Ausgabe 
25.1.1898
 
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verkaufte C. W. Dalchow die beliebten Hängelampen, und mit einem Schlage sah sich der Vorwärtsstrebende junge Ge­schäftsmann des größten Theils seiner Kundschaft beraubt. Was thun? Das war eine Existenzfrage für ihn. Seine Mittel waren gering- alles, was er sich in langen Jahren erspart hatte, war in das Geschäft gesteckt. Den Concurrenz- kampf mit der großen, steinreichen Firma aufzunehmen, daran war gar nicht zu denken. Ja, wenn ihm die Mittel zu Gebote gestanden hätten, die Firma auch unterbieten und sie mit ihren eigenen Waffen bekämpfen zu können, dann wäre es ihm vielleicht geglückt, die untreu gewordenen Käufer wieder zu sich zurückzulocken. Aber wie lange würde er den Kampf aushalten können? Nicht eine Woche. Ihm blieb nur übrig, auf friedlichem Wege zu versuchen, die Firma C. W. Dalchow von dem ungleichen Kampf abzubringen.

So schwer es ihm wurde, er machte sich nach dem Contor der Firma auf den Weg. Er mußte es noch als eine besondere Vergünstigung betrachten, daß ihm der In­haber der Firma in sein Privatbüreau Einlaß gewährte.

Der Commerzienrath Dalchow rückte seinen Schreib­sessel ein wenig in die Richtung des Hereintretenden.

Was giebts, Köster?" sagte er in dem herablassenden, äußerlich wohlwollenden Ton, den er sich seinem früheren Angestellten gegenüber angewöhnt hatte.

Dem jungen Manne klopfte das Herz hörbar- der lang­jährige Respect vor dem ehemaligen Chef kämpfte mit dem in ihm glühenden Unwillen.

Herr Commerzienrath" stieß er, unfähig seine Auf­regung ganz zu bemeistern, hervorSie schädigen mich, Sie schädigen mich ganz ungeheuer. Ich wollte Sie bitten, die Fabrikation meiner Hängelampen wieder aufzugeben. Ihnen stehen ja genug andere Zweige der Fabrikation offen.''

Der Commerzienrath maß den bescheiden vor ihm Stehenden mit seinen kalten, spöttischen Blicken.

Jede Spur von Wohlwollen war aus seinen Zügen verschwunden.

Sie sind selbst Geschäftsmann", antwortete er in ruhigem, geschäftsmäßigem Tone.Ich wundere mich, daß Sie ein solches Verlangen an mich stellen können."

Den jungen Geschäftsmann überlief es heiß.

Ich weiß nicht, Herr Commerzienrath", stammelte er, ich habe Ihnen doch nie etwas zu Leide gethan. Warum wollen Sie mich denn nun ruiniren?"

Herr Dalchow lächelte.

Fällt mir gar nicht ein, Sie ruiniren zu wollen, lieber Köster. Nicht um Ihnen einen Schaden zuzufügen, habe ich mich auf die Fabrikation der Hängelampen ge­worfen, sondern nur um uns einen Nutzen zu bereiten. An Sie habe ich dabei wirklich gar nicht gedacht."

Dem jungen Mann ballten sich in stillem Ingrimm die Fäuste.

Aber es war doch . . . doch meine Idee", wandte er, seine Erbitterung gewaltsam unterdrückend, mit bescheidener Miene ein.Ich kam doch zuerst darauf, diese besondere zierliche Art von Hängelampen zu fabriciren."

Ja, mein Lieber", antwortete der Fabrikbesitzer und drehte behaglich die Daumen über seinem Embonpoint um­einander,wie oft ist es mir schon Passtrt, daß mir Jemand einen Artikel, aus dessen Herstellung ich zuerst verfallen war, nachgemacht hat. Nicht mit der Wimper habe ich deshalb gezuckt. Das ist die Concurrenz, die ihre guten und ihre schlechten Seiten hat. Sie verbilligt den Consumenten das Fabrikat und macht uns Geschäftsleuten das Leben schwer. Darüber darf sich Niemand beklagen. Unterbieten Sie mich dach oder noch besser, werfen Sie sich auf einen anderen Artikel"

Das kann ich nicht", erwiderte Carl Köster kurz und bestimmt,ich habe die Mühen des Einsührens gehabt und kann nun nicht plötzlich wieder zu etwas Anderem übergehen. Dazu fehlen mir die Mittel. Aber Sie, für Sie ist es eine Kleinigkeit, andere Artikel herzustellen und einzuführen."

