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ie Arbeit, die Dir zugewiesen, Erledige zur rechten Zeit, Dann kannst Du auch die Lust genießen In dem Moment, wo man sie Leut.
Muttersohn.
Roman von Arthur Zapp.
(Schluß.)
XXIII.
Der Kammergertchtsrath Göring betrachtet den ihm Gegenüberstehenden mit Augen, die eine ungeschminkte Be- wunderung wiederstrahlen.
„Sie sind ein edler Mann, Herr Köster," sagt er, als Carl nun zu sprechen aufhört. „Wir Alle haben Ihnen viel, viel abzubitten. Sie haben wie ein Held gelitten. Um so schwerer ist die Verschuldung meines Schwiegersohnes."
„Mein Gott, Herr Kammergerichtsrath," entschuldigt Carl den Bruder. „Er hat ja gebüßt, er hat ja gelitten genug. Sehen Sie ihn doch einmal an! Er befand sich ja doch in einer Zwangslage, er konnte ja doch kaum anders. Sie werden es ihm nun nicht weiter nachtragen?"
Die milden Züge des Herrn Göring nahmen einen strengen Ausdruck an, während er entgegnet: „Zunächst soll der Schuldige sein Vergehen sühnen, wie Gesetz und Sittlichkeit es ihm vorschreiben, dann will ich sehen, ob ich ihm das, was er uns Allen zugefügt hat, verzeihen kann."
Carl fährt erschrocken zurück.
„Um Gotteswillen, Herr Kammergerichtsrath," stammelt er, ^„Sie wollen doch nicht sagen, daß Sie — daß Sie Ihren eigenen Schwiegersohn zur Anzeige bringen werden? Bedenken Sie doch nur den Scandal, die Folgen für Ihre Tochter!"
Herr Göring blickt ernst, fast düster vor sich hin.
„Die Rücksicht auf mich," erklärt er, ohne sich eine Secunde zu bedenken, „die Rücksicht auf meine Familie kann mich nicht abhalten, das zu thun, was ich als meine Pflicht erkenne. Und meine Pflicht als Jurist gebietet mir, den Verbrecher, der noch nicht gesühnt hat, der strafenden Gerechtigkeit auszuliefern. Soll ich mich durch mein Schweigen zum Mitschuldigen machen? Soll ich an dem
i himmelschreienden Unrecht, das Ihnen angethan ist, theil- ; nehmen?"
Carl Köster erhebt abwehrend" seine Hand.
„Aber Herr Kammergerichtsrath," ruft er voll Eifer, „das ist doch nun längst vorüber, das ist doch abgethan. Heute ist doch die alte Geschichte vergessen, Niemand denkt noch mehr daran."
Aber Herr Göring verneint entschieden.
„Der gestrige Vorfall," entgegnet er, „belehrt Sie eines Anderen. Ich kann nicht zugeben, daß Sie Ihr Leben lang als der Thäter eines Verbrechens gelten, das Sie nicht begangen haben, und dessen wirklichen Thäter ich kenne. Sie haben genug erduldet, Niemand hat das Recht, Ihnen die Genugthuung, die Ihnen gebührt, vorzuenthalten."
* * *
Otto sitzt brütend vor seinem Schreibtisch. Fiebernde Erwartung glüht ihm in den Adern. Was werden ihm die nächsten Stunden bringen? Wie wird sich Constanze verhalten, wie der Kammergerichtsrath? Werden sie ihm verzeihen, werden sie schweigen? Er vergegenwärtigt sich seines Schwiegervaters ehrwürdige, ehrfurchtgebietende Gestalt, seinen milden, aber unantastbar rechtlichen, sittenstrengen Character, und Schauer der Angst und Scham, des Entsetzens durchrieseln seine Brust.
Muthlosigkeit und Verzweiflung packen ihn. Wie jsoll er ihm gegenübertreten mit dem vernichtenden Bewußtsein, so schändlich an ihm und seiner Tochter gefrevelt, mit der Gastfreundschaft, mit dem Vertrauen, mit dem Jene ihn beehrt, so schändlich Mißbrauch getrieben zu haben?
Er reißt in raschem Entschluß das oberste Schubfach seines Schreibtisches auf, schon streckt sich seine Hand nach dem Revolver aus, der hier aufbewahrt liegt, da fällt sein Blick auf ein kleines, hölzernes Pferdchen, das neben seinem Schreibtisch auf dem Boden liegt. Der Arm sinkt matt auf die Schreibtischplatte zurück und seine herben, entschlossenen Züge nehmen im Nu einen schlaffen, weichen Ausdruck an.
„Mein Eberhard," murmeln seine blassen, zuckenden Lippen, „mein liebes, süßes Kind!"
Soll er sich tödten, soll er sein Kind, sein heißgeliebtes Kind niemals Wiedersehen? Soll er ihm, dem hilflosen kleinen Wesen den Schutz, die Liebe, die Fürsorge des Vaters rauben? Nein, nein! Zu fest ist sein Herz an Weib und Kind gekettet. v 8
Und wieder beginnt er seine Lage zu überdenken. Es ist ja unmöglich, daß ihn Constanzes Vater der Schande,


