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Um metallähnliche Ueberzüge auf Gypsavgüfsen herzustellen, mache man sich einen Brei aus Ammoniak (Salmtakspiritus) und gutem Graphit zurecht, bepinsele die Finger rc. damit und bürste sie — wenn trocken — glänzend. Auch kann man mit einer Lösung von Schellack in Alkohol, mit etwas Graphit gemischt, den Gegenstand bestreichen und mit Graphit nachbürsten. Dann wird mit demselben Lack ohne Zusatz von Graphit lackirt, und die erhabenen Stellen werden mir einem Watteballen, der in Gold-, Silber-, Kupfer- 2C. Bronze getaucht wurde, leicht überwischt. Die überschüssige Bronze wird nach dem Trocknen abgewischt.
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Für Oelgernälde, hartes weitzes Holz rc. geeigneter Firnitz wird hergestellt, wenn man 2‘/8 Unzen Schellack in 1 Pint rectificirten Weingeist auflöst. Hierzu muß man dann 5 Unzen gut gebrannte thierische Kohle, nachdem sie vorher erhitzt worden ist, geben und das Ganze einige Minuten kochen lassen. Wenn man dann einen kleinen Theil der Mischung durch Fließpapier filtrirt und findet, daß sie noch nicht ganz farblos ist, muß man mehr Kohle hinzugeben, bis man das gewünschte Resultat erreicht hat. Ist dies erlangt, so muß die Mischung erst durch ein Stück Seide geseiht und dann durch Fließpapier filtrirt werden.
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Befestigung von Holz mit Metall. Um die Holzhefte der Suppenkellen, Gabeln oder Messer mit dem Metall zu verbinden, bereitet man sich einen Kitt durch Einrühren von Kreide oder feinem Sand oder Ziegelmehl in Tischlerleim. Dieser Kitt wird in die Höhlungen der Holzhefte gefüllt und die Angel der Klinge hineingestellt. Folgende Kitte sind ebenfalls zu dem Zwecke gut geeignet. 1 Theil Ziegelmehl und 2 Theile Kolophonium, beides fein gepulvert, werden gemischt, die Holzheste damit gefüllt und die stark erhitzten Angeln der Messer oder Gabeln hineingestellt, worauf ein Verschmelzen der Masse stattfindet. Eine andere Mischung in derselben Weise angewendet, besteht aus 4 Theilen Kolophonium, 1 Theil Eisenfeile und etwas feinem Sand oder Ziegelmehl. Diese Bestandtheile werden beim Schmelzen des Kolophoniums durch Einrühren mit diesem vereinigt und nach dem Elkalten fein gepulvert.
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Ei« neues Schlafmittel. Auf Veranlassung des National-Jnstituts für Medicin in den Vereinigten Staaten ist eine umfangreiche Untersuchung der Pflanzen vorgenommen worden, die für die Heilkunde von Werth sein könnten. Die schon an sich verdienstliche Forschung wird zweifellos auch ihre praktischen Erfolge haben. Unter Anderem hat man in der Pflanze Casimiroa echilis ein Gewächs gefunden, dessen Samen einen ausgezeigneten Saft abgeben. Dieser Saft soll ein vorzügliches schmerzstillendes, fiebervertreibendes Schlafmittel sein. Es sind bereits Versuche an einigen hundert Personen mit diesem neuen Mittel gemacht worden, wodurch eine günstige Wirkung und das Fehlen etwaiger schädlicher Nebeneinflüsse nachgewiesen worden ist. Es scheint weniger direkt einzuschläfern, als vielmehr den natürlichen Schlaf zu begünstigen, von dem der Kranke nach 4 bis 6 Stunden erfrischt erwacht. Besonders gute Dienste soll das Mittel gegen Schlaflosigkeit in Folge von Nervenüberreizung oder Alkoholismus leisten. Die mexikanische Pflanze gehört übrigens zu der Familie unserer gewöhnlichen Raute, deren Blätter ein in früheren Zeiten ebenfalls als Arznei, namentlich gegen Zahnschmerzen, benutztes Oel gibt.
