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>,£>etne eigene Schuld, daß Du Dich bis ins späte Älter quälen mußt. Wäre Adolf Landwirth geworden, so könnte ich ihm jetzt das Gut übergeben und mit Dir ins Altentheil gehen."
Frau Göbener hätte ihrem Manne gern geantwortet, daß er sich, wie sie ihn kannte, zu einer solchen Abdankung niemals entschlossen haben würde, es lag ihr jedoch sehr daran, ihn bei der guten Laune zu erhalten, die er trotz Allem heute an den Tag legte, und so bemerkte sie ablenkend:
„Lange wird e- nun doch wohl nicht mehr währen, bis Adolf eine Frau ernähren kann."
„So, meinst Du?" spottete der Amtmann. „Wieso weißt Du denn das?"
„Er verdient doch jetzt schon ganz hübsches Geld."
„Na, höre mal! Das reicht ja kaum für seine Stiefel und für seine Handschuhe aus."
„Er muß in seiner Stellung doch gut gekleidet gehen.
„Versteht sich, ist ja ein vornehmer Herr, ein ganz anderer Kerl als sein Vater, der Bauer", brummte Göbener und sein Auge glitt sehr bezeichnend an der langschößigen Jacke von grobem dunkelgrauen Tuch, die er über einer Weste au- ähnlichem Stoffe trug, den kurzen dunklen Beinkleidern und den plumpen, rindsledernen Stiefeln hinab. „Muß sich nach der neuesten Mode kleiden, Bälle und Gesellschaften mitmachen und allerlei Allotria für mein schweres Geld treiben."
„Das thut er wirklich nicht."
„Nicht? Wa» war das nun wieder für ein Unsinn, daß er der Anna vor vierzehn Tagen den Papa mitgebracht hat! Was soll uns der unnütze Fresser?"
(Fortsetzung folgt.)
Für Dittas Brautkleid!
Rvvelle von E. Reinhold.
(Schluß.)
„Schade, ich Hätte ihn gern kennen gelernt. Unser Hauswirth hat mir eine so anziehende Schilderung von ihm entworfen in dem Briefe, den er mir zu schreiben für nöthig fand. Der boshafte Patron ließ dabei einen ganz niederträchtigen Verdacht gegen Dich durchblicken, na, beruhige Dich nur, das glaube ich nicht — aber, daß Du Dich so einem Gerede überhaupt aussetzen konntest, daß Du etwas gethan, wovon Du von vornherein annehmen mußtest, daß es mir widerwärtig sein würde, und das des schnöden Geldgewinnes halber, das, Marianne, hat mir weh gethan."
Es klang nicht Zorn aus seinen Worten, sondern wirkliche» Wehgefühl, und das erschütterte Marianne bis in die Tiefen ihrer Seele. Schluchzend stürzte sie ihrem Manne an den Hals.
„Verzeih mir, Moritz, ach, ich wußte ja nicht, waS ich that, erst später merkte ichs, und da wußte ich auch, daß Du sehr böse sein würdest, aber da wars nicht mehr zu ändern. Auch glaube mir, ich habe meine Strafe bekommen."
Und sie berichtete ihre Leiden von der ersten Begegnung bis zur letzten Unverschämtheit des Barons und schloß:
„Moritz, ich thats, weiß Gott, nicht aus Habsucht, ich hab mir nur die Sache nicht recht überlegt. Ich will auch von dem ganzen Gelde nichts haben, nichts von dem Sündengeld- kommt zu dem Brautkleidfond. Nimm Du's, giebs den Armen, oder mach sonst damit, was Du willst."
Und Marianne holte die beiden Geldscheine, die von dem Baron stammten, und reichte sie ihrem Manne.
„So seid Ihr Frauen", brummte der, halb versöhnt Lurch seine» Weibes Reue und Besserungsgelübde, „das eine
Mal rafft Ihr Alles zusammen, was Ihr nur kriegen könnt, das ander Mal werft Ihr es mit vollen Händen hinaus."
Dabei nahm er die beiden Scheine und hielt sie seiner kaufmännischen Gewohnheit folgend, prüfend gegen das Licht. Da stutzte er plötzlich, sah genauer auf die beiden Papiere und sah dann seine Frau mit eigenthümlichem Lächeln an:
„Vierhundertundvierzig Mark hast Du in gutem Golde auf diese Scheine herausgegeben?" fragte er.
„Gewiß", antwortete Marianne mit ahnungsvoller Aengstlichkeit.
„Die beiden Scheine sind falsch, und zwar ist die Fälschung so plump, daß nur eine sehr — unerfahrene Person sie nicht merken konnte."
Die beiden Gatten sahen einander an, er sie mit dem alten lustig-neckenden Ausdruck, sie ihn mit einem Gemisch von Verlegenheit und Scham.
„Moritz —"
„Ja", nickte dieser saft triumphireud, „Du bist gründlich hineingefallen, aber mir ahnt noch eine weitere Ueberraschung. Komm nur mit."
Sie gingen zusammen nach dem Arbeitszimmer zu dem Geldschrank.
„Soll mich doch wundern, wenn unser Herr Onkel in den vier Monaten nicht auch hier seine Kunst probirt hätte", sagte Moritz und begann an dem Schrank zu schließen. Nach einigem Probiren konnte er ihn öffnen. Er sperrte die Thür weit auf und sagte kein SEßott; aber er ließ Marianne einen Blick Hineinthun.
Mit einem entsetzten Aufschrei fuhr diese zurück und sank in einen Stuhl: der Schrank war leer. Dann fing sie an, bitterlich zu weinen. Da beugte ihr Mann sich über sie.
„Marianne, weinst Du um die gestohlenen paar Tausend Mark? Wir haben uns noch gar nicht recht guten Abend gesagt, sollen wir uns durch den Lumpen die Freude des Wiedersehens verderben lassen? Oder kannst Du den gestohlenen Mammon nicht verschmerzen? Sei gut, über kurz oder lang hast Du Alles bei Deinem Talent, „Geld zu machen", wieder eingebracht, und für Dittas Brautkeid wird ein neuer Fond angelegt."
Da sah Marianne unter Thränen lächelnd zu ihm auf:
„Davon bin ich gründlich kurirt", sagte sie, den Kopf schüttelnd.
„Aber wer wird denn nun für Dittas Brautkleid sorgen?"
„Wir Beide zusammen, Moritz, aber erst, wenn Ditta Braut ist. Bis dahin hats noch Zeit." —
Rumpsteaks ä la bourgignonne. Ein recht zartes Rumpsteak schneidet man in gleiche Theile und läßt diese Stücke über lebhaftem Feuer sich bräunen, worauf man Mehl darüber streut und sie mit einem hölzernen Löffel einige Augenblicke in der Casserole hin und herrührt. Dann gießt man ein Glas Rothwein und ebenso viel Auflösung von Liebigs Fleisch-Extract bei, fügt Salz, Pfeffer, die üblichen Küchenkräuter, Champignons und in Butter gebräunte Zwiebeln hinzu und läßt Alles über stillem Feuer eine Stunde dünsten. Hierauf richtet man die Stücke auf einer warmen Schüssel an, gießt die durch ein Sieb geschüttete Sauce darüber und garnirt das Fleisch ringsum mit den Zwiebeln und Champignons.
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Langsam wachsende * Topfgewächse können im warmen Zimmer oder im Gewächshause schon jetzt zur Aussaat gebracht werden.
«Sebaction: 8L Scheyda. — Druck uud »erlaß der Brühl'schen Uuiverfitäts-Buch- und Steindruckern (Pietsch & Scheyda) in «tefcn.


