Ausgabe 
24.7.1898
 
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üchen Bevölkerung, deren Füße durch härtere Haut besser gegen Verletzungen geschützt sind als diejenigen des Städters, und welche vielleicht auch in gewissim Grade durch die stete Berührung mit Erde imunisirt sind, kommt alljährlich eine nicht unbedeutende Anzahl Starrkrampffälle vor, welche nahezu immer tödtlich verlaufen. Der Städter aber inklinirt augen­scheinlich mehr für die Jnfcction, und man thut gut daran, jede derartige Wunde gehörig zu desinficiren. Zum Glück hat der Erfinder des Diphterieserums, Professor Behring, auch ein höchst wirksames Heilserum gegen den Starrkrampf dagestellt, welches, zur rechten Zeit angewendet, selten den Dienst versagt.

Der vorstehend geschilderten schweren Gefahren, deren sich noch viele kleinere anreihen ließen, sind, wie man sieht, nicht gerade wenige. Sie lassen sich aber bei gutem Willen alle vermeiden und auch, wenn sie bereits im Anrücken be­griffen sind, siegreich abwehren. Ruhiges Nachdenken und sodann thaikräftiges zielbewußtes Eingreifen werden auch bei Abwesenheit ärztlicher Hilfe Erfolg haben, wo Indolenz und Fatalismus oder Kopflosigkeit nur zu häufig Unglücksfälle herbeiführen.

brauche, und auch bei größeren Kindern gehe man, wenn man aufs Land zieht, nicht zu unvermittelt zu den dort der Natur der Sache nach in reichlicherem Maße genossenen un­gekochten Pflanzlichen Nahrungsmitteln über.

Das Stadtkind, welches durch Feld und Wald streift, findet dort eine Menge Kräuter und Beeren, welche durch ihren Prächtigen Anblick zum Genüsse einladen und doch unter der täuschenden Hülle häufig furchtbare Gifte bergen. Die Samenkapseln der Kartoffeln, die Einbeere, die Tollkirsche sind nur einige Beispiele der zahlreichen Giftkräuter, welche auch in unserem gemäßigten Klima fast allenthalben vor­kommen. Mau verbiete daher den Kindern auf das Unnach­sichtlichste den Genuß unbekannter Beeren und das In- den- Mund-nehmen von Pflanzen. Ist aber doch einmal das Unglück geschehen, so säume man nicht mit der Verabreichung starker Brech- und Abführmittel, welche, zur rechten Zeit angewandt, meistens jeder Gefahr die Spitze abbrechen.

Zu dem Gifte in der Pflanzenwelt gesellt sich als weitere Gefahr für unsere sorglos umherspielnden Kinder das Gift in der Thierwelt. Besonders empfindliche Kinder können sich schon durch Mücken- und Wespenstiche eine schwere Ent­zündung großer Hautparthieen zuziehen. Vor Allem ver­gesse man aber nicht, daß eine gefährliche Gifr-chlange, die Kreuzotter, in vielen Theilen der deutschen Mitrelgebirge wie des Flachlandes durchaus nicht selten ist. Den Behauptungen der Ortsbewohner, daß die Gegend chlangenrein sei, ist, da dieselben meist vom Egoismus dictirt sinitz kein Glauben zu schenken. Man warne daher die Kinder auf das Eindring­lichste, irgend ein Reptil anzugreifen, zumal da elbst der Erwachsene trotz aller Populärwissenschaftlichen Beschreibungen bei der Schnelligkeit, mit der solche Ereignisse sich abspielcn, fast nie in der Lage sein wird, zu erkennen, ob er eine giftige oder unschädliche Schlange vor sich hat.

Einen etwa doch erlittenen Schlangenbiß behandle man, auch wenn er sicher von einer ungiftigen Schlange zugesügt wurde, auf das Sorgsamste, weil die Wunde leicht beim Biß mit Schmutz inficirt worden sein kann und weil der Speichel eines jeden Thieres in gewissem Grade giftig wirkt, wenn er in die Blutbahnen des Menschen gelangt. Man reinige die Wunde sorgsam mit Carbol oder Sublimat, zum Mindesten aber mit reinem Wasser, unterbinde den verletzten Arm oder das Bein oberhalb der Bißstelle und an der nächsten Gelenk­beuge mit einer festen Schnur oder Darmseite, welche man ohne Rücksicht auf den augenblicklichen Schmerz fest anziehen muß, um das Weitergreifen des Giftes zu verhindern, er« wertere die Wunde nöthigenfalls mit einem scharfen Taschen­messer, damit dieselbe tüchtig ausblutet (das Aussaugen mit dem Munde ist hochgefährlich) und trage schließlich kein Be­denken^ dem Kmde in diesem Ausnahmefalle eine solche Quantität starken Wein oder Cognac einzuflößen, die bis zur Berauschung führt, da Alkohol in großen Mengen trotz \ , genauen For chungen der letzten Jahre noch immer das ! ernztge wirksame Gegengift gegen Schlangenbiß ist.