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Das Radfahren ist für nervöse Menschen von großem Vortheil, wenn es in reiner Luft und in ruhiger Umgebung betrieben wird. Dort wird sich auch die Nervösen sonst eigene, rasche Ermüdung nicht so leicht einstellen. Der Nervöse soll aber bei den ersten Anzeichen von Ermüdung,
als da sind: Eingenommenwerdcn des Kopfes, bis zum Kopfschmerz sich steigernd, Wadenschmerzen, Rückenschmerzen- rc., die Fahrt unterbrechen. Gewöhnlich ist schon nach kurzer Ruhepause die Ermüdung Nehoben, und es kann die Fahrt unbedenklich fortgesetzt werden.
Vermischter.
Höchst wichtig für Sammler von Anfichtspost- karten. Sammler und Sammlerinnen wird es intcresstren zu vernehmen, daß die bekannte Stempelfabrik von Oscar Sperling, Leipzig-Reudnitz, Brommestraße 1, jedem Sammler auf seinen Wunsch, ausgesprochen auf einer Ansichtspostkarte, eine künstlerische Ansichtspostkarte von Leipzig senden wird, auf welcher sie gleichzeitig eine, jedem Sammler und jeder Sammlerin aufs Höchste interessirende Neuheit ankündigt, deren Zweck ist, „Ansichtskarten-Sammlungen auf schnellste und leichteste Weise zu vergrößern".
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Das Taschentuch der Pariserin. Vor dem elegan- ausgestatteten Wäsche-Schaufenster eines der ersten Modenmagazine in der „Bille Lumiere" blieben kürzlich einige Provinzler stehen und deuteten verwundert auf die in kunstvollen Etagen aufgebauten Taschentücher, die in allen möglichen Ausführungen als einziger Artikel zur Ansicht auslagen. „Das sollten wirklich Taschentücher fein?" fragte man sich erstaunt - „diese Läppchen sollten genügen, wenn man Schnupfen hat oder weinen muß?" Kopfschüttelnd und verächtlich die Achseln zuckend gingen die braven Leute von dannen. Sie wissen allerdings nichts davon, die Guten, daß diese zierlichen, spitzenbesetzten und reich gestickten Läppchen augenblicklich wieder eine hochwichtige Rolle bei der Toilette einer modernen Pariserin spielen. Fast alle eleganteren Ausstattungen enthalten Dutzende dieser winzigen Viereckchen, die jetzt beinahe zu Kunstgegenständen geworden sind, was die Kostbarkeit des Materials und Feinheit der Arbeit betrifft. Die Engländerin bevorzugt augenblicklich das farbig-seidene Tüchlein, das sie graziös zwischen den Knopflöchern des „Tailor mad" befestigt- die Italienerin und Spanierin trägt mit Vorliebe das ganz aus Sp'tze bestehende Viereckchen, die Französin aber hat sich ausschließlich dem hauchzarten Battist- tüchlein zugewendet, das allerdings mit echten Points oder künstlerisch ausgeführter Stickerei verziert sein darf. Die Mode, derartig kleine Taschentücher, die freilich nur zum Schein da sind, zu tragen, rührt von der Kaiserin Josefine her, die ihrer häßlichen Zähne wegen beständig ein kleines Tuch in der Hand hielt, um cs beim Sprechen und Lachen mit koketter Grazie an den Mund zu führen. Während des zweiten Kaiserreichs konnte man sehr häufig im Bois vornehme Damen promeniren sehen, die ein zierlich a point gefallenes Tüchlein mit zwei Fingern in der Höhe der Taille hielten. Heute drückt man das Miniatur-Mouchoir nervös in der Hand zusammen ,,ä la Rejane" oder man trägt es wie ein Bouquet in den Gürtel gesteckt. Die wirklich practisch zu gebrauchenden leinenen Taschentücher, die bei tüchtigem Schnupfen oder einem Weinkrawpf gute Dienste leisten, läßt man zu Hause — man geht nicht mit ihnen aus. Der eleganten modernen Frau genügt das winzige spitzenbesetzte Läppchen vollkommen.
Kindermund. Mama: „Ach, Du ungezogenes Kind, graue Haare bekomme ich schon Deinetwegen." — Tochter: //Ach wie mußt Du dann aber Großmama geärgert haben." * * ♦
Solid es Geschäft. Zechpreller (der aus einer Wirthschaft hinausgeworfen wurde): „Wirklich fvVwrs schäft — sogar einen besseren Hut haben Sie mir nachgeworfen!"
Redaction: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.


