Ausgabe 
23.6.1898
 
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beiden befinden sich bekanntlich auf Island und im Aellow- stonepark in Nordamerika).

Allenthalben brechen auf diesem Gebiet die heißen Quellen kochend und zischend hervor- das größte Wunder der Gegend bildere der See Rotomahana mit seiner Um­gebung. Der österreichische Geolog Ferdinand von Hochstetler, welcher den See und seine Eigenthümlichkeiten untersucht und eingehend geschildert hat, berichtet, daß der See beim ersten Anblick keinen besonderen Eindruck hervorbrachte. Er war klein, schmutziggrün, mit sumpfigen Ufern, von baumlosen, nur mit Farngestrüpp bewachsenen Hügeln umgeben. Nur die überall aufsteigenden Dampfwolken verriethen dem Rei­senden, daß er hier mehr als einen gewöhnlichen See vor fich habe. Aus dem Grunde des Sees entsprangen nämlich zahlreiche heiße Quellen, welche das Wasser bis zur Tempe­ratur eines warmen Bades erwärmten, wer fich aber darin badete oder wer den See durchschwamm, mußte sich hüten, den Quellen selbst, die sich durch Zischen und Kochen des Wassers, sowie durch die in ihrer Nähe stetig zunehmende Hitze verriethen, nicht zu nahe zu kommen, sonst wäre er elendiglich verbrüht worden. Die Besucher ließen sich auf der Insel Puai, einer Felsklippe im See, nieder, wo für zeitweilige Besucher kleine Hütten errichtet waren. Der Aufenthalt in einer solchen Hütte gehörte jedoch keineswegs zu den Annehmlichkeiten. Ringsumher Sausen, Brausen, Zischen und Kochen, dabei der Fußboden von unheimlicher Wärme. Nachts mußten sie mehrfach ausstehen, da sie die von unten aussteigende Hitze nicht mehr ertragen konnten. Bohrte man ein Loch in den Boden, so schoß siedend heißer Dampf hervor, den man zum Kochen und Braten der Speisen benutzte.

Die bedeutendsten Quellen lagen am östlichen Ufer des Sees, an ihrer Spitze Tetarada, ein gewaltig kochender Sprudel mit weit in den See hineinragenden Sinterterrassen. Etwa 80 Fuß über dem See, an einem farnbewachsenen Hügelabhange, in einem kraterförmigen, nach Westen offenen Kessel mit steilen, 40 Fuß hohen Wänden, lag das 80 Fuß lange und 60 Fuß breite Haoptbassin des Strudels. Bis an den Rand war dieses Bassin mit klarem, türkisblau er­scheinenden Wasser gefüllt, ungeheure Dampfwolken wirbelten auf, bisweilen ward die ganze Waffermasse mit furchtbarer Gewalt emporgetrieben und in die Luft geschleudert. Der Sprudel stellte sich also als ein in langen Perioden spielen­der Geiser dar, der bekanntlich durch die Spannkraft des Dampfes in Thätigkeit versetzt wird. Unwillkürlich gedachte man bei dem grausig-schönen Anblick der Worte Schillers: Und es wallet, und brauset und siedet, und zischt, Wie wenn Wasser mit Feuer sich mengt, Und zum Himmel spritzet der dampfende Gischt"

Und es war in diesem Falle nicht bloß dampfend, sondern auch siedend heiß, da das Wasser des Sprudels am Rande 83° C, in der Mitte aber Siedehitze befaß.

An dieser Stelle nun befanden sich die natürlichen Bade­wannen, mit welchen ich den Leser bekannt machen will. Das Wasser des Sprudels besaß, wie Hochstetler mittheilt (wie das des Karlsbader Sprudels), in hohem Maße die Eigenschaft, zu versteinern, zu übcrsintern. Der Absatz war Kieselsinter. So hatte der Abfluß des Sprudels ein System von Terrassen gebildet, die, weiß wie aus Marmor gehauen, einen geradezu unbeschreiblich schönen Anblick gewährten. Die Terrassen begannen mit niederen Absätzen, welche seichte Wasserbecken trugen. Je weiter man nach oben gelangte, desto höher wurden sie, zwei bis drei, mehrere auch vier bis sechs Fuß hoch.Sie sind", fährt unser Gewährsmann in seiner Schilderung fort, von einer Anzahl halbrunder Stufen oder Becken gebildet, von welchen sich jedoch nicht zwei in ganz gleicher Höhe finden. Jede dieser Stufen hat einen kleinen, erhabenen Rand, von welchem zarte Tropfstein­bildungen auf die tiefere Stufe herabhängen, und eine bald

