Ausgabe 
24.3.1898
 
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dafür, daß Sie mich mitgenommen haben. Halten Sie hier und lassen Sie mich absteigen- ich kann den noch vor mir liegenden Weg in der schönen, mondhellen Nacht sehr gut zu Fuß zurücklegen."

Der Wagen hielt, Doctor Holten schwang sich leicht herab, zog grüßend den Hut und ging vorwärts, während der Amtsrath das Gefährt in einen Seitenweg lenkte, auf dem er in der kürzesten Zeit nach Waldhof gelangte.

Da wäre also Doctor Holten mein Verbündeter," murmelte er.Was die Zeit Alles bringen kann! Aber das Zeugniß muß ich ihm geben, tactvoll hat er sich benommen. Metas Name kam nicht über seine Lippen, und er hätte es doch so leicht gehabt, einen Sturm zu wagen, ich konnte ihm ja nicht ausweichen. Er hat sie nicht aufgegeben, das merkt man ihm an. Ist doch wohl beständig und ein anderer Kerl als Adolf Göbener."

Er versank in tiefes Nachdenken, aus dem er erst, als er die Lichter von Waldhof durch die Bäume schimmern sah, mit dem Ausruf emporsuhr:

Arme Carola, arme Anna!"

(Fortsetzung folgt.)

Der Planet Mars, «ach Percival Lowell von Seltner Feldheim.

------- (Nachdruck verboten.)

KO. Vor drei Jahren gründete der ebenso reiche wie gelehrte Percival Lowell in Arizona eine Sternwarte, die er ausschließlich für die Beobachtung des Mars bestimmte. Die Ergebnisse seiner unermüdlichen Studien und peinlich genauen Berechnungen liegen nun unter dem einfachen Titel Mars vor. Es ist dieses Werk das Muster klarer, nüchterner Darstellung, und man bedauert fast, daß der ge- lehrte Verfasser nicht um eines Haares Breite über daS Maß dessen hinaus geht, was als wissenschaftlich feststehend und erwiesen gilt, daß er so zum Beispiel das Dasein be­wußten Lebens auch auf dem Planeten Mars nur als sehr wahrscheinlich, und nicht als gewiß bezeichnet.

Die Bewohnbarkeit anderer Himmelskörper zugegeben, hätte man unter den Gestirnen zu suchen, die unseren Blicken am meisten zugänglich sind. Für den Mond, in seiner gegen­wärtigen Verfassung, erscheint die Möglichkeit ausgeschlossen- die mächtigsten Teleskope haben nicht den mindesten Anhalt ergeben. Somit kommt zunächst der Mars in Betracht, und mit Recht hat derselbe mit langen Jahren die Auf­merksamkeit der gelehrten Beobachter auf sich gezogen.

Der Mors bietet nun ganz besondere Schwierigkeiten- er ist nicht nur, abweichend von den am Himmelfesten" Fixsternen, bisweilen schwer zu bemerken- er erhebt sich nur alle fünfzehn Jahre einmal in lebhaftem Glanze, dem Sirius und dem Jupiter ähnlich, über den Horizont und erscheint uns dann wegen seiner beträchtlichen Nähe überaus groß. Diese Zeit muß dann fleißig benutzt werden. Er wird übrigens nie durch eigene Wolken verschleiert, hat das be­kannte röthliche Licht und zeigt die eigenthümlichen Flecken sowie jene symmetrischen Linien, die ihn von einem Netz um­sponnen erscheinen lassen.

Vom 27. Mai 1894 bis zum 3. April 1895 hat P-, Lowell neuuhundertstebzehn Karten des Mars in ver­schiedenen Lagen entwerfen £önnen. Diese setzten den Ge­lehrten in den Stand, über die physische Beschaffenheit des Gestirns gewissermaßen abschließende Ansichten auszusprechen.

Das, wunderlich genug mit dem Namen des Kriegs­gottes belegte Gestirn mag durch seine rothe Farbe und seine Beweglichkeit schon im frühesten Alterthum jenen Hirten aufgefallen sein, die in den Ebenen Chaldäas die Nächte bei ihren friedlichen Herden verbrachten. Die Egypter aber haben zuerst seine Bewegungen erforscht und diese Kenntnisse den Griechen übermittelt. Tycho de Braye und nach ihm

Kepler wiesen nach, daß Mars sich in elliptischer Bahn um die Sonne dreht. Es ergab sich ferner, daß sein Licht je nach seiner Entfernung von der Sonne im Verhältniß von 16: 2'1: 24 wechselt, und daß er 687 unserer Tage braucht, um einen Sonnenumlauf zu beenden, sodaß die Erde, die zu ihrem Umlauf 3652«/100 Tage braucht, ihm alle zwei Jahr zwei Monate begegnet. Seine Entfernung von uns wechselt im Verhältniß von 35:61- auch die Schwankungen in seinem Licht von 1 : 4*/2.

