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et zum Geben stets bereit, Miß nicht kärglich Deine Gaben, Denk', in Deinem letzten Kleid Wirst Du keine Taschen haben.
Paul Heyse.
Felsgarten.
Roman von Clara Bück er.
(Fortsetzung.)
Nach Tisch kam die Stunde im Garten wie gestern, auch das dunkelblaue Kleid war dasselbe, nur ihre "Augen blickten bang zweifelnd in die seinen.
„Ist es nicht nach Ihrem Sinn? Vermissen Sie hier sehr viel? Meine Schwester machte mich darauf aufmerksam —"
„Lassen Sie doch," sagte er sanft, „cs ist so schön hier bet Ihnen."
Wie die Augen leuchten und danken konnten/ behutsam wandte er den Blick, denn er wollte sie nicht verscheuchen."
„Meine Schwester ist eigentlich viel, viel tüchtiger als ich, im Haushalt nun schon ganz und gar. Sie werden gefunden haben, auch im Wissen, sie vermag sich Alles viel regelrechter anzueignen, als ich, sie ist vollkommen dem Papa ähnlich, zuverlässig in jeder Weise."
Daraufhin konnte Heinrich sich nicht bezwingen, 'jetzt mußte er die Probe machen.
Sie standen beinahe am Ende des Gartens, dichtes Gebüsch vor sich, zwischen dem ein heiterer, weißlich gewölkter Himmel schimmerte.
„Sie machen viel Lobens von Ihrer Schwester, die Ihre Wirthschaftführüng heute recht eigenthümlich beleuchtete," sagte Wulffen scharf.
Hilde fuhr hoch auf, ihre Augen zuckten wie plötzlich geblendet.
„Meine Schwester? Hinter meinem Rücken?"
Staunen wie Schmerz waren echt. Sie ahnte mithin Irmgards wahren Character gar nicht, sondern verkleinerte sich ehrlich gegen deren Ueberhebung. Echt, Alles echt an ihr, er hätte jauchzen mögen. Nun wollte auch er aufrichtig sein.
„Ja, sie gab sich rechte Mühe, mir ein wahres Bild zu zeigen, leider gab sie bloß sich selbst."
Sein rauher Ton dünkte Hilden ein Lobgesang.
Trotz Irmgards Herabsetzung hielt er zu ihr, vertraute er ihr?
Licht wie der Frühling mit seinem sonnigen Erwachen lebte diese Erfahrung in ihrem ernsten, bleichen Gesichtchen auf. Er aber, der Schöpfer dieser Offenbarung, trank sie mit den Augen, bis sein Herz zitterte. Wunderbar, hier fiel ihm keine Melodie ein, hier entfesselten sich so viel Empfindungen zugleich, daß es der brausenden Akkorde wie süßen Harmonien in überwältigender Unmäßigkeit gab.
Wie da nach Ausdruck suchen? Wie ihn durch die Kunst meistern?
„Sie kennen mich besser, als die Anderen?" fragte fie mit banger Stimme.
„Ja, ja! Das heißt, eigentlich doch nicht! Ich weiß ja noch so gut wie gar nichts von Ihrem vielseitigen Talent: Sie malen, musiziren und dichten?
Verlegen, roth bis zur Stirn wandte Hilde den Kopf, rang sie erst nach dem Entschlüsse unter den Worten: „Nein, ja doch — ach, Unsinn," ehe sie kleinlaut bekannte: Sie haben falsch verstanden, Eins kam nach dem Andern."
Zuerst hatte ich wie alle Backfische Musikunterricht, und da der Trieb selbst zu gestalten mich längst beherrschte, versuchte ich es mit den Tönen, kam aber über die bloße Nachahmung nicht fort, ja, sobald mir ein eigener Gedanke während des Spiels auftauchte, verpfuschte ich meinen Hehdn und Mozart derart, daß es eine Schande war, weshalb ich eines Tages das Clavier zuklappte mit dem Entschluß, nicht mehr zu spielen." '
„Das haben Sie gehalten?"
Wieder besann sie sich, hielt Umschau, als möchte sie hinter die Büsche entfliehen und sah dann bezwungen in seine Augen.
„Natürlich. . Später folgte ich einer neuen Erleuchtung, nämlich der, daß ich es beim Schreiben belassen sollte, denn geschrieben, verbrannt und wieder geschrieben hatte ich von Kindheit an.
Dies Letztere trug nun auch die Schuld, daß ich in der litterarischeu Welt nicht festen Fuß faßte. Wäre ich als kleines, unfertiges Talent vor die Leute getreten und langsam vor der Ocffentlichkeit gereift, so würde man mich heute dulden wollen/ nun jedoch die bildungsfähigen Versuche stets vernichtet waren und meine Art sich fester ausgebildet hatte, nahm mich kein Verleger, kein Redacteur, kein Agent.
Was meinen Sie, wie die mir Wohlwollenden das lesende Publikum kritisirten? Es ließe sich eine nachdenklich


