379
pachte an Frau Lore- sie sah deren schönes kaltes Gesicht im Geiste vor sich- sie meinte ein höhnisches Lächeln, die seinen Lippen sich kräuseln zu sehen und eine wilde Eifersucht tkam über sie. Sie verglich sich mit der schönen blonden Frau- sie sah das Antlitz der Anderen durch die Brille der Eifersucht doppelt verschönert und gewahrte ihr eigenes verzerrt bis znr Häßlichkeit daneben.
Ihre Hand faßte nach dem Herzen- sie hemmte die Schritte.
„Wir sind etwas schnell gegangen," erklärte sie dem besorgten Gebhardt, und der Versuch eines schwachen Lächelns Huschte um ihre bleichen Lippen.
„Was ist Ihnen, Ina? Sie sind krank!" es war das erste Mal, daß er sie wieder schlichtweg bei ihrem Namen mannte. —
Sie preßte die Lippen aufeinander. Warum that er das? Konnte er sich nicht denken, daß diese unerlaubte Vertraulichkeit etwas Gefährliches in sich barg und für sie, das Weib, etwas Kränkendes hatte? Im nächsten Augenblick schalt sie sich kleinlich. Ihn durfte sie eben nicht mit dem üblichen Maße messen. Wollte nicht auch sie eine Ausnahme- Äeurtheilung? Gerade von seiner Seite?
(Fortsetzung folgt.)
Natürliche Badewannen.
Geologische Plauderei von Alexander Bauer.
------- (Nachdruck verboten.)
Das Baden ist nicht nur als hygienisches und therapeutisches Mittel von hohem Werthe, sondern es zählt auch zu den edelsten Vergnügungen, über welche wir verfügen. Matur- und Culturmenschen huldigen dem Badesport mit gleicher Leidenschaft — Ausnahmen zugegeben — und am meisten natürlich da, wo die klimatischen Zustände die Erfrischung zur Nothwendigkeit machen oder die örtlichen Verhältnisse bequeme Gelegenheit bieten. Unsere deutschen Bade- rinrichtungen stehen durchaus nicht auf der Höhe der Zeit und der hygienischen Erkenntniß. In Großstädten ist wohl die Gelegenheit in erträglicher Menge und auch für kostenlose und billige Volksbäder ausreichend Sorge getragen, in der Provinz dagegen mangelt es meist an entsprechenden Einrichtungen. Das Badebedürfniß der Frauen wird an vielen Orten anscheinend gar nicht anerkannt, und auch die Flußbäder für das männliche Geschlecht weisen in sehr vielen Fällen noch die primitivsten Einrichtungen auf. Noch trauriger sieht es mit den warmen Bädern aus, die ein noch weit wichtigeres Bedürfniß für die Menschen darstellen als die kalten, denn den Genuß der Flußbäder gestattet uns die Temperatur nur in den heißen Sommermonaten, während wir wenigstens acht Monate des Jahres auf die Warmwaschung angewiesen sind. In wie viel Häusern der Klein- oder Mittelstadt findet sich aber eine Badeeinrichtung? Und wo dies der Fall ist, kommt sie — auch in der Großstadt fast ausschließlich den besser situirten Kreisen zu Äitte, „ba die weniger kostspieligen Wohnungen von der Wohlthat dieser Einrichtung aus leicht begreiflichen Gründen ausgeschlossen werden. Die Benutzung der öffentlichen Badeanstalten erübrigt sich aber für die große Mehrheit der Menschen der nicht unerheblichen Kosten wegen, erscheint als eine dringende Verpflichtung für unsere hygienischen Instanzen, dieser Frage ihre Aufmerksamkeit in weit höherem Maße zuzuwenden, als dies bisher geschehen ist. Die alten Römer obgleich ihre Eultur 1800 Jahre zurückliegt — waren uns in dieser Hinsicht weit über. Ihre „Thermen" zeichneten sich durch reiche Ausstattung selbst vor den griechischen aus. Auch im Orient wird hoher Werth auf die Anlage ausreichender Badestuben gelegt. Soweit müßten ioir am Ende des Jahrhunderts der wissenschaftlichen Ent
deckungen wenigstens vorgeschritten sein, daß jede Stadt ihr öffentliches, aus städtischen und staatlichen Mitteln errichtetes, Jedem für wenige Pfennige zugängliches Warmbad mit Schwimmbassin und Einzelzellen besäße- durch die Massen- bcnutzung wird selbst bei den zu berechnenden geringfügigen Preisen der größte Theil der Unterhaltungskosten sicher herausspringen. Eine Badegelegenheit für Jedermann aber könnte und müßte sogar in jedem größeren Dorfe zu finden sein."
