Ausgabe 
25.6.1898
 
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Freilich einen Uebelstand haben alle Inseln, die weit, mitten im Meere liegen, sie sind ohne Seefahrt, ohne See­krankheit nicht zu erreichen- doch steht dieses kleine Leiden nicht im Verhältnisse zu dem großen Nutzen der Badekur.

Viele lieben warme Seebäder, doch wird durch dieses künstliche Erwärmen dem Bade der eigenthümlich e wirk­same Charakter genommen, es wirkt dann nicht anders als ein warmes Wannenbad mit Mutterlauge.

Geineinnüiziger.

Das in Schlaf- oder Krankenzimmern stehende Wasser ist schädlich. Das Wasser nimmt verschiedene in der Lust befindliche Stoffe, namentlich auch die fauligen und die Ansteckungsstoffe in sich auf. Es ist daher nicht anzu- rathen, sich des WasserL, das in einem Krankenzimmer stand, zu bedienen, besonders wenn es in einem unbedeckten Gefäße war. Selbst das Wasser, das über Nacht im Schlafzimmer stand, kann in manchen Fällen schädliche Thetle ausgenommen haben. Man hat mehrere Beispiele, daß durch Trinkwaffer, das, damit es überschlagen sollte, in Krankenzimmer gestellt wurde, ansteckende Krankheiten verbreitet wurden.

Das Rauchen der Kochherde beim Anfeuern bildet in der jetzigen Jahreszeit, wo die auf den Dächern liegende Sonne einen Zug in den Schornstein nach unten nach den kühleren Zimmern bewirkt, der erst beim Anfeuern über­wunden werden muß, eine sehr häufige lästige Plage. Die gleichen Mißstände treten auch im Winter bei nebeligem Wetter, sowie stets bei schlechten Kaminen, welche zu nieder lind oder ungünstig liegen, hervor. Die fortschreitende Technik hat hier wesentliche Abhilfe geschaffen durch sehr zweckmäßige wirkungsvolle Rauchfänge, die, auf den Kamin aufgesetzt, bei jeder Windrichtung ein Absaugen der Luft aus den Kaminen bewirken. Es bestehen hierin verschiedene Systeme, die bez. der Leistungsfähigkeit und Zugänglichkeit für den Kaminfeger sehr differtren und ist es hier unbedingt erforderlich, daß man sich durch einen zuverlässigen Fachmann rachen läßt. Immerhin wollen wir auf diese nützlichen Neu­heiten, die noch viel zu wenig bekannt und verhältniß- mäßig billig sind, aufmerksam machen.

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Gegen die kleinen Stechmücken hilft oft Einreiben der Hände und des Gesichts mit Nelkenöl oder Einreibung mit Salmiakgeist. Für das Zimmer bewährt sich das fleißige Bestreuen der Fevsterränder mit unverfälschtem per­sischen Jnsectenpulver. Das beste ist freilich ein in die Fensteröffnung eingepaßter Gazerahmen. Gegen Abend werden Thür und Fenster geschloffen, in der Dämmerung ziehen sich die Mücken an die Gazefenster, und man tödtet sie leicht mit einem Tuch und kann so ruhig schlafen. Auch empfiehlt es sich noch, ein Nachtlicht auf einem Teller mit Waffer in die Mitte der Stube auf den Boden zu stellen, das Licht lockt die Mücken an und sie fallen ins Waffer.

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Beim Bohnenpflücke« benutze mau nur Daumen und Zeigefinger. Wer durch unverständiges Anreißen den jungen Ansatz mit wegntmmt, hat doppelten Schaden, da er seine Erträge im Voraus vermindert und die kleinen Böhnchen nicht verwenden kann. Ein öfteres Absuchen der Bohnen­stöcke ist nöthig, wenn die grünen Schoten nicht hart und holzig werden sollen.

Erde gestoßen und durch Niederdrücken des Stieles die Pflanze gehoben, um dann wieder zurückzusinken. Hierdurch wird die Erde von einem Theile der Wurzeln gelockert und tritt eine Wachsthumsstörung ein, ohne daß die Pflanze trauert. Dieses Heben muß aber ausgeführt werden, bevor noch der Salat Neigung zum Ausschießen zeigt.

