Ausgabe 
25.1.1898
 
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j®sl)d) will! das Wort ist mächtig;

(k^K Ich soll! das Wort wiegt schwer.

Das Eine spricht der Diener,

Das And're spricht der Herr.

Laß beide eins Dir werden

Im Herzen ohne Groll;

Es giebt kein Glück auf Erden,

Als wollen, was man soll! Friedrich Halm.

Muttersohn.

Roman von Arthur Zapp.

(Fortsetzung.)

Heute am dritten Mittwoch des Monats Januar war nur ein kleiner Bruchtheil der Freunde des Hauses erschienen. Die außergewöhnlich strenge Kälte und der scharfe Ostwind, der seit einigen Tagen durch die Straßen Berlins fegte, machte jeden Gang auf die Straße zu einer wirklichen Strapaze. Trotzdem herrschte eine animirte Stimmung in dem kleinen Kreise, der aus einigen der College« des Haus­herrn mit ihren Frauen und aus einigen jungen Juristen bestand. Man hatte, wie immer bei Görings, vortrefflich gespeist; nach Aufhebung der Tafel waren die älteren Herren im Speisezimmer zurückgeblieben, um hier bei einigen Flaschen guten Weines juristische Fragen zu erörtern. Im Damenzimmer führteTante Martha", eine Verwandte des Kammergerichtsraths, die seit dem Tode seiner Gattin dem Hauswesen vorstand, den Vorsitz und füllte den Damen die Gläser mit süßem Trank, damit sie die sich fleißig rührenden Zungen auch gehörig anfeuchten könnten.

Das jüngere Volk hatte sich in das Musikzimmer be- gebeA. Fräulein Constanze, die Tochter des Hausherrn, sang mit ihrer nicht gerade vollen, aber wohlklingenden und gut ausgebildeten Stimme ein paar Lieder von Schubert und Lassen, während ein musikalischer Assessor sie auf dem Piano begleitete. Constanze Göring war heute die einzige junge Dame in der Gesellschaft und so verdroß es sie sehr bald, den Herren etwas vorzusingen, ohne sich während der Ablösung durch eine Freundin eine Pause gönnen zu können.

Sie legte das Notenblatt, das ihr der Assessor soeben überreichte, wieder auf das Clavier zurück.

Will uns nicht einer der Herren etwas zum Besten

geben?" sagte sie und sah sich fragend im Kreise um. Wie wärs, Herr von Markwald?"

Dem Angeredeten fiel vor Schrecken das Monocle aus dem Auge.

Gnädiges Fräulein scherzen," sagte er,ich und singen, noch dazu nach dem gnädigen Fräulein!"

Aber ich weiß, daß Sie musikalisch sind, Herr von Markwald. Haben Sie mir doch erst neulich erzählt, daß Sie als Student bei den Commersen Ihrer Verbindung immer als eine Art Vorsänger fungirt und die Begleitung auf dem Clavier besorgt haben."

Das ist lange her, gnädiges Fräulein . . ."

Doch höchstens vier Jahre. Ich finde es wenig liebenswürdig, Herr von Markwald, sich so lange bitten zu lassen."

Aber gnädiges Fräulein" vertheidigte sich der Ge­tadelte und Stemmte sein Glas wieder ein, das er den ganzen Abend über in Gegenwart der älteren Herren ver­stohlen zwischen Weste und Oberhemd getragen und schmerz­lich entbehrt hatte,ich würde mich einer entschiedenen Unbescheidenheit schuldig machen, wenn ich mich so unmittelbar nach dem gnädigen Fräulein mit meiner . . . Pardon! . . . Bierstimme hören ließe und grausam den Eindruck zerstörte, den der himmlische Gesang des gnädigen Fräulein . . ."

Ich bitte keine Schmeicheleien, Herr von Markwald," unterbrach ihn die junge Dame.

Ich schmeichle nicht. Ich rufe die Herren zu Zeugen an, daß ich nur eine Thatsache constattre . . ."

Der Sprechende sah sich herausfordernd im Kreise seiner Collegen um, die sofort ein beifälliges Gemurmel hören ließen. Fräulein Constanze lachte.Natürlich," sagte sie.Die Herren sind zu einer Schmeichelei immer bereit. Nun, wenn keiner von Ihnen singen will, so ist hoffentlich Herr Schilling so liebenswürdig und trägt uns etwas auf dem Clavier vor."

Aber der Assessor, der die Tochter des Hauses vorher begleitet hatte, entschuldigte sich mit den Worten:Ohne die Unterstützung des gnädigen Fräulein wage ich mich nicht hören zu lassen."

Mit einer humoristischen Geberde geheuchelten Unmuths klappte die junge Dame den Deckel des Pianos herab, nahm auf dem Clavtersessel, von dem sich der Assessor er­hoben hatte, Platz und sagte, sich zu den Herren herum­drehend:Plaudern wir also, wenn Sie es nicht besser haben wollen. Sagen Sie mir, Herr Köster, warum Sie heute den ganzen Abend über so schweigsam, mit einer so