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aus den Weg zu seiner Lore machte/ er ging sofort, nachdem Teßa verschwunden und klopfte an die wohlbekannte Thiire.
Das „Herein", welches ihm den Eintritt in das Boudoir der Hausfrau gestattete, klang so hell und freudig, daß er eines guten Empfanges gewiß war, noch ehe er über die Schwelle trat und Frau Lore sich mit einer Gluth, die ein Fremder diesem kühlen Weibe nie zugetraut, an die Brust des Geliebten warf und seine Küsse erwiderte, daß es schien, als wolle sie sich und ihn tödten mit diesen Küssen.
Das war die Raserei der Eifersucht. Harden aber war es gerade recht so, dieses vor Leidenschaft wilde Weib, das doch nur er, er allein in dieser Liebesexstase kannte.
„Komm!" sagte sie,- nachdem sie ermattet in seine Arme zurückgesunken, mit einer vor Erregung rauhen Stimme. „Komm, setze Dich her zu mir, ich habe mit Dir zu sprechen!"
„Rede,- Dein Sclave hört!" scherzte er, sich vor ihr, die auf einer Ottomane Platz genommen, auf's Knie niederlassend.
Lore schlang den Arm um seinen Nacken. „Liebst Du mich? Liebst Du mich wirklich?" fragte sie, den Blick tief in ferne Augen senkend.
Ihr Ernst gab ihm zu denken. „Teufel!" dachte er, doch er fühlte sich wohl dabei.
„Du bist meine Königin!" gab er feierlich, ihre Hand küssend, zurück.
„Bleib ernst!" grollte sie.
Nun lachte er doch: „Kind, Du bist komisch!" (Fortsetzung folgt.)
Nord- und Ostseebäder.
Von Dr. med. Song.
------- (Nachdruck verboten.)
„Wir gehen an die See" hat wirklich eine große hygienische Bedeutung, mehr als viele Menschen glauben und zugeben wollen. Begründet ist dies in erster Linie im Unterschiede des Klimas, denn Land- und Seeklima weisen bedeutende und einflußreiche Unterschiede auf.
Das Festland erwärmt sich durch die Sonnenstrahlen viel schneller und leichter als die Oberfläche des Meeres, strahlt aber auch die erhaltene Wärme schneller wieder aus. So kommt es, daß das Festland im Sommer die höchste Temperatur aufweist, das Seeklima dagegen im Winter.
Das Seeklima ist daher im Sommer verhältnißmäßig kühl und im Winter warm. Dann kommt noch ein sehr wichtiger Punkt hinzu, die Seeluft ist reiner, das heißt, sie enthält weniger Staub, als die Landluft. Wie wichtig dieses für die menschliche Gesundheit ist, geht aus dem Umstande hervor, daß staubfreie Luft das beste Heilmittel für die L u n g enschwindsuchtist. Daraus geht naturgemäß hervor, daß Seebäder, die ganz vom Meer umspült sind, wie Helgoland, Norderney und Sylt, für viele Krankheiten wirksamer, empfehlens- werther sind, wie Halbinseln oder Seebäder, die zu nahe dem Lande liegen.
Die Temperatur des Meerwassers wechselt zwar auch mit der Atmosphäre, aber sie behauptet doch stets einen angenehmen mittleren Wärmegrad, der beispielsweise bei der Nord- und Ostsee 16 Grad Maumur beträgt. Wer einmal im Sommer diese milde, angenehme und stärkende Luft in einem wirklichen Seebade genossen hat, vergießt ihre kräftigende und beruhigende Wirkung niemals. Man sitzt oder promenirt in dieser herrlichen Luft den ganzen Tag im süßen Nichtsthun und erholt und stärkt sich doch.
Außer der Luft wirkt auch noch das Seebad an sich, das heißt das Baden in der salzigen Fluth. Der Reiz, den das Seewasser auf die Haut ausübt, ist ein großer, der sich von der stets eintretenden Röthung bis zum Jucken, Brennen und Ausschlag steigern, kann. Diese Wirkung bedingt der Salzgehalt und der Wellenschlag des Meeres. Sie wird um so größer und wirksamer sein, je höher der Salzgehalt
und je stärker der Wellenschlag ist. In dieser Hinsicht ist die Nordsee der Ostsee bedeutend über. Der Salzgehalt der Nordsee beträgt an der Oberfläche im Mittel 4 bis 5 Prozent, w°h^nd derjenige der Ostsee V/2 Prozent niemals über- stelgt, meist sogar noch geringer ist. Der Wellenschlag der Nordsee ist auch ein gewaltiger und viel kräftiger als bei der Ostsee, weil der Unterschied der Ebbe und Fluth bei der Nord, see ein sehr bedeutender, bei .der Ostsee dagegen ein weit geringerer ist.
