Ausgabe 
24.5.1898
 
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M-us Kartoffeln sind eine Deltcateffe, doch muß man bei ihrem Genuß vorsichtig sein, denn sie sind schwer ver­daulich, erzeugen leicht Leibschmerzen und Diarrhöe. Es ist darum gut, sie mit etwas Pfeffer zu ^genießen, welcher die Verdauung befördert. Vor Allem hüte man sich vor dem Trinken kalten WafferS nach dem Genuß von neuen Kartoffeln, denn das ist ebenfalls schwer verdaulich, dagegen wirkt gut heißer Kaffee oder Thee. Am besten ist, diesen seifigen, unreifen Kartoffeln eine Schnellreife zu geben dadurch, daß man sie einige Tage in trocknen Sand legt, der den Sonnen­strahlen ausgesetzt sist, so daß sie ganz davon bedeckt sind. Abend- werden sie in einem trockenen Raum aufbewahrt, um sie dem Thau zu entziehen. Dadurch bekommt man dann reife, mehlreiche Kartoffeln, die nicht nur dienlicher, sondern auch zarter von Geschmack sind.

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Der Rhovarber sollte weit mehr genossen werden, als es bislang der Fall ist, zumal er zur rechten Rhabarberzeit billig ist. Wenig bekannt ist besonders seine Verwendung zu einer Marmelade, welche man an Stelle der theueren Butter auf Brod streicht und die sehr bekömmtlich und wohlschmeckend ist. Man zerschneidet dazu die gehäuteten Rhabarberstengel in gliedlange Stücke, wirft sie in kochendes Wasser, läßt sie darin aufwallen und gießt sie ab. In wenig kaltem Wasser mit Zucker und etwas Zimmt setzt man sie daraus wieder auf ein gelindes Feuer und schmort den Rhabarber unter fleißigem Rühren so weich, daß man ihn durchreiben kann. Nach dem Erkalten streicht man die Marmelade auf Weißbrod. An kühlem Orte hält sie sich etwa sechs Tage, für mehr darf man zur Zeit nicht kochen.

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Um Schinken roth und saftig zn erhalten, über­streiche man ihn, wenn er fertig geräuchert ist, recht dick mit Brodtcig", lasse solchen antrocknen und hänge ihn wiederan die Luft. Es geschieht dieses an einem Tage, da man backen will aber vorher, ehe man den Teig steif macht. Es können nun auch keine Jnsecten an ihn. Schneidet man später den Schinken entzwei, so springt die Teigmasse von selbst ab,

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Französische Suppe. Man wählt die für die Suppe erforderlichen Gemüse je nach der Jahreszeit verschieden, z. B. würden Carotten, Kohlrabi, Bohnen, Blumenkohl und junge Erbsen geeignet sein. Nachdem man die ersten drei Arten putzte und sie in feine, nudelartige Scheiben schnitt, bricht man die einzelnen Röschen des Blumenkohls aus, säubert sie und hülst die Erbsen aus. Zunächst dämpft man den Blumenkohl in Wasser halb weich, gießt dann zwei Liter starke Bouillon aus Liebigs Fleisch-Extract oder kräftige Fleischbrühe hinzu, salzt sie, giebt die anderen Gemüse, zuletzt die Schoren, hinein, zieht die Suppe, sobald die Gemüse sämmtlich weich geworden sind, mit 3 bis 4 Eigelb ab und richtet sie mit gerösteten Semmel-Croutons, die man nach Belieben auch mit Butter bestreichen, mit geriebenen Parmesan­käse bedecken und im Ofen bräunen kann, an.

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Erbsensuppe von jungen, grünen Erbsen. Die auSgeschälten und gewaschenen Erbsen werden in siedendem Wasser weich gekocht, mit der Kelle durch einen Durchschlag getrieben und mit Brühe oder kochendem Wasser nachgespült, bis nur die Hülsen zurückbleiben. Das Durchgetriebene wird in den Suppentopf gethan, worauf man Brühe zuschüttet und fein gewiegte Petersilie beifügt. Die Suppe ist eine gute Krankensuppe.