Eine nicht gerade häufige, aber immerhin nicht ganz außer Acht zu lassende Gefahr droht unseren Stadtkindern, wenn sie mit ihren zarten Füßen barfuß umherlaufen und sich durch Glasscherben oder andere scharfe Gegenstände verletzen, durch ^nfection mit Starrkrampfbacterieu. Dieser furchtbare Bacillus, unter dessen vergiftender Wirkung der Mensch an den entsetzlichsten Krämpfen zu Grunde geht, gedeiht merk­würdiger Weise massenhaft in jeder Gartenerde und eine Maus oder ein Meerschweinchen, dem man auch nur ein winziges Theilchen solcher Erde unter die Haut bringt, ist m kurzer Frist dem Tode unter den Erscheinungen des echten Starrkrampfes verfallen. Der Mensch besitzt nun glücklicher Weise die Disposition zu dieser Krankheit nicht in dem Um- 1 fange wie die genannten Thiere, welche heutzutage massen­haft in allen bacteriologischen Instituten Kliniken u. s. w. als 1 Versuchsobjecte gebraucht werden- aber auch unter der länd- 5

GenreinnLstzig-s.

"Wohin reisen wir?" - Das ist die Frage, die gegenwärtig in so manchem Familienrath erörtert wird. Ist sie entschieden worden, 'o folgt die Erwägung:Was nehmen wir m,t auf die Reise?" - Wer die Parole wählt:Leicht Gepäck , der vergesse nicht, statt umfangreicher Eßwaaren- Pakete ein Töpfchen Liebigs Fleisch-Extract mitzunehmen. Hiervon eine Messerspitze voll auf etwas Brot gestrichen, gereicht zur besten Erfrischung während der Fahrt. Namentlich den Alpen-Touristen darfdiesessehrstärkendund belebend wirkende Mittel genannt werden. Es bestätigen dies zahlreiche, den Aipensport behandelnde Werke, die diese Art der Verwendung besonders als Hülfe bei plötzlich eintretender Erschöpfung empfehlen. r ö

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«chwarzbeizen von Holz. Eine vorzügliche schwarze Beize für Holz ist die Godefroh'sche. Die fertigen Holzstücke werden 6et derselben zunächst mit einer Lösung von chlor­saurem Anilin in Wasser, dem ein wenig Kupferchlorid zuaesetzt wird, und hierauf nach dem Trocknen mit einer Lösung von boppelchromsaurcm Kali in Wasser mittelst eines Pinsels oder Schwammes überstrichen und dadurch gebeizt. Durch zwei-, höchstens dreimaliges Wiederholen dieser Operation erhält oas betreffende Holz eine sehr schöne, durchaus reine, schwarze Farbe. 0

Citevavifches.

süßes kleines Baby!" rief jüngst eine vornehme Dame auf offener Straße voller Entzücken, als sie durch ein Buchhändlerschau- fenjet d,e neueste Nummer derJllustrirtcn Wäsche-Zeitung , von John Henry Schwerin, Berlin, erblickte. Sie bemerkte dann gefallen auf derselben Titelseite die Illustration eines eleganten Baby-Sowmerwagens mit SchuHschirm, ging hinein und abonnirte. Das ist auch das Beste, was man thun kann bei einem nnh ftÄ, so außerordentlich Hübsches

»nN ? Ä bietet. Natürlich war das Baby nicht lebendig

und gleich zum M-tnehmen, sondern nur die Illustration zu einem ganz reizenden Baby-Hut und zu einem Jäckchen mit langer DoppelpVlerwe. leder Nummer beiliegende, anerkannt vorzügliche und mustergültige ^^'"bogen ermöglicht die Selbstanfertigung aller Sachen. Eine be- Ä ^b ^rmgt Kloppelarbelten und einen ausführlichen Wäsche- o richt- Auch Gegenstände für Herren sind in derJllustrirten 3Bäf±e« ^selbe ist für 60 Pfennig vierteljährlich von unb Postanstalten zu beziehen. Gratis-Probe-

Be7l,n V 35^ Ctf ben Verlag John Henry Schwerin,

Redaetion: E. Burkhardt. - Druck und Verlag der Brühl'schen UniverfitätS-Buch- unb@teinbrndetei_(^ie7f^^ @c6en) hl (5ie6tn.