breitere, bald schmälere Plattform, die ein oder mehrere im- schönsten Blau schillernde Wasserbecken umschließt. Sie bilden ebenso viele natürliche Badebassins, die der rasfinirteste- Luxus nicht besser und bequemer hätte herstellen können. Man kann sich die Bassins seicht oder tief, groß oder klein auswählen, wie man will, und von jeder beliebigen Tempe­ratur, da diejenigen auf den höheren, dem Hauptbassin nähcr- gelegenen Stufen wärmeres Wasser enthalten, als die auf den tieferen Stufen. Einige der Becken sind so groß und tief, daß man bequem darin herumschwimmen kann." Die höchste Terrasse bildete eine breite Plattform mit mehreren sechs Fuß tiefen Badebassins, deren Wasser eine Temperatur von 30 bis 56° C. hatte und in deren Mitte sich eine etwa zwölf Fuß hohe, mit Gebüsch, Moos und Farren über­wucherte Felseninsel erhob, von der aus man in den blauen, dampfenden Kessel hineinblicken konnte.

Leider sollte dieselbe Kraft, welche diese Herrlichkeit er­zeugt, sie auch wieder vernichten. Am 10. Juni 1886 brach eine furchtbare vulkanische Katastrophe herein, welche den Wundersee Rotomahana in einen siedenden Schlammsumps verwandelte und einen großen Schlammgeiser an die Stelle der berühmten Terrasse versetzte. Sämmtliche Terrassen ver­schwanden vom Erdboden, an ihrer Stelle erheben sich sieben Krater, und zahlreiche Fumarolen zeigen sich dem Betrachter. Wehmüthig erfaßt uns bei dieser Veränderung der Gedanke an alles Irdischen Wandelbarkeit,sic transit gloria mundi !

Unsere Touristen, die jetzt schon Spitzbergen zum Ziel nehmen, hätten gewiß auch bald Neuseeland in ihre Kreise gezogen, oder eine weitsichtige Actiengesellschast hätte ein großartiges Saisonbad an Ort und Stelle errichtet welch' ein Ziel für die menschliche Speculation!

Hrrnisvistisches.

Gut geantwortet. Der Herzog Karl von Württern- berg, der im vorigen Jahrhundert lebte, war ein sehr ge­strenger Herr und hat einmal im heißen Sommer in dem Städtchen Nagold zu Mittag gespeist. Da kommt eine An­zahl Fliegen und speist mit, ungeladen, und summen mit­einander und laufen keck hin und her. Da wird der Herzog bös und sagt zu der Wirthin:In Kuckucks Namen! Deck Sie den Mücken besonders." Die Wirthin, eine kluge Frau, thut, wie ihr befohlen. Nach einer Weile tritt sie wieder vor den Fürsten, macht einen Knix und sagt:Gedeckt ist, befehlen Euer Durchlaucht jetzt, daß sich die Fliegen setzen!"

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Merks. Laß die köstliche Narde deiner Liebe nicht: verschlossen sein, bis deine Freunde gestorben sind. Bringe sie hervor in ihren müden und traurigen Stunden und öffne sie, damit sie erquickt und aufgemuntert werden mögen durch den Wohlgeruch der Theilnahme und Liebe. Was du sagen würdest, wenn sie fort sind, das sage, ehe sie gehen. * * *

Komisch e Anzeigen. Hier sind billig zu haben: Handschuhe für Herren von Ziegenleder. Gesucht eine Köchin, die mit guten Zeugnissen kochen kann. Gesucht werden noch einige seste Kunden in der Woche zum Stopfen und Ausbessern.

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Hamlet auf dem Casernenhofe. Feldwebel: Sie sind heute wieder 'mal so faul, als ob Sie direct aus dem Staate Dänemark kämen!"

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Unnöthige Befürchtung. Lehrer:Sag' Pepi, i weißt Du denn auch, warum es eigentlich Ferien giebt?" Peperl:Weil wir sonst zu g'scheit würden!"

Redaction: E. Burkhardt. Druck und Verlag der Brühl'schen UmversitätZ-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.