876
und ansteckende Krankheiten, und zwar hauptsächlich dann, wenn diese Schädlichkeiten schwächliche, widerstandsunfähige, mit Erbkrankheiten behaftete oder in der Entwickelnng gehemmte Kinder treffen. Von den durch vr. Richter untersuchten 155 Gehörschwachen waren 48 allein durch Ohreuschmalzpfröpfe in ihrem Gehörvermögen geschädigt. Dies ist jedenfalls ein höchst trauriges Zeichen für die Reinlichkeit der Kinder und - der Eltern' Wie ist das überhaupt möglich? Betrachten wir einmal die morgendliche „Katzenwäsche" der meisten Schulkinder. Da wird oft das Kind, wenn es höchste Zeit zur Schule ist, schnell aus dem Bette gejagt, spült sich dann, namentlich im Winter mit dem kalten Wasser flüchtig den sichtbaren Schmutz von Gesicht und Händen ab, während die „Mutter" den Kaffee kocht oder die „Frau Mama" ruhig im Bette liegen bleibt. An gründliches Reinigen der Ohren wird dabei ebenso wenig gedacht, wie z. B. an Zähneputzen. Und gerade bei einem so zart und sein gebauten Organ, wie dem menschlichen Ohr, ist die größte Sauberkeit nöthig. Auch möge man zum Schutze desselben gegen Erkältungen die jüngeren und schwächlichen Schulkinder bei sehr kalter und nasser Witterung Ohrenklappen tragen taffen. Merken aber die Eltern irgendwie, wenn auch nur zeitweise, eine Unaufmerksamkeit oder ein Ueberhören von Worten bei den Kindern, so müssen sie möglichst bald einen Arzt zu Rathe ziehen. Zu Haus wird bekanntlich so oft das „Wie- und WaSfragen" als Unart gerügt, während in Wirklichkeit vielfach nur schlechtes G-Yör die Schuld trägt. Manches Unrecht gegen die armen, unschuldigen Kindlein würde durch rechtzeitige ärztliche Behandlung vermieden werden!
Gemeinnütziges.
Dee Rofe«wickler kann nur dann wirksam bekämpft werden, wenn jeden Morgen die zusammengerollten Blättchen der jungen Triebe abgesucht und die darin sich befindende Larve vernichtet wird. Wer diese einfache Äertilgungsart nicht befolgt, wird bald über angefressene Knospen zu klagen haben, und mit dem ersten Rosenflor ist es für Heuer vorbei.
* * *
Die Singvögel können ebensowenig das Gas vertragen, wie die Blumen. Man sollte die Vogelbauer immer aus der Nähe der brennenden Gaslampen entfernen, besonders sei das bei hochhängenden Vogelbauern zu beachten. Es ist sehr schädlich für die kleinen Vögel, die ganze Nacht in einer Atmosphäre zu leben, die durch das Gas verdorben ist.
* * *
Reinigung von Glaeshan-schnhen. Zur Reinigung weißer Glacehandschuhe ohne Anwendung von Benzin wird eine Auflösung von Seife in heißer Milch empfohlen. Es ist zweckmäßig, auf den halben Liter dieser Lösung einen zu Schnee geschlagenen Eidotter einzurühren und einige Tropfen Salmiakgeist zuzumischen. Die Handschuhe werden über die Hand gezogen und mittels eines Wollläppchens, das in die Mischung getaucht, abgerieben. Hängt man die Handschuhe in Schatten zum Trocknen auf, so bleibt das Leder weich.
* • •
Vergoldete Spiegel- und Bilderrahmen aufzufrischen. 150 Gramm Eiweiß und 50 Gramm Kochsalz quirlt man in einem Passenden Behälter gut durcheinander und bürstet mittels einer sehr weichen Bürste den Rahmen solange mit dieser Mischung, bis derselbe das Aussehen eines neuen Rahmens erhält.
