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widmen, davon hatte der alte Göbener aber durchaus nichts hören wollen. . r.

Dazu habe er sich doch nicht geplagt und geschunden, dasi sein Geld von einem Tagedieb mit langen Haaren und kurzem Sammetrocke vergeudet werden solle, hatte er seiner Frau geantwortet, wenn diese ihm in den Ohren gelegen, dem einzigen Sohn doch zu gestatten, daß er Maler werde. Adolf möge diese Flausen sich nur aus dem Kopfe schlagen, hinter den Pflug gehen und werden was sem Vater und Großvater gewesen sei.

»rau Göbner hatte sich trotzdem nrcht abweisen lassen.

Ium ersten Male während ihrer Ehe hatte die sanfte, schüchterne Frau den Muth gefunden, ihrem Manne den Widerpart zu halten. Galt es doch das Wohl ihres über alles einzig geliebten Sohnes.

Sie hatte endlich den Sieg davon getragen, wenn auch nicht im vollen Umfange. Man war übereingekommen, daß Adolf das Baufach studiren solle. Wenn es nun einmal nicht anders sein konnte, so war Häuser bäum immer noch besser als Leinwand beklecksen. Letzteres erschien Göbener völlig brodlos, mit jenem ließ sich doch immerhin etwas verdienen.

Damit hatte es allerdings vor der Hand noch gute Wege. Zunächst kostete das Studium viel Geld, und sehr ost machte Göbener seiner Frau bittere Vorwürfe, daß sie ihn zu einer solchen Thorheit verleitet habe. Der Bursche liege ihm ja noch auf der Tasche in einem Alter, in dem er selbst längst ein gemachter Mann gewesen sei.

Auch jetzt, wo Adolf als Bauführer diatarisch m Greifswald beschäftigt ward, war er noch zum Theil mit seinem Unterhalt von der Unterstützung des Vaters abhängig. Um sich die Last möglichst schnell zu erleichtern, hatte dieser eine reiche Heirath sür ihn geplant, sich auch bereits, und wie ihn chedünken wollte, nicht ohne Erfolg, unter den Töchtern des Landes sür ihn umgesehen.

Abermals war ihm von seinem Sohn unter dem Bei­stand der Mutter ein Strich durch die Rechnung gemacht

01 Etwa seit Jahresfrist lebte auf Rapshagen Anna Holten, die verwaiste Tochter eines Vetters von Frau Göbener, mit welchem sie bei dessen Lebzeiten in einem nur sehr ober­flächlichen Verkehr gestanden hatte.

Der verstorbene Holten war ebenfalls Landwirth ge­wesen, hatte aber nichts vor sich gebracht und zuletzt ein kleines Gut in Hinterpommern in Pacht gehabt. , Es war ein kaum uenneiiswerthes Vermögen, was er bei seinem Tode seinen Kindern hinterlassen hatte.

Der Sohn, welcher sich dem Studium der Meinem zu- gewendet und beim Tode des Vaters eben sein Examen gemacht hatte, hatte selbst mit dem Leben hart zu rrngen gehabt und war nicht im Stande gewesen, etwas für die jüngere Schwester zu thun. Er hatte deshalb an die Frau Amtmann Göbener geschrieben und bei ihr angesragt, ob sie Anna bei sich aufnehmen wollte, bis es ihm gelungen sein würde, ein passendes Unterkommen für sie zu finden.

Wäre ein solches Ansinnen dem Amtmann Göbener zu einer anderen Zeit gestellt worden, so würde es gewiß mit Entschiedenheit zurückgewiesen worden sem. ^n dem Augen­blick, in welchem es an ihn gelangte, hatte er Gelegenheit, es als einen sehr günstigen Zufall anzusehen und sich dazu zu beglückwünschen. ,

Frau Göbener, welche viele Jahre dre Last der großen Wirthschaft allein auf ihren Schultern getragen hatte, war im Frühjahr von einem schweren Influenza-Anfall heimge­sucht worden. Sie hatte lange darnieder gelegen, sich sehr langsam erholt und auch als sie wieder als genesen betrachtet werden konnte, war die frühere Rüstigkeit nicht zurückgekehrt. Wohl oder übel mußte daraus Bedacht genommen werden, ihr eine Hilfe an die Seite zu setzen. ,

Was konnte also geeigneter sein, als Anna Holten ins Haus zu nehmen?

