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„Die Gefahr ist vorüber, gnädige Frau!" Sie sank auf den Stuhl neben dem Bett der Kleinen und streckte ihm die Hand hin.
„Das ist Ihnen zu danken!"
„Vielleicht dem Umstande, daß man mich zu rechter Zeit rief," wehrte er ab. Dann gab er ihr kurze, sachliche Erklärungen — „das Fräulein weiß Alles," setzte er leise hinzu.
„Ich werde nun gehen, und auch Sie, gnädige Frau, können sich beruhigt niederlegen!"
Sie nickte. „Es war ein anstrengender Abend — aber ich danke, man ging befriedigt."
Es schien, als fröstelte sie unter der leichten Hülle.
„Auf Wiedersehen!" sagte sie dem Arzte. Er verbeugte sich vor Line, die nur ein automatenhaftes Nicken hatte. Einige Secunden wartete Ebba, als wollte sie die Schritte draußen erst verklingen lassen, dann wandte sie den Kopf nach Line Arabin hinüber:
„Warum rief man die Fischern nicht, wenn ich — entbehrlich war? Ich meine, Sie griffen doch wohl ein wenig über Ihre Befugniß hinaus?"
„Gnädige Frau!" Sie hatte bis jetzt an der Fensternische gelehnt, als sei sie ein theilnahmloser Zuschauer für die Vorgänge hier in dem Raume. „Ich glaubte — meine Pflicht zu thun!"
Ein lachender Ton, als habe die schöne Frau ganz vergessen, daß sie an dem Bette des kranken Kindes gesessen. „Pflicht? Sie Heuchlerin! Ihre Pflicht wäre es gewesen, mich hier auf meinen Platz zu holen — wissen Sie das nicht?"
Sie hatte plötzlich daran denken müssen, daß in der Zeit, in welcher sie sich nach Tanzmelodien gewiegt und fade Gespräche angehört hatte, Line Arabin Bruno Hallsberg gegenüber gesessen. — Sie fühlte zum ersten Male in ihrem Leben eine eifersüchtige Regung- das Blut schoß ihr wild zum Herzen, pochte hämmernd in den Schläfen. — Was hätte sich Alles denken, rede» und flüstern lassen in diesem matten Licht, das da von der rothen Ampel ausströmte. —
„Meinen Platz," wiederholte sie mit einem scharfen Laut und stand dicht vor Line und blickte sie höhnisch an.
Sie sah gut aus, trotz des schlichten schwarzen Kleides, und Bruno Hallsberg hatte das natürlich auch gefunden, finden müssen —
„Schändlich!" sagte sie, „unerhört! Die Krankheit meines Kindes vorzuschützen, um ein kokettes Spiel mit einem Manne zu treiben, der Gast des Hauses ist."
„Frau Lund!"
Ueber Ebbas Körper ging ein Zittern. Sie — eifersüchtig auf dies hergelaufene Wesen, das sie jeden Augenblick in das Nichts zurückschicken konnte, aus dem es aufgetaucht war? Eifersüchtig? Wie reizvoll hatte ihr ihr eigenes Bild vorhin aus dem Spiegel entgegengeblickt. Nein, eine Rivalität konnte es ja nicht geben! Aber sie hatte doch zu sehen geglaubt, daß der Doctor bei ihrem Eintritt Line Arabins Hand gehalten — und das war anders, als eine Verabschiedung gewesen. Und sie war doch eifersüchtig —ja! ja! und sie wollte ihre Rache. Ihm zeigen, daß sie die Tändelei gesehen? — Nein, dazu war sie zu sehr große Dame, die im Vorgehen nicht bemerkt, was der Spiegel zurückwirft: daß man ein Kammerkätzchen hinter ihrem Rücken streichelt —
Aber sie, die es gewagt, sich nur einen Augenblick aufdringlich in seine Gedanken zu schleichen, die sie betrogen um die stillen Stunden hier oben, für welche sie all den huldigenden Lärm dort unten hingegeben haben würde — wie ein kräftiges Haßgefühl überkam es sie. Und das hatte sie auch nicht gekannt — ganz durchglüht, erregt, kampfes- muthig war sie.
Und dann fiel ihr Plötzlich ein, daß dieses Mädchen ja neulich schon den Namen Brunos genannt.
Den Kopf zurückwerfend sagte sie: „Sie — sind dem Doctor Hallsberg hier nicht zum ersten Mal begegnet?"