* * ♦
Abwaschbare Tapeten. Um Tapeten so zuzurichten, daß sie sich mit Wasser und mit Seife abwaschen lassen, ohne daß die Farbe zerstört wird, bereitet man sich eine Lösung von zwei Theileu Borax und zwei Theilen Stangenlack,
Schellack oder Stocklack in 24 Theilen heißem Wasser. Die Lösung gießt man durch ein feines Seihetuch und überzieht damit die Tapete mehrere Male, indem man sie nach dem Trocknen immer mit einer weichen Bürste glänzend reibt. Die Tapeten können dabei sowohl schon aufgezogen, als auch noch in Rollen sein. * *
Lackirte Möbel von Flecken zu reinige«. Man nehme eine Mischung von gleichen Theilen Leinöl, Weingeist und Terpentinöl und reibe mit einem mit dieser Mischung etwas befeuchteten Lappen die Flecken, bis dieselben verschwunden sind, sodann aber diese Stellen mll gewöhnlichem Fließpapier.
Eine« vorzügliche« F«tzbove«kitt, der schon wenige Tage nach Gebrauch steinhart wird und nie bricht, bereitet man aus je einem Theil Kölner Leim, Ocker und Sägespänen in der Weise, daß man zunächst den Leim 24 Stunden lang in Wasser aufquellen läßt, den Ocker mit Wasfer in einem Kochgefäß zu einem Teig anrührt und dann den Leim dazu gtebt. Alsdann bringe man das Gefäß aufs Feuer und rühre den Inhalt fleißig um. Sobald der Leim vollständig aufgelöst ist, nehme man das Gesäß vom Feuer und rühre die Sägespäne ein. Nöthigenfalls gieße man auch noch Wasser hinzu, bis der Kitt die nöthige Conststenz erreicht hat und verwende denselben nur nach vollständigem Erkalten.
UM Stahl vo« Rost z« reinigen, bestreicht man den Stahl mit zerflossenem Weinsalz, reibt ihn nach Verlauf von einer Stunde mit einem wollenen Lappen ab, und wiederholt dieses Verfahren, bis er rein ist.
Vern Echtes.
Täglicher Denkzettel und Spiegel eines rechtschaffenen Tonriften. In Oberwegfurth an der Fulda (Straße von Hersfeld nach Schlitz) fand ich in einem Wirthshaus folgenden Spruch an der Wand:
Dein erstes Denken sei an Gott, Thu ihm nichts zu Leid noch Spott. Denk oft, ja stündlich an das Beten, Laß dich den Hochmuth nicht betreten. Dem schnellen Zorn gieb niemals Raum, Halt züchtig Wort und Werk im Zaum, Unrechtes Gut nicht an dich reiße, Lüg nicht, der Wahrheit dich befleiße. Gönn einem Jeden das, was sein, Den Taufbund halte fest und rein, An Jesu Tod und Leiden denke! Erwäg des Satans List und Ränke, Leb eingedenk der Todesstund, Denk, was du denkst, mit klugem Grund, Red, was vor Gott und Menschen richtig, Wohl dem, der weise wird und vorsichtig.
O, daß sie weise wären. 1. Buch Moses. N.
Literarisches.
Das neueste (zwölfte) Heft der „Jllustrirten Frauen-Zettung" (Berlin, Franz Lipperheide) enthält wiederum eine Fülle interessanter Novellen und Aufsätze: namentlich der Aufsatz „Litterarische Frauenbildung" von Adolf Bartels dürfte di- Beachtung der weitesten Kreise verdienen. Der Autor giebt eine Anleitung, wie gelesen werden muß, um einen Neberblick über die Litteratur zu erhalten und wirklichen Nutzen von der Lectüre zu haben. In demselben Hefte beginnt eine Novelle von Luise Westkirch „Jan freit", die mit ein. r Kraft einsetzt, daß man auf die Fortsetzung außerordentlich gespannt ist. Luise Westkirch ist eine ernste Schriftstellerin, deren Arbeiten einen litterarischen Werth haben; sie hat sich mit ihren Romanen und Novellen einen geachteten ' Namen gemacht, und man begegnet ihr immer gern. Die übrigen Sei« . träge des Heftes schließen sich den beiden genannten in würdiger Weise an und stempeln die „Jllustrirte Frauen-Zeitung" zu einem Blatte, das • den höchsten Ansprüchen genügt.
Redaction: ®. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen UniverfitätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.