Jetzt, wo die Erdheeren reifen, ist es Zeit, daran zu erinnern, daß es nöthig ist zur besseren Ausbildung der Früchte die Erdbeeren zu entranken. Die meisten machen sich zuviel Mühe damit, das einfachste Mittel ist, wie der practische Rathgeber im Obst- und Gartenbau" schreibt, die Ranken von oben mit einem kleinen, gut geschliffenen Spaten abzustechen das lästige Bücken und Schneiden wird ganz vermieden! Auf alle Fälle müssen die Ranken jetzt fort. Ranken zur Weiterzucht wachsen dann immer noch genug nach der Erdbeerernte.

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Fleischpastete auf friesländische Art. Uebrig ge­bliebene Kalbsbraten hackt man mit einer gebratenen Kalbs­milch sowie etwas Speck recht fein, würzt diese Masse mit gehackten und in Butter gerösteten Zwiebeln, etwas Pfeffer und Thymian, Capern und gehackten Sardellen, rührt eine kleine Taffe kräftige Auflösung von Liebigs Fleisch-Extraet darunter, und bringt dann Alles in eine Form, die man zugedeckt in ein Gefäß mit kochendem Waffer stellt und dann eine Stunde im Backofen läßt. Sowie die Pastete erkaltet ist, stürzt man sie auf eine Schüssel und garnirt sie mit ge­hacktem Fleischgeloe.

Humoristisches»

AusLustige Welt", Verlag von Georg E. Nagel, Berlin SW. Vierteljährlich Mk. 1,30, Einzelnummer 10 Pfg. Sein Jammer. Kadett:'ne Jemcinheit! Sojar Schlüssel hat'n Bart, blos ich nich!" Kindermund. Fritzchen:Onkel sag' 'mal, kannst Du Deinen Kopf auf- machen!" Onkel:Aber, Fritzchen das ist doch nicht möglich, und wozu denn auch?" Fritzchen:Ja, Papa hat gesagt, Du hättest nur Stroh im Kopf, und das will ich mir 'mal anseh'n." Sein Mann. A.:Es ist schrecklich, ich habe mein Gedächtniß beinahe ganz ver­loren. Alles vergess' ich von einem Tage bis zum andern." B.:Hm, hören Sie 'mal was ich sagen wollte können Sie mir vielleicht bis morgen fünfzig Mark pumpen?" Macht der Gewohnheit. Student (bei der Liebes­erklärung):Ach, Fräulein, pumpen Sie mir doch endlich Gehör!" Aufrichtig. Chef:Keine Summe stimmt bei Ihnen, Herr Meyer! Haben Sie denn nie in der Schule gerechnet?" Lehrling:Sehr viel aber immer falsch!"

Literarisches.

Gebt de« Kindern keinen Alkohol! In manchen Gegenden Deutschlands herrscht die Unsitte, die kleinen Kinder dadurch zur Ruhe zu bringen, daß man ihren Lutschbeutel, Zuller oder wie das Ding sonst noch heißt, in Bier oder gar in Branntwein taucht. Man geht vielleicht zu weit, wenn man die Unterschiede der Begabung oder doch der geistigen Regsamkeit, die unleugbar zwischen den einzelnen deutschen Stämmen bestehen, auf diese Unsitte zurückführt. Aber ganz unleugbar ist es eine beträchtliche Schädigung für die geistige Entwick­lung der Kinder, wenn man ihnen Alkohol, und sei es auch in kleinster Dosis, zukommen läßt wie der bekannte Specialist auf dem Gebiet geistiger und nervöser Störungen, Sanitätsrath Dr. Fr. Dornblüth, überzeugend ausführt in dem jüngst erschienenen 24. Heft der bekannten FamilienzeitschriftJllustrirte Welt" (Stuttgart, Deutsche Verlags- Anstalt, jährlich 28 Hefte zu 30 Pfennig.) Die beiden Hefte 23 und 24 sind wiederum in jeder Hinsicht derart reichhaltig, daß wir das Abonne­ment auf diese gediegene Zeitschrift jedem Familienvater empfehlen können.

Um das Ausschietze« des Salates zu verhiuderu, wendet man mit gutem Erfolge das Heben der ganzen Salat­staude mittelst des Spatens an. Der Spaten wird ungefähr handbreit von der Staude und gegen dieselbe schräg in die

Rtfcaction; $. Burkhardt. Druck und Verlag der Brühl'schen UniverfitütS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gieße«.