Wie gut haben es gegen uns doch die Bewohner von Ländern, in welchen die Natur selbst für ausreichende Badegelegenheit Sorge getragen hat. Das ist zum Beispiel in Japan der Fall, wo die Erde an vielen Stellen das heiße oder warme Wasser nicht nur kostenfrei zur Verfügung stellt, wndern es auch hier und da aus freien Stücken in natürliche Becken ergießt, die als Badebassins für die Badelustigen zum Gebrauche fix und fertig stehen. Die Japaner folgen auch fleißig der Einladung der gütigen Natur.
Solche Becken giebt es in allen Ländern, wo vulkanische Kräfte in Thätigkeit find und heiße oder warme Quellen dem Boden entsprudeln, ja sie kommen sogar in Ländern vor, wo letzteres nicht der Fall ist. So bilden die sogenannten Hommocks in Florida zum Theil natürliche Badebassins von reizvollster Schönheit, nur daß sie nicht mit warmem, sondern mit kühlem Wasser gefüllt sind. „Ein kreisrundes Becken" — so schildert ein älterer Schriftsteller die Hommocks — „öffnet sich in der Erde, viele Fuß tief mit einem Durchmesser von fünfzig und mehr Schritten. Auf dem Boden dieses Beckens sieht man mehrere Vertiefungen, von der Größe und dem Ansehen gegrabener Brunnen, regelmäßig cylinderförmig, ausgenommen da, wo die Wände eingefallen sind oder die felsige Scheidewand zwischen ihnen nachgegeben hat, in welchem Falle sie einer ungeheueren Honigwabe mrt zerbrochenen Zellen gleichen. Die Brunnen werden zuweilen trocken gefunden, häufiger aber befindet sich Wasser auf dem Boden, welches oft den großen Behälter auch selbst anfüllt. Solche natürliche Becken sind, obschon sie in der Mitte von Ebenen Vorkommen, stets theilweise von Anhöhen und einzelnen Massen von muschelhaltigen Felsen umgeben. Alle diese sind von einem immergrünen Dickicht von einheiiyischen Bäumen wie zum Beispiel grünem Lorbeer, Lebenseiche, Maulbeerbaum und Palmetten bedeckt."
Die Hommocks sowohl wie die japanesischen Bäder sind aber Kinderspiel gegen die natürlichen Badewannen Neuseelands, die zu den wunderbarsten Erzeugnissen der geheimniß- vollen Thätigkeit des Erdinnern zählen, oder richtiger zählten, denn vor zwölf Jahren hat eine gewaltige vulkanische Katastrophe diese den großartigsten Sehenswürdigkeiten der Natur zuzurechnenden Phänomene völlig vernichtet. Neuseeland, „das australische Großbrittannien" und eine der werthvollsten englischen Colonien, ist nicht nur interessant durch seine urweltliche Fauna, seine eigenartige Entwickelungsgeschichte und die Contraste seiner gigantischen Alpenwelt, sondern vor Allem auch durch seine mannigfaltigen vulkanischen Erscheinungen. Eine mächtige Gebirgskette mit Bergen, deren höchster fast 3800 Meter hoch ist, durchzieht die Nord- und Südinsel, erstere ist zum großen Theil eine Hochebene, zum Theil ein von Flüssen zerschnittenes, an mehr als hundert Stellen von den vulkanischen Kräften des Erdinnern durchbrochenes Plateauland. Etwa die Mitte der Nordinsel nimmt ein ungeheurer See ein, der circa 700 Quadratkilometer umfassende Taupo, und in seiner Nähe erheben sich zwei mächtige Vulkane, der noch jetzt Dämpfe und Asche auswerfende Tongariro und der 2900 Meter hohe Ruapahu, dessen Gipfel mit Schnee bedeckt ist und dessen zerstörende Kraft gegenwärtig erloschen scheint. Im Nordosten dieser Vulkane und des Taupo dehnte sich bis vor etwa 12 Jahren der weltberühmte See- und Geiserdistrict von Neuseeland aus, die dritte große Geiserregion der Erde (die anderen