Amtmann Göbener hatte sich sehr vergnügt dre Hande

gerieben. Da war eine prächtige Gelegenheit, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Er konnte den Großmüthigen spielen, konnte beweisen, daß er nicht der hartherzige Mensch sei als welcher er immer verschrieen ward, und gleichzeitig konnte er sür seine Wirthschaft eine Hilfe gewinnen, der er kein baares Geld zu zahlen brauchte und die er in jeder

und

für

bei

Hinsicht karg abspeisen durste. ,

Er selbst hatte den an seine Frau gerichteten Brief mit der ihm, wenn er wollte, zu Gebote stehenden Freundlich­keit beantwortet und sich zur Aufnahme der verwaisten Ver­wandten bereit erklärt. Noch in Trauerkleidern war Anna Holten in Rapshagen eingetroffen, und der Amtmann hatte sich schon nach ganz kurzer Zeit für seinen sehr klugen Streich den Beifall gezollt, mit welchem er für sich selbst überhaupt nicht kargte. Das junge Mädchen hatte die von ihr ge­hegten Erwartungen nicht allein nicht getäuscht, sondern

übertroffen. ,

Obwohl sie beim Tode ihrer Mutter kaum dem Kindes­alter entwachsen gewesen war, hatte sie doch, da die Mittel gefehlt eine Wirthschafterin anzustellen, die Leitung des Haushaltes übernehmen müssen, und sie bis zuletzt in Händen gehabt. Sie war daher wohl bewandert in allen Zweigen ber Landwirthschaft, dabei arbeitssam, bescheiden und von liebenswürdigem Wesen, so daß sie Frau Göbener im wahren Sinne des Wortes eine Stütze geworden war.

Die liebedürftige, in ihrem großen Hause vereinsamte Frau hatte sich dem jungen Mädchen innig angeschloffen und empfand es wohlthuend, von ihr umsorgt und gepflegt zu werden. Auch die Töchter, welche die Mutter nur selten und für kurze Zeit besuchen konnten, bezeigten Anna ihr Wohlwollen und ihre Dankbarkeit und ließen wenigstens für den Augenblick jene Eifersucht schweigen, welche Kinder des Hauses nur zu leicht erfaßt, wenn sie den Platz neben den Eltern, den sie selbst doch nicht mehr einnehmen können, von Anderen ausgesüllt sehen.

Sogar Göbener spürte etwas wie Zuneigung für sie, die allerdings in das Gegentheil umschlug, als er Inne ward, baß sein Sohn das zwar nicht schöne, aber anziehende und liebliche Mädchen mit mehr als günstigen Augen ansehe.

Anfänglich hatten weder der Amtmann noch dessen Frau der Sache irgend welche Bedeutung beigelegt. Sie kannten Beide das sehr leicht entzündliche Herz ihres Sohnes, der nicht einem jungen Mädchen begegnete, ohne Feuer zu fangen, sie vermochten seine Liebe für Anna um so weniger ernsthaft zu halten, als deren einfache Erziehung eigent­lich nicht dem Bildungsgrade entsprach, auf welchen Adolf einer künftigen Lebensgefährtin Anspruch zu machen hatte.

Anna schien die gleiche Empfindung zu haben und hatte sich seinen Annäherungen lange mit großer Entschiedenheit entzogen. Außer ihrer eigenen Unzulänglichkeit kannte sie auch die Hoffnungen und Pläne des Amtmanns für die Zukunft seines Sohnes ganz genau und hatte von der Geldgier des Alten schon manche Probe erhalten. Wie hatte sie also daran zu denken gewagt, daß er je seine Zustimmung zu einer Verbindung mit ihr, dem einfachen, unbemittelten Mädchen geben würde.

Sie konnte nur ein Zankapfel in der Familie werden

und fürchtete sich davor.

Dennoch war es dahin gekommen.

Anna war viel zu offen und unschuldig, um Adolf die Liebe, die für ihn in ihrem Herzen aufgekcimt war, aus die Dauer verbergen zu können. Verwundert, daß ein solcher Mann ihr seine Neigung zuwenden könne, demüthig als ein großes, unverdientes Glück hatte sie sie angenommen und ihm Treue und Hingebung gelobt.

Die Eltern hatten bald die Wahrnehmung machen müssen, daß es sich hier um mehr als eine flüchtige Liebelei ihres Sohnes handele und die Wirkung war auf Beide sehr verschieden gewesen. Die Frau Amtmann nahm den innigsten, wärmsten Antheil daran, ihr Mann tobte unb wetterte gegen die neueste Thorheit des unreifen Burschen.