(Fortsetzung folgt.)
Einfache Schlafmittel.
Der Schlaf, eine der merkwürdigsten Erscheinungen im Dasein lebender Geschöpfe, ist für den Organismus des Menschen fast so wichtig wie die Ernährung. Und wenn dabei vor Allem die Dauer des nöthigen Schlafes in Frage kommt, so stellt sich heraus, daß Säuglinge gegen 20 Stunden schlafen sollen, während ein Kind bis zum 7. Jahre 10 Stunden, bis zum 10. Jahre 9*/2 Stunden, bis zum 13. Jahre 8% Stunden nöthig hat, während für Erwachsene der Schlaf von 7 Stunden genügt.
Wird der Mensch schläfrig, dann fängt er zu gähnen an. Das Gähnen ist aber nichts anderes, als tiefe Ein- athmung, bei welchem in verstärktem Maße dem Körper der Sauerstoff aus der Luft zugeführt wird.
Um gut einschlafen zu können, wird anempfohlen, eine Zeit lang tief Athem zu schöpfen.
Ein seltsames Schlafmittel giebt ein englischer Arzt, Dr. Salisbury, an. Er räth an, beim Niederliegen die rechte Hand auf die Stirn und die linke Hand hinter den Nacken zu legen, und dabei bis etwa Fünfzig zu zählen. Er erklärt dasselbe folgendermaßen: Der Ballen der rechten Hand und der Vordertheil des Körpers sind beide „plus“ (oder positive) magnetische Pole, während der Ballen der linken Hand und die Rückseite des Körpers „minus“ (oder negative) Pole sind. Gleiche Pole stoßen sich ab, und indem auf genannte Art die Ballen der Hände über die verschiedenen Mittelpunkte des Nervensystems gelegt werden, wird ein förmlicher Lebensstrom rückwärts in den Körper hineingeleitet und dessen Einfluß auf alle Organe desselben ver- theilt. Das physische sowohl, wie das geistige System, sie beide werden passiv zufriedengestellt und ruhig, und alle Theile arbeiten dazu mit. Das Resultat wird die vollste Gemüthsruhe und Erholung sein. Alle körperlichen oder geistigen Störungen hören auf, und tiefer Schlaf tritt ein. Nur körperliche und geistige Ueberanstrengungen und ungenügende oder ungeeignete Nahrung widerstehen diesem Schlafmittel.
Wenn nervöses Wachen zur Nachtzeit eintrttt, in der man gern schlafen möchte, oder wenn wegen irgend einer körperlichen oder geistigen Störung die Ruhe nicht kommen will, so ist das beste Mittel dagegen, frische Luft ein- zuathmen. Es ist beobachtet worden, daß in besagten Zuständen die betreffenden Personen nur halb athmen und dadurch die Lebenslust in den Lungen erschöpft wird. Es wird daher in solchen Fällen das Einathmen frischer Luft als einfachstes und in den meisten Fällen als bestes Mittel gegen Schlaflosigkeit empfohlen.
Eine andauernde Schlaflosigkeit ist die begleitende Erscheinung eines allgemeinen krankhaften Zustandes und erfordert eine wachsame, sorgfältige Behandlung.
Meistens ist die Schlaflosigkeit auf ein hochgradig erregtes Nervensystem zurückzusühren. Es müssen daher alle erregenden Speisen und Getränke (Kaffee, Thee, Bier, Wein) gemieden werden. Ein lauwarmes Bad von 26® bis 28° R vor dem Schlafengehen, oder ein feuchter Leibumschlag während der Nacht, lenkt das Blut vom Gehirn weg, beruhigt die Nerven und ist daher ein gutes Schlafmittel.
Auch wird empfohlen, die Hälfte eines Handtuches in kaltes oder laues Wasser zu tauchen und es dann so in den Nacken zu legen, daß die Hälfte des Hinterkopfes mit bedeckt ist, während man die andere trockene Hälfte darauf legt.
Auch Chokolade, trocken, in kleinen Stücken auf der Zunge zergehen zu lassen, ist ein treffliches, unschädliches Schlafmittel. Man darf dazu aber keine parfümirte oder sonst verkünstelte Chokolade,jsondern einfache Chokolade nehmen.
(Der demnächst erscheinenden Broschüre: „Die Methusalems oder Wie sich das menschliche Leben verlängern läßt" entnommen.) — Verlag v. I. M. Richter, - Würzburg.


