Ausgabe 
22.1.1898
 
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sein Bruder gelegentlich aufforderte, mit ihm irgendwo in z der Nachbarschaft ein Glas Bier zu trinken. Gewöhnlich j unterhielten sie sich dann mit einer Partie Billard. Wenn ; sie aber miteinander plauderten, so lenkte Carl merkwürdig oft das Gespräch auf Helene Zimmermann.

Sie ist ganz nett/' äußerte Otto einmal bei einer solchen Gelegenheit,ich meine äußerlich, im Uebrigen aber ist sie doch nur eine dumme Pute."

Dumme Pute?" fuhr Carl auf, mühsam seine inner­liche Entrüstung mäßigend.

Na ja! damals . . ."

Damals?"

Als wir im Circus Renz waren ... Du weißt doch. Also nachher fuhren wir zu Kempinski. Springt das Mädel nicht plötzlich auf, und heidi, als ob ihr der Teufel auf den Hacken wär', auf und davon. Da war kein Halten mehr. Du kannst Dir denken, wie mich Markwald und Wattenseld nachher ausgelacht haben."

Carl schmunzelte vergnügt in sich hinein.

Solch eine Dummheit lasse ich mir schon gefallen," sagte er,sie ist eben ein braves Mädchen, das sich in der Gesellschaft von Confectionsdamen und jungen Lebemännern, wie dieser Markwald einer zu sein scheint, nicht wohl fühlt."

Der Referendar sah seinen Bruder aufmerksam von der Seite an.

Sage mal, Du bist ja höllisch eingenomweu für die kleine Zimmermann."

Bin ich auch," gestand er und hielt den Blick des Bruders voll aus.

Der aber lachte.

Schlaukopf I Also weggekapert hast Du sie mir."

Wegge . . kapert!" wiederholte der Andere, während sich seine Augenbrauen zusammenzogen.

Aber der Referendar achtete nicht auf diese Anzeichen des Unmuths, den sein leichtsinniges Reden bei dem Bruder hervorzurufen begann.

Darum also neckte er darum bist Du jetzt auf einmal so ins Bummeln gerathen, darum diese plötzliche rührende Begeisterung für das Theater! O Du Schein heiliger! Mir predigst Du Moral, aber daß Du selbst Helene zwei Mal in der Woche ausführst, scheinst Du ganz in der Ordnung zu finden."

Carl Köster wurde dunkelroth und schlug etwas verlegen die Augen vor den ironischen Blicken seines Bruders nieder.

Mit mir ist das auch etwas Anderes," entgegnete er.

Etwas Anderes?"

Freilich." Carl athmcte tief auf. Nun mußte es endlich einmal heraus.Bei Dir war's nur 'ne Laune, fuhr er fort Du wolltest Dich 'n bischen amüsiren und weiter dachtest Du nicht. Ich aber meine es ernst."

Ernst!" wiederholte der Andere mechanisch und riß seine Augen weit auf.Das heißt?"

Das heißt ... ich liebe Helene und werde sie heirathen."

Der Andere saß eine Weile wie versteinert.

Du willst sie heirathen," sagte er endlich mit einer ungläubigen Miene.Aber sie hat doch nicht 'n Pfennig Geld !"

Das kann mich doch nicht hindern, sie zu lieben."

Zu lieben . . . nein! Aber zum Heirathen gehört doch Geld. Solch eine Ehe ist doch eine kostspielige Sache, und die Frau muß einem doch 'n bischen Mamon zubringen, das ist doch ihre verdammte Pflichr und Schuldigkeit."

Carl Köster schüttelte mit dem Kopf und entgegnete ernst, während sich eine dunkle Gluth über sein Gesicht ergoß: Ich habe darüber andere Ansichten. Ich meine, eine Frau muß dem Manne vor allen Dingen ein Herz voll Liebe und ein sanftes, verträgliches Gemüth zubringen. Ueberhaupt, daß die Herzen zusammenstimmen, ist doch die Hauptsache und alles Andere kommt erst in zweiter Linie. Ich hoffe, die beste Wahl getroffen zu haben, die ich überhaupt treffen konnte."