Der Commerzienrath schüttelte mit dem Kopf, als würde ihm etwas Unerhörtes zugemuthet.

So, also Sie muthen mir schlankweg zu, die Maschinen, die ich extra für den neuen Artikel eingestellt habe, zum alten Eisen zu werfen und meine Waaren-Vorräthe ins alte Zink. Ich arbeite mit kleinem Nutzen und um etwas aus dem Artikel herauszuschlagen, muß ich ihn auch in größeren Massen absetzen."

(Fortsetzung folgt )

Japanische Frauentoilette?)

Einer der Hauptreize der Japanerin liegt wohl unbe­streitbar in ihrer Toilette. Nicht in jener, die durch eine der unsinnigsten Verordnungen des neuen Japan aus unserer alten westlichen Welt auch in dem fernen Lande des Sonnen­aufgangs theilweise zur Einführung kam, sondern in jener Toilette, die die Japanerin seit undenklichen Zeiten bis auf die Gegenwart beibehalten hat. In Japan sind die Toiletten glücklicherweise nicht so sehr den Launen der Prinzessin Mode unterworfen wie anderswo. Dort hat man niemals etwas von Crinolinen, von Puffenärmeln und Culs de Paris ge­hört, der Schwerpunkt der Damentoiletten springt nicht in jedem Jahre, in jeder Saison von oben nach unten, von hinten nach vorn. Die japanischen Damen tragen keine mit ausgestopften Vögeln, Flügeln von Käfern, Federn und anderen barbarischen Zuthaten geschmückten Hüte- sie durch­löchern sich ihre Ohrläppchen nicht, um sie mit schwerem Geschmeide aus Edelmetall und Steinen zu beschweren- sie schnüren ihre zarten Füßchen nicht in enge drückende Schuhe, und was den Stahl- und Fischgrätenpanzer anbelangt, mit welchem die Damen anderer Länder ihre Leiber umspannen, um sich, nach dem Ausspruch eines chinesischen Mandarins, das Aussehen von Wespen zu geben, so sind ihnen dieselben vollkommen unverständlich.

Die Toilette der Japanerin ist, was ihre 'Zusammen­setzung und ihren Zuschnitt betrifft, von klassischer Einfach­heit- sie erinnert am ehesten an jene der Griechin aus der klassischen Zeit, und ist vielleicht ebenso alt wie diese. Aber dabei ist sie im Ganzen genommen schöner, denn zu den langen, faltenreichen Gewändern treten noch die Feinheit und Kostbarkeit der Stoffe und vor Allem die herrlichen Farben, an denen sich das künstlerische Auge niemals satt­sehen kann. Wer jemals in Tokio oder in der alten Haupt­stadt von Dai Nipon, in Kioto, eines der zahlreichen Volks­feste mitgemacht hat, den wird neben der Anmuth und Lieb­lichkeit der japanischen Frauen nichts so sehr in Entzücken versetzt haben wie diese zarten, duftigen, farbenreichen Trachten, die den Volksmassen, aus der Ferne gesehen, das Aussehen lebendiger Bl imenbeete geben, umflattert von den herrlichsten Schmetterlingen. Den Flügeln der letzteren, den Farben der ersteren mögen die Japaner bei ihrem ein­trächtigen Zusammenwirken mit der sie umgebenden herrlichen Natur, ja ihrem vollständigen Aufgehen in derselben ihre Toiletten abgelauscht haben. Wie Blüthen um den Stengel, wie die Flügel an den Schmetterlingen liegen diese reizenden bunten Trachten aus der Japanerin, und beinahe könnte man sagen, nur diese verleihen ihr jenen eigenen, seltsamen Reiz- ohne sie erscheint die Japanerin wie der Schmetterling ohne Flügel, denn sie ist im Gegensatz zu ihrer europäischen Schwester keineswegs von besonderer Körperschönheit.

Kein Wunder, daß die Japanerin aus ihre Toilette noch mehr Werth legt als die Europäerin. Aber sie thut es

*) Wir entnehmen den vorstehenden Abschnitt dem im Verlage von I. I. Weber in Leipzig erschienenen Werke: China und Japan, Reisen, Studien und Beobachtungen von Ernst von H^ffk' Wartegg. Der Preis dieses reich illustrirten Geschenkwerkes beträgt 18 Mark.