"
„Ach, Du hast für Alles eine Entschuldigung," unterbrach er sie grob. „Anna ist bei uns ganz gut aufgehoben und dem Stephan ist's auch gar nicht um die Schwester zu thun, der ist. ein Streber."
„Er soll sehr gut Kuren machen," bemerkte die Frau. „Es heißt, er habe die Meta Wenzel drüben auf Waldhof vom sicheren Tode gerettet."
Göbener lachte laut auf.
„Wird nicht so arg sein!" entgegnete er unmuthig und mit einer wegwerfenden Handbewegung. „Der Schleicher wird's ihnen freilich eingeredet haben. Der sieht schon, wo fahren"' bo$ nöd^ter Tage mal selbst nach Waldhof
„Nimm mich mit, Daniel," bat die Frau, „möchte sehen, wie es der Meta geht."
„Ach, das laß nur noch, wir haben uns ja oft genug erkundigen lassen. Möchte erst einmal allein hin, da erfahre ich besser, was an der Geschichte ist," entgegnete der Amtmann.
„An welcher Geschichte!"
„Na, sie munkelten, als ich jüngst in Greifswald war, allerlei von Meta Wenzel und dem Doctor Stephan Holten." war die Antwort.


