Ausgabe 
23.6.1898
 
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II

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UN in dieser Sommerszeit Ist mein Herz ein kta- er See, D'rin versank das letzte Leid, D'raus verflüchtigt sich das Weh.

Spiegelnd meine Seele ruht,

Von der Sonne überhaucht. Und mit Sieb umschließt die Fluih, Was sich in dieselbe taucht.

Gottfried Keller.

n a.

Novelle von S. Halm.

< f . ®tet I* bben Character! sagte er sich und begab sich, befriedigt über die gemachte überraschende Entdeckung, auf sein Zimmer, um die eingelaufene Abendpost durchzusehen. Aber londerbar, , weder die Zeitung noch ein paar Briefe ver­mochten seine Aufmerksamkeit heute auf lange zu fesseln- se,ne Gedanken schweiften immer ab von dem was er las: sie wanderten immer zu dem verliebten jungen Volk, das letzt gewiß das ewige alte Lied, das thörichte Lied von der uebe, nicht in Worten, vielleicht aber in Blicken und Seufzern und auch dazu im Mondenscheine sang.

Der alte Herr lächelte still und wehmüthig in sich hinein.

- s der eigenen Jugend und ihrer süßen Thorheiten gedenken. Mit einem Seufzer strich er sich über den kahlen

I ScheitelNur nicht sentimental, alter Schwede!" und er sme nUn ""Eich in die neuesten telegraphischen

,Da -hat sich nach einem flüchtigen Pochen und dem Herein des Hausherrn die Thür auf- Franz trat über die schwelle.

Schon?" verschmitzt lächelnd blinzelte der alte Herr . dem Schwiegersohn zu, doch die lustige Neckerei erstarrte ihm »fj'" MW- Er sah erschreckt in ein blasses verstörtes Gesicht. Eine wahnsinige Angst wollte ihm die Kehle- schnuren 5

grang - - . . . Ina?" konnte er nur fragend stammeln. Doch der winkte beschwichtigend mit der Hand:Ihre Tochter befindet sich vollkommen wohl. Sie können außer S>orge sein, Herr Commerzienrath!'

... ®er ,n dem diese Worte gesprochen wurden, die j"Eliche Anrede machte den alten Herrn stutzig. Einen Augenblick lang ging ihm ein der ^Wahrheit nahekommender LL rS verwarf er ihn mit einem

schnellenUnsinn! Eben noch die bräutliche Zärtlichkeit

' Unsinn! Sie werden sich gezankt haben, calculire ich. Ein verständnißvolles Lächeln auf den Lippen, zwang er den jungen Mann durch einen energischen Druck auf beide Schultern, Platz zu nehmen.

Und nun mein lieber Franz, schießen Sie los! Was hot e* denn gegeben? Hat die Kleine wieder einmal den Satan int Leib? Nehmen Sie nur kein Blatt vor den Mund Ich kenne öte Krabbe ja! Also schießen Sie los, schießen Sie los!"

Sine Stunde später verließ Franz von Steffens, um eine bittere Erfahrung in seinem Leben reicher, das Haus | des Commerzienrathes. Der Hausherr gab ihm selbst bis zur Thür das Geleite. 0

(Fortsetzung.)

Der Commerzienrath war nicht wenig erstaunt, ja sogar ein wenig verschnupft, als seine Jüngste endlich zurückkehrend, äußerte, sie möchte wohl mit bem Verlobten einen Gang durch den Park machen. Franz, dem die Freude über diesen Wunsch der Braut aus den Augen leuchtete, war Inas Wort ein Befehl. Den alten Herrn aber verdroß doch diese Anwandlung von bräutlichem Egoismus einigermaßen, doch war er zu gutherzig, um seinem Liebling darob ernstlich zu zürnen- er drängte dieVerliebten" vielmehr zu ihrer Monchcheinpromenade- im Stillen nur verwundert den Kopf über das Mädel, die Ina schüttelnd.

Selbst ihm waren doch in letzter Zeit so manche Be­denken bezüglich des Verhältnisses zwischen den Brautleuten gekommen, er hatte sich wirklich so seinPußchen" als glück­liche Braut gedacht- Und er hatte den Kopf geschüttelt und sich vorgenommen, mit dem Kind einmal ein ernstes Wort zu reden. Und fetzt plötzlich heute diese Anwandlung, nachdem sie den Bräutigam während des ganzen Nachmittags sozusagen kaltgestellt.

Da verstehe ein Anderer als ich, die Frauenzimmer!" murrte der dicke, kleine Herr, aber er schmunzelte höchst zu­frieden m sich hinein.

Sein Pußchen war eben anders wie die Anderen, te hatte ihren Stolz! Dem Papa gegenüber konnte sie sich >chon einmal gehen lassen- aber daß sie sich in Fremder bte KMe, Reservirte zeigte, das gefiel dem i Bater im Grunde doch gerade an ihr. -