Das Baden in der Nordsee ist für. schwächliche Personen ohne ärztliche Erlaubniß nicht anzurathen, und selbst kräftige muffen im Anfang eine gewisse Vorsicht üben und nicht gleich zu lange im Wasser bleiben. b
wirkt jedes Seebad beklemmend und erkältend auf den Badenden ein, aber bald folgt auf diese Beklemmung und dieses Frösteln eine angenehme Reactionswärme. Ganz besonders wird durch das Seebad die Thätigkeit der Hautfettdrusen angeregt, welche eine fettig-klebrige Hautabson- derung hervorruft, die dem Körper stets ein charakteristisches Anfuhlen verleiht und dem Kundigen sofort verräth, ob der Betreffend ein Seebad genommen hat oder nicht. Naturgemäß wirkt auch in dieser Beziehung die Nordsee stärker und charac- terlft,scher als die schwächere Ostsee.
r J”att bie Seebäder länger fort, dann vermehren sie die Aufsaugungsfähigkeit des Organismus, indem sie den Blutumlauf in den kleinen Gefäßen beleben und die Thätig- keit der Nerven steigern, wodurch in Begleitung einer lebhafteren Verdauung, einer stärkeren Absonderungs- und Aus- leerungsfunction manche Krankheitsstoffe im Organismus in Bewegung gerathen und aus dem Körper entfernt werden. Deshalb ist das Seebad besonders heilsam für Personen, die Amt und Pflicht im Zimmer und am Stuhle fesfeln. Im Seebad, im Seeklima wirken alle heilsamen Umstände zusammen, die reine, staubfreie Luft, die mächtige und reizende Bewegung des Wassers beim Baden, die labende und gleichmäßige Temperatur, der Eindruck des gewaltigen Meeres- die vermehrte Hautthätigkeit und der mächtig beförderte Stoffwechsel. Man hat im richtigen Seeklima stets Hunger, wenn man nicht als Patient dort ist, und die Nahrung wird verarbeitet, sie wird in kräftiges Blut umgewandelt.
Zu empfehlen sind Seebäder bei allgemeiner Hautschwäche, die Stubenhocker so leicht befällt, bei nervösen Schmerzen, Rheumatismus und Schwächezuständcn, die durch Ausschweifungen entstanden sind. Bei gesunden Menschen, die nur der Erholung und Stärkung bedürfen, ist es nicht so wichtig, ob sie ein Nord- oder Ostseebad wählen, sie werden sich in jedem von diesen genügend erholen, wenn sie mindestens drei Wochen naturgemäß dort leben.
Anders liegt der Fall bei wirklich Kranken, besonders aber bei Personen, die zur Tuberculose neigen oder bei denen die Schwindsucht bereits ausgebrochen ist. Da muß der Arzt den Ausschlag geben, zumal nach der Ansicht vieler moderUer Aerzte die Lungenschwinsucht heilbar ist, und es gelingen wird, diese Krankheit mit der Zeit wesentlich einzuschränken.
Nun muß freilich gesagt werden, daß weder die Nord- noch Ostsee für diese verbreitete Krankheit weniger in Betracht kommen, schon aus dem Grunde, weil der Aufenthalt in diesen Seebädern nur nach Monaten zählt, während ein Tuberculoser das ganze Jahr in milder und staubfreier Luft leben muß, um endgiltige Heilung zu erringen. Als die staubfreiesten Orte gelten auf der Erde die Stadt Venedig und die Insel Madeira. Besonders die letztere gilt als ein Eldorado für Lungenkranke. Der Hauptwerth Madeiras beruht darin, daß der rmgs die Insel umgebende Ozean jede Staubbildung fernhalt, und daß zweitens das Klima so milde und qleich- maßig lsff welches der Kurgast Tag für Tag, Jahr für Jahr stetr, im Freien genießen kann. Diese wunderbare Atmosphäre drese von allen Seiten frische, freie und staublose Luft, die geringen Unterschiede in der Temperatur während des ganzen Jahres, die reiche und schöne Vegetation sind wunderbare Heilfactoren für die Patienten.