Mars hat einen Trabanten, diese Entdeckung führte zur Berechnung der Masse des Mars: sie beträgt 10/84 von der Erde und em Dreimillionstel von der Sonne. Sein Durch­messer wird auf 346 Kilometer geschätzt. Seine Oberfläche beträgt etwas mehr als 1/i der Erde, sein Volumen Vr/ seine Dichte «/100, seine Anziehungskraft 38/100 d. h. also 100 K logramm bei uns wiegen auf dem Mars nur 38 Kilogramm. Vom Mars aus gesehen, erscheint die Erde, wie uns die Venus.

Die erste teleskopische Beobachtung des Mars rührt vom holländischen Physiker Huhghens (28. Nov. 1650) Her­ste ergab, daß der Planet eine Umdrehung um sich selbst in etwa 24 Stunden vollzieht. Cassini berechnete die Zeit 1866 auf 24 Stunden 40 Minuten, Lowell auf 24 Stunden 37 22.7".

Nachdem die Rotation bekannt war, wurde die Be­stimmung der Pole leicht. Um diese kann man mit einem kleinen Fernrohr schon zwei weiße, glänzende Flecke erkennen, die Polarkappen. Die Neigung der Axe beträgt etwa 25« (die der Erde nur 23« 24). Der MarS muß wie die Erde vier Jahreszeiten haben- auf der Nordhälfte dauert der Winter 147, der Frühling 191, der Sommer 181, der Herbst 149 unserer Tage- auf der Südhälfte betragen die vier Zahlen 181, 149, 147, 191. Die Abplattung des Mars beträgt Vigo seines Aequatordurchmessers (die der Erde Vsos)- Der Mars muß also wie die Erde in der chaotischen" Epoche flüssig gewesen sein- nur begann seine Abkühlung früher- sie ist daher auch weiter vorgeschritten.

Ist nun diese Abkühlung auf dem MarS derart, daß Licht und Wasser etwa verschwunden sind? Der Mond kann bekanntlich wohl eine Atmosphäre gehabt haben- gegenwärtig zeigt sich von einer solchen jedoch keine Spur mehr. Dagegen sind auf dem Mars beträchtliche Veränderungen vernehmbar. So bedeckte die Polarkappe am 1. Juni 1894 eine beträcht­liche Fläche. Un erhalb derselben erstreckle sich eine Region blaugrüner Färbung mit düster rothen Tupfen- weiter unt?« zeigte sich eine gleichförmig okerfarbene Region. In den verschiedenen Jahreszeiten treten deutliche Abänderungen auf. Die Eismassen am Pol schienen in Frühjahr 1895 sogar vollständig geschmolzen zu sein. Aehnliche Wandlungen hatte bereits Schiaparclli in den anderen Jahreszeiten beobachtet. Aus gewissen Fehlern in der Berechnung des Aequator- Durchmessers hat Lowell mit peinlicher Genauigkeit das Vor­handensein einer Dämmerung, mithin einer Atmosphäre nach- gewiesen. Der Nachweis ist wegen des fast fortwährenden Mangels an Wolken erst so Spät gelungen.

Diese Atmosphäre muß übrigens weniger dicht sein als die unsere- sie ist etwa halb so dicht als bei uns auf dem Gipfel des Himalaya. Das Wetter ist daher auf dem MarS fast unwandelbar schön. Regen und Schnee sind unbekannt­es giebt nur Thau. Die Winde sind fast unmerkbar. Das Wasser kocht schon viele Grade unter 100° 0: bei 53« C; die Atmosphäre ist daher bedeutend reicher an Wasserdämpfen. Somit sind auch Wolken vorhanden. Das Dasein von Bergen ergiebt sich aus den Unregelwäßigkeiten in der Aus­dehnung der Marsscheibe- das Vorhandensein von Wasser­massen aus der stärkeren Polarisation des Lichtes, an breiten farbigen Streifen. Die beiden für organisches Leben unent­behrlichen Elemente, Luft und W aff er, sind somit auf dem Mars vorhanden. D e röthliche Oberfläche bisher irrigerweise alsMeer" gedeutet zeigt jene bekannten netzartigen Linien, tue Schiaparelli zuerst 1877 beobachtete und als Canäle bezeichnete. In 3240 Beobachtungen hat