Ausgabe 
23.1.1898
 
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Licht nimmt zu, leis, leis, von Tag zu Tag, Uln einen Hahuschrei, einen Pendelschlag,

*** Wer strebt und sehnt, dem läßt es keine Ruh; Noch heißer hofft er, denn das Licht'nimmt zu.

Frieda Schanz.

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Muttersohn.

Roman von Arthur Zapp.

(Fortsetzung.)

Acht Tage später feierten Carl Köster und Helene Zimmermann ihre Verlobung. Bei Helenens Verwandten fand cm Abend eine kleine Feierlichkeit statt. Der Onkel der Braut, ein pensionirter kleiner Beamter, hielt eine feier­liche Ansprache an die Verlobten. Frau Köster war sehr gerührt und selbst Vater Köster wischte sich verstohlen die Augen.

Otto gähnte hinter der vorgehaltenen Hand ein über das andere Mal. In seinem ganzen Leben hatte er sich nicht sogeödet".

Kurz nach der Verlobung trat Carl aus der Dalchow'schen Fabrik aus und machte sich selbstständig. Es war eine be­scheidene kleine Werkstatt, die er eröffnete, aber seine ge­schäftlichen Erfolge zwangen ihn schon sehr bald, sich wesent­lich zu vergrößern und ein halbes Dutzend Gehilfen einzu­stellen. Er hatte sich auf eine bestimmte Specialität seiner Branche geworfen. Es war eine besondere Art von Hänge­lampen, die er anfertigte. Sowohl durch ihr gefälliges Aussehen wie durch ihr helles Licht zeichneten sich die Köster- Lampen aus, und ihr Ruf verbreitete sich ra>ch in den Kreisen der Fachleute und Händler.

X.

Mehr als ein Jahr war vergangen. Carl und Helenens Glück hatte seinen Gipfelpunkt erreicht. Erne Knabe war ihrer Ehe bescheert worden und die gemeinsame Liebe zu ihrem Kinde vertiefte und veredelte noch das Gefühl, das sie für einander im Herzen trugen.

Das alte Köster'sche Ehepaar war ein häusiger Gast m der jungen glücklichen Familie. Der alte Köster war sehr stolz auf seine neue Würde als Großvater, und auch Frau Köster wiegte den kleinen Weltbürger mit großmütter- lichem Vt»lz in ihren Armen, wenn es auch sozusagen nur

ihr Stief - Enkelkind war. Stille Gedanken und Wünsche regten sich dabei jedesmal in ihrer Brust: wenn Ottochen erst einmal soweit sein würde! Es war eine gewisse be­klommene Freudigkeit, die ihren Herzschlag bei solchen Zu- kunftshoffnungen beschleunigte. Was für eine vornehme Schwiegertochter ihr Ottochen einmal zuführen würde? Ottochen erschien nur sehr selten in der bescheidenen Wohnung des jungen Paares. Wenn er seinen Bruder einmal auf­suchte, so geschah es zumeist in den Vormittagsstunden in seinem Geschäft. Er pflegte dann jedesmal ein Klagelied über die Knausrigkeit des Alten anzustimmen, wobei ihn wohl die Gegenwart seinerWchwägerin geniert haben würde. Carl zeigte sich in der Regel nicht unempfindlich. Der arme Otto! sagte er sich. Er wußte ja, daß ihn der Vater seit der Wechselgeschichte sehr knapp hielt. Da war es doch seine, des Weiteren Pflicht, dem Nothleidenden hie und da mit einem Zehnmarkstück unter die Arme zu greifen.

Zum Glück besaß Otto ein schlechtes Gedächtniß. Daß er sich einst hoch und theuer verschworen hatte, nie wieder einen Pfennig von dem Bruder anzunehmen, schien er voll­ständig vergessen zu haben. Mit einem dankenden Kopfnicken und einem kurzenMerci ließ er jedesmal Carls Liebes­gabe geschickt in die Tasche gleiten.

Wenn ihn Carl dann aufforderte, doch einmal des Abends zu kommen, lehnte er in der Regel bedauernd ab. Das Assessorexamen rückte näher und näher. Scheußlich, was da Alles von einem verlangt würde! Nun säße er jeden Abend mit Markwald und Wattenfeld zusammen und sie ochsten, daß die Schwarte knackte . . . einen Abend in Markwalds Zimmer, den anderen Abend bei Wattenfeld.

Otto übertrieb nicht. Sie arbeiteten wirklich so jeden Abend miteinander, die Herren Referendare. Vor dem Assessorexamen hatten sie allesammt eine heilige Scheu. Dagegen war das Referendarexamen nur ein Kinderspiel gewesen.

Mit dem sich wieder lebhafter gestaltenden Verkehr regten sich auch wieder die alten Triebe und Neigungen in Otto. Der moralische Katzenjammer, dessen Opfer er einst ge­wesen, war längst, auch in seinen leisesten Nachwirkungen überwunden. Dummheit, daß er die Sache damals so schwer genommen! Als ob es nicht etwas Alltägliches wäre, daß die Söhne Schulden machten und die Väter sie bezahlten. Auch Markwald und Wattenfeld meinten, das sei schon seit Olims Zeiten so, und die Herren Väter hätten es zu ihrer Zeit auch nicht besser gemacht.

Ueberhaupt hatte er es satt, sich von den Coltegen