Ausgabe 
24.4.1898
 
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Das Fräulein.

Roman von E. Vely.

(Fortsetzung.)

Aber Sie gnädiges Fräulein, Sie besaß er doch mochte sonst auch vielleicht"

//Ichsie athmete tief auf,ich war ihm doch nur eine Sorge, wenn er einmal zum Nachdenken über unsere Verhältnisse kam. Ost geschah es nicht und das ist ja nun auch gut gewesen." Sie bog sich ein wenig zurück in dem leise krachenden Rohrstuhl. Dann kam ein herber Laut, wie der Ansatz zu einem mißtönigen Lachen von ihren Lippen. Nein, wozu ein Versuch, der mich nur vor ernsten Menschen lächerlich machen könnte. Sie sehen als Arzt genug und Sie wissen längst, daß es um den Baron Arabin, der sich nach Berlin in ein Hinterhaus flüchtete, nicht zum Glänzendsten stehen konnte. Die Arabins haben nur Eins ernst ge­nommen: ihren Protestantismus, um deswillen sie aus der Dauphinee flüchten mußten sonst nichts. Aus ihrem sonnigen Leben in ihrem geliebten Frankreich, wo sie unter den galanten Königen, den Franz I., Heinrich II. und IV., eine große Rolle gespielt, importirten sie allen fröhlichen Lebensmuth und das Verlangen nach Lebensgenuß. Von Geschlecht zu Geschlecht vererbte sich das, umsomehr, als sich die Hugenottenabkömmlinge au» auf deutschem Boden mit Vorliebe wieder mit Emigrantenfamilien verbanden "ft mein Großvater und Vater wurden diesem Familien- gesetz untreu und von Großmutter und Mutter, welch letztere eine westfälische Gräfin war, ist wohl das Ernste in mein Wesen gekommen, die Schwerfälligkeit, wie mein Vater es nannte. Es ging abwärts mit dem Glücke der Arabins, sie waren gute Soldaten, aber sie waren noch größere Lebenskünstler mein Vater quittirte kurz nach dem Kriege den Dienst, um die ererbten Güter meiner Mutter

zu verwalten. Sie starb früh und er war kein Mann, der in dem nebligen Westfalen sich auf die Scholle bauen konnte er verließ sie bis sie uns aufgab, dann führten wir ein Wanderleben" sie brach ab, als sei ihr wider Willen zu viel entschlüpft und ihre Haltung wurde steifer.

Wie sehr mögen Sie gelitten haben!"

Ach!" sie wehrte mit hochmüthigem Tone die mitleidige Regung ab.

Wir müssen uns den Verhältnissen, aus welchen wir stammen, beugen, wir müssen ihre Conseguenzen tragen auch ich. Die Vorfahren meines Vaters haben erpreßt, vergeudet ich bin auf der Stufenleiter dahin gekommen, wo der Wegweiser mit dem WorteArbeit" steht und ich werde ihm folgen. Es war so wenig, was ich bisher s leisten konnte, heimlich denn Papa steckte selbstverständlich | voller Vorurtheile. Ein wenig Stickerei, eine kleine Ueber- setzung. Er kam nach Berlin mit Gedanken an hilfs- ! bereite ehemalige Freunde mit Ansprüchen, seines Namens wegen, mit tausend Hoffnungen, ich hatte nur eine: die auf ehrliche Arbeit! Und jetzt wird, muß sie sich mir ver­wirklichen."

Haben Sie schon irgend einen Plan, mein gnädiges Fräulein

//Ich kann vielerlei, natürlich, was man uns so lehrt, ; erst die Gouvernante, dann in der Pension. Sprachen, i Musik, ein wenig Zeichnen ernste Bücher habe ich mit i Eifer gelesen aber System ist nicht in dem Allen"

Da hing der alte Feldmarschall Moltke, und dort auf der Commode standen ein paar schreckliche Porzellanvasen, blau, grün, goldig, wie sie einmal in einer Bude auf der Hasenhaide erwürselt sein konnten

Lieber Gott, in diesem Raum hausen, war für 'ein geschmackverwöhntes, schönheitsbedürftiges Wesen schon eine Pein nun wollte sie sich noch in andere Abhängigkeit begeben mußte es

System," sprach er ihr mechanisch nach und versuchte zu lächeln,man wird Sie schwerlich das Lehrerinnenexamen haben machen lassen, das jetzt hier bei uns zumguten Ton" gehört und wodurch man bleichsüchtige Mädchen im fröh­lichsten Jugendalter über den Büchern zu mechanischem Aus­wendiglernen zwingt," und wie er das gesagt hatte, kam er sich unbeschreiblich lächerlich vor.

Fast tonlos war ihre sonst so wohllautende Stimme: Hätte man's gethan hätte man's! verlorene Zeit läßt sich nie wieder einbringen. Aber es giebt so Vielerlei, ich werde suchen und will finden will!"

enn sich verwandt zwei Stoffe finden s So lehrt es aller Bildung Lauf

Und wollen sich als Ganzes binden, Löst sich erst eins im andern auf. Dann erst entfliehet, was sie trennte, Es bleibt zurück nur, was verwandt; So, aus dem Kampf der Elemente, Glüht sich der echten Liebe Band. A. Schloenbach.