Na, dann gratulire ich Dir," sagte Otto und reichte seinem Bruder die Hand über den Tisch. Im Stillen aber schüttelte er den Kopf über seines Bruders Wahl. Furchtbar altmodische, spießbürgerliche, triviale Ansichten hat doch dieser Carl! Eine Heirath muß einen doch wenigstens in irgend einer Hinsicht fördern. An diesem Standpunkt stand doch heute jeder vernünftige Mensch.....

(Fortsetzung folgt.)

Einfluß der Nahrung aus Entstehung und Heilung von Gicht und Rheumatismus.

Bon Dr. Otto Gotthilf.

-------- (Nachdruck verboten.)

Die Geschichte der Gicht läßt sich bis in die Hippo­kratische Zeit, also bis in das fünfte Jahrhundert vorchrist­licher Zeitrechnung zurückverfolgen. Im alten römischen Reiche erlangte sie namentlich zu Anfang der Kaiserzeit eine sehr bedeutende Verbreitung und zwar, nach dem überein­stimmenden Urtheile aller damaligen Aerzte, Dichter und Philosophen, durch den gesteigerten Luxus und die Ueppig- keit in der Lebensweise. Seneka läßt keine Gelegenheit vorübergehen, in seinen Schriften auf das schwelgerische und ausschweifende Leben Roms und die nachtheiligen Einflüsse desselben auf die Gesundheitszustände der Römer hinzu­weisen, und bei Galenus heißt es wörtlich:Zu des Hippo- krates Zeit litten bei mäßiger Lebensweise überhaupt nur Wenige an Gicht, zu unserer Zeit aber, in welcher die Schwelgerei die denkbar höchste Höhe erreicht hat, ist die Zahl der an Gicht Leidenden zu einem nicht mehr meßbaren Umfange angewachsen Wir sehen also, daß man schon zu den ältesten Zeiten als Hauptursache der Gicht (Podagra, Zipperlein) eine üppige Lebensweise beschuldigte.

Man trifft in der That das Leiden vorwiegend bei wohlhabenden Leuten, die an üppigen Mahlzeiten und reich­lichem Weingenusse Gefallen finden und in der Kost dem Fleische und eiweißreicher Nahrung eine zu große Rolle an­weisen, dagegen den nährsalzreichen Nahrungsmitteln, den Gemüsen, verhältnißmäßig wenig zusprechen. Daß nicht alle Personen, welche üppig leben, von der Gicht befallen werden, beruht darauf, daß manche durch ihren Beruf starke Be­wegungen machen, den Stoffwechsel also erhöhen, auch alljährlich einige Wochen eine Badereise unternehme«, ferner durch Hautpflege und Aufnahme sauerstoffreicher Lust, durch reichlichen Genuß von Gemüse, Obst, Salat die Schäden beseitigen. Dr. Lebert berichtete 1860 aus der Schweiz, daß die G:cht unter dem Patriziate immer mehr abnimmt, seitdem Industrie und Eisenbahnen viele dieser Kräfte, die unbenutzt waren, in Anspruch nehmen." Die Gicht ist eben von jeher ein trauriges Vorrecht theils der Schlemmer, theils der geistig arbeitenden Staatsmänner, Gelehrten, Bankiers u. s. w., welche zu wenig körperliche Bewegung haben und dabei viele umständlich zubereitete und gewürzte Fleischspeisen genießen nebst schweren alkoholischen Getränken, von denen besonders Burgunderweine und Porter hier in dieser Beziehung altbegründeten Ruf haben. In den Tropen, wo die Krankheit sehr selten ist, leiden an der­selben fast nie die Eingeboreneu, die sich durch nüchterne Lebensweise auszeichnen, sondern nur die anzewanderten Bevölkerungskreise, welche üppigeren Tafelfreuden huldigen. So wird sie in Indien unter Europäern und Muhamedanern, niemals unter der mäßig lebenden Hindubevölkerung ange­troffen, und in Aegypten wieder unter den einem luxuriösen Leben ergebenen Europäern und Türken. Das eigentliche classische Land der Gicht aber ist England. Der bekannte englische Arzt Dr. Savory bezeichnet sie als Nationalkrank­heit der Briten. Kaum ein Zehntel der großbritannischen Bevölkerung bleibt von dieser Krankheit verschont, die mehr Siechthum und Todesfälle in ihrem Gefolge hat als irgend ein anderes Leiden, von dem die Engländer in den letzten