Ausgabe 
24.7.1898
 
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junge Leben hinrafft, welche bei einiger Aufmerksamkeit er- halten geblieben wären. Irgend eine Ernährungsstörung, eine Unverdaulichkeit, welche in anderen Jahreszeiten ohne ernstliche Folgen bleibt, kann in der heißen Jahreszeit ver- hangmßvoll werden, in welcher die meisten unserer Nahrungs­mittel nur zu leicht der Nährboden der schädlichsten Mikro­organismen werden. Die Ursache der Erkrankung ist in den meisten Fällen, außer in dem Genüsse chlecht gereinigten Obstes, in dem Verderben des am weitesten verbreiteten Kmdernährmittels, der Milch, zu suchen, welche unter dem Einflüsse von Milliarden von Bacterien überaus schnell in Zersetzung übergeht. Gelangen diese Krankheitserreger in den um diese Zeit besonders empfindlichen Darm des Kindes, so entwickelt sich meistens im Verlauf weniger Stunden das schwerste Krankheitsbild. Unter Fiebererscheinungen treten Erbrechen und zahlreiche, wässerige Stuhlentleerungen ein, welche die Kräfte des Kindes zusehendes schwächen. Im weiteren Verlaufe tritt unter heftigem Kopfschmerz vom Darme aus eine Art Selbstvergiftung oder wie der technische Ausdruck lautet Autointoxikation ein, indem die giftigen Stoffwechsel Producte der Bacterien in den Blut- und Lymphstrom übertreten und von dort nach allen Theilen des Körpers, namentlich aber nach dem Gehirn und Rücken­mark, verschleppt loerden. Die Wirkung des Bacteriengiftes auf diese wichtigen Lebenscentren äußert sich in einer auf­fälligen Lähmung der Energie. Das Khnd wird schläfrig und theilnamslos und reagirt kaum mehr auf laute Anrufe - die Kräfte sinken rapid- der Körper verfällt und wird mager, heftige Krämpfe , treten auf, und im Zustande tiefster Er­schöpfung verscheidet das noch vor ein, zwei Tagen gänzlich munter gewesene Kind zum Entsetzen der Eltern, welche nicht fassen können, daß aus dem anfänglich kaum beobachteten Unwohlsein so schnell furchtbarer Ernst geworden ist.

Aus der leichtverständlichen Natur des Krankheitspro- cesses ergiebt sich sehr einfach die einzig richtige Behandlungs­weise, welche gerade hier, wo der Gewinn von Stunden kostbar ist und entscheidend werden kann, möglichst früh, zeitig zu beginnen hat und dort, wo ärztliche Hilfe nicht sofort zur Stelle ist, also namentlich in kleineren Sommer­frischen, auch von Laien sofort in Angriff genommen werden muß. Man reiche dem Kinde, wenn es nach Nahrung ver­langt, nur noch einen dünnen Haferschleim, zu welchem man in zweckmäßiger Weise eine ziemliche Dosis Cognac oder anderen reinen Alkohol thuen kann, oder concentrirte Fleisch­brühe- auch guter Rothwein ist nicht zu verschmähen. Die häufigen Diarrhoeen, mit denen jedenfalls ein bedeutender Theil der giftigen Spaltpilze den Körper verläßt, suche man zuerst nicht zu stillen, keinesfalls aber mit den in vielen Hausapolheken vorhandenen Opiumtropfen, welche auch in der Hand des Arztes ein recht zweischneidiges Heilmittel sind. Wenn aber die Entkräftung durch die Diarrhoeen hoch­gradig wird, so bediene man sich zur dann erforderlichen Bekämpfung derselben lieber jener neuen ausgezeichneten Wismuthfnäparate, unter denen das Orphol einen wohl­verdienten Ruf hat und welche auf den Darminhalt anti­septisch einwirken. Die in vorgerückten Stadien üblichen Medicamente dagegen, wie Einreibungen mit Senfspiritus, Kampher- und Aetherinjectionen u. s. w., sind Verzweiflungs­mittel, welche wohl nur in seltenen Fällen einen wirklichen Heilerfolg haben.