Kupfer- uud Messinggeschirre setzen leicht Grünspan ab und müssen deshalb sofort nach der Benutzung mit höchster Sorgfalt gereinigt werden. Man darf Speisen auch nicht einmal eine Viertelstunde darin stehen lassen.

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In einem 1402 erschienenen englischen Buche, einer Art von Ritterroman, findet sich folgendes Recept zu einer Putzpomade zum Blankmachen von Metallgegenständen und zur Verhinderung von Rostbildung:Man schneide einem Ziegenbock die Beine unterhalb des Knies ab, hänge sie einen Tag in den Rauch und bewahre sie dann 1520 Tage auf. Alsdann breche man sie in Stücke, nehme das Mark heraus und schmiere und putze damit die Waffen, Rüstungen re. Sie werden blank bleiben, selbst wenn sie feucht werden." Einer Mittheilung des Patentbureaus von H. u. W. Pataky zufolge leistet Vaseline ganz dieselben Dienste, wie das so umständlich gewonnene Ziegenmark.

Hrrinsvistisches.

Boshaft. Erster Schauspieler:Das Publikum von $. ist doch ein rechtes Gesindel, wie hatte ich den Moor einstudtrt und dargestellt was geschah mit faulen Aepfeln hat man mich geworfen!" Zweiter Schauspieler: Sie haben halt nicht den'nöthigen Chic im Bortrage, da hat meine Thätigkeit dort andere Früchte getragen!" Erster Schauspieler:Also doch auch Früchte!"

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An der höheren Töchterschule. Professor:Es giebt Dinge in der Natur, welche nur paarweise bestehen können. Vielleicht können Sie mir ein solches Paar nennen?" Fräulein:Ein Liebespaar."

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Berechtigter Zweifel. Mutter:Aber, Emma, Dein Malunterricht kostet ein riesiges Geld!" Tochter: Dafür mache ich aber auch große Fortschritte im Malen." Mutter:Und doch zweifle ich, daß Du richtig Kaffee malen kannst."

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Ihr einziger Gedanke. Dame:Wie kam es, daß das Manöver sobald abgebrochen wurde?" Offizier: Weil die Artillerie sich verschossen hatte!" Dame: In wen denn?!"

Literarisches

Der Anfichtskarten-Sport nimmt immer größere Dimensionen an. Fast Jedermann benützt heutzutage diese Karten in irgend einer Form zu seiner Correspondenz. Es ist nun aber keineswegs leicht, aus dem beschränkten Raume, den dieselben für die Schrift freilassen, immer das kurz und gefällig auszudrücken, was man dem Empfänger mittheilen möchte. Man wählt deshalb mit Vorliebe die Form von Versen dafür, in denen mit kurzen Worten verhältnißmäßig viel gesagt werden kann. DasDichten", und sei es auch nur das Abfassen bescheidener Reime, ist jedoch durchaus nicht Jedermanns Sache und fällt Manchem recht schwer, der doch gern auch einen poetischen Gruß an seine Lieben senden möchte. Dem kommt nun ein originelles Büchleinjzu Hilfe, das im Verlage von Schwabacher inStuttgart soeben erschienen ist uud für alle Fälle ein sofort verwendbares Schema bietet. Es ist betitelt: «Wie schreibe ich meine Postkartengrüße" und enthält in übersichtlicher An­ordnung, mit einer Gebrauchsanweisung versehen, hundert Original- Hilfsveise zur Abfassung gereimter Ansichts-Postkarten bei allen Ge­legenheiten für Jedermann, von M. Unterdeck, Redacteur. -Sie hübschen Reime sollen den Schreiber bei der schnellen Abfassung der Karten unterstützen, müssen also nicht unbedingt wörtlich abgeschrieben werden, sondern erhalten durch kleine Aenderungen und Zusätze (Jiame, Ort re.) den Werth eigener Gedichtchen des Absenders, die sicher m allen Fällen freudiger begrüßt werden, als einige dürre prosaische Worte. Das fein ausgestattete Büchlein kostet nur 40 Pfennig und bildet neben seiner praktischen Verwendbarkeit zugleich eine so amüsante X-ecture, daß gewiß kein Käufer die kleine Ausgabe dafür bereuen wird.

Redaction: E. Burkhardt. - Druck und Verlag der Brühllchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.