Leichter alsheilen" istder Krankheit von vornherein vorbeugen". Man setz- die Kinder nicht unnöthig der Hitze der heiß-sten Mittagsstunden aus und überwache namentlich auf das Sorfälvgste die Beschaffenheit der im Haushalt ver­wendeten Milch, welche man bei den leisesten Anzeichen von Verderbniß am besten ganz wegschüttet, da eine säuerlich ge­wordene Milch auch durch Kochen nicht mehr zu retten ist. Die abgekochte Milch bewahre man gut zugedeckt an einem möglichst kühlen Orte, womöglich im Eisschranke auf, bei mit Kuhmilch aufgezogenen Säuglingen reinige man die Saugpfropfen auf das Peinlichste nach jedesmaligem Ge-

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"a6ett $CrUf ~ R" Kunst und Ihr überwältigt von seiner sich steigernden Leiden- Ichaft, konnte die maßvolle Art des Mädchens nicht beqreifen- er nahm sie für Abwehr. ^greifen,

/,Ein marmorkühles Wort - Beruf - aber Sie haben D°ch sprechen wir nicht von mir- in Ihrer großen Begabung liegt doch auch Beruf- sicher haben Sie schon daran gedacht, zu glänzen und berühmt zu werden." Er sprach scharf und spöttisch.

(Fortsetzung folgt.)

Sommergefahren für unsere Lieblinge.

Von Dr. med. C. Rudolph.

(Nachdruck verboten.)

Un^d^tige Tausende von Familien begeben sich alljährlich zur Sommerszeit mit ihren Kindern auf das Land, um diesen dort die Wohlthaten von Licht und Luft in erhöhterem zu Theil werden zu lassen, als dies in der Stadt möglich ist.

Leider stellen sich die Vortheile, welche von der Unqe- bundenheit der Ferienzeit für die Gesundheit des kindlichen Organismus erhofft werden, in vielen Fällen nicht ein- ja oftmals findet das gerade Gegentheil statt, und die Kinder neigen mehr zu Erkrankungen, als in jeder anderen Jahres- |e,t- Di- Bevölkerungsstatistik beweist unwiderleglich, daß ic Sterblichkeit der Kinder, vom Säuglingsalter angefangen, 1$ aU bcr Neife geradezu blitzartig in die Höhe fchnellt, sobald das andauernde warme Sommerwetter ein­tritt, und diese betrübende Thatsache darf eigentlich Niemanden Wunder nehmen, denn die Sommerszeit bringt viele Ge- fahren für die Kinderwelt mit sich, welche in den übrigen Abschnitten des Jahres entweder gar nicht oder nicht in so hohem Maße bestehen.

Vor Allem sind es die besonderen Verhältnisse der Luft, des Wassers und der Nahrung unter dem Einflüsse der hohen Sommertemperatur, welche die Neigung zu Erkrankungen, die F auch unter Erwachsenen um diese Zeit viel häufiger als fonst sind, gerade bei den Kindern außerordentlich erhöhen.

Der zarte jugendliche Körper ist schon gegen einfache Ueberhitzung sehr empfindlich und besonders das äußerst erregbare Nervensystem des Kindes antwortet auf un­gewöhnliche Erhitzung oder directe Bestrahlung des Kopfes sofort mit Fieber. Das Auftreten des letzteren hat aber immer etwas Bedenkliches und sollte alle Eltern zur Vorsicht mahnen, weil es sich von vornherein nie entscheiden läßt, ob dasselbe nur eine vorübergehende, bedeutungslose Erscheinung oder der Vorbote schwerer Erkrankungen ist, welche sich durchweg mit Fiebererscheinungen ankündigen. Es ist darum sehr nothwendig, die Kinder mit breitrandigen, den Kopf vor der directen Einwirkung der Sonne schützenden Strohhüten zu versehen, wenn man nicht erleben will, daß die Kleinen nach mehrstündigem Herumspielen in einem Zustande nervöser Erregung nach Hause kommen, der nichts Gutes verheißt. Gegen diese einfache Gesundheitsregel wird namentlich in den Badeanstalten häufig gesündigt, in welchen die männliche Jugend es liebt, sich ohne Kopfbedeckung manchmal stunden­lang vor und nach dem Bade im brennenden Sonnenlichte herumzutummeln. Unnöthig, ja gerade verweichlichend hin­gegen ist es, wenn gar zu vorsorgliche Eltern auch jedes andere Körperfleckchen der Kinder vor Licht und Sonne unter Handschuhen und Kleidern verstecken. Der übliche Matrosen anzug, welcher den oberen Theil der Brust, die Arme und die Waden freiläßt, ist vom hygienischen Standpunkte nur zu billigen.

Der größte Feind aber ist die Sommerdiarrhoe, oder wie man sie auch nannte, Kindercholera oder Brechdurchfall, ^welche jahraus jahrein nach kurzer Krankheitsdauer zahlreiche