Unaufmerksamkeit und Schwerhörigkeit der Schulkinder.
Von Dr. Hans Fröhlich.
------- (Nachdruck verboten.)
Anfang der achtziger Jahre machten Aerzte in Zeit- schrrften und politischen Zeitungen wiederholt darauf aufmerksam, daß viele Schulkinder ungerechterweise als »schlecht begabt" vernachlässigt oder als zerstreut und unaufmerksam getadelt und bestraft würden, während sie in Wirklichkeit schwerhörig wären. Seitdem hat man immer wieder Untersuchungen hierüber angestellt und nun ganz unanfechtbar bewiesen, daß die Schwerhörigkeit im schulpflichtigen Alter sehr verbreitet ist, und - was höchst wichtig - daß sie die geistige Entwicklung der Kinder und den Fortschritt in der Schule bedeutend beeinträchtigt. Dr. von Reichard in Riga stellte an 1055 Schulkindern Hörprüfungen an, welche ergaben, daß fast der vierte Theil derselben schlecht hörte. Neben den Kinder- rankheiten beschuldigte er Unreinlichkeit und Erkältungen als
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Mit einem festen Händedruck trennten sie sich.
~ ®uräe Zeit darauf verabschiedeten sich Teßa und ihr Schwager mit seinen Kindern von ihren liebenswürdigen Gastgebern/ nur der Bräutigam blieb noch zurück, ^na hatte ihn selbst dazu aufgefordert. Doch ließ sie die beiden Herren, nachdem Gebhardt mit den Seinen gegangen, für's Erste allem und schlüpfte hinauf in's Stübchen der Schwester.
kranke, die zeitig der Ruhe zu Pflegen gewöhnt war, schreckte aus leichtem Halbschlummer empor. , .",?"^Kind, was ist Dir? Sie sah, ängstlich gemacht «Ätz ' rtWe ®m9un9 der Schwester, forschend in deren . Mädchen warf sich vor dem Lager der Aelteren auf die Kniee. „Ich will es thun, Thea. Gicb mir Kraft'" stammelte sie. 1
,,533(13 ?" forschte jene, noch immer nicht begreifend.
„Die Verlobung lösen!"
„Ach !" Die Leidende richtete sich mühsam in den Kissen auf und legte ihre Hand auf die Schulter der Knieenden.
„Ina!"
„Ja!"
„Ist das ein Entschluß, der sich aus Dir selbst emporgerungen oder....."
"Asd muß es thun! er sagt es! murmelte das Mädchen, wi s es!" sprach die Aeltere gepreßt und dann:
„Kind, überlege Dir, was Du thust! Gedenke meiner Worte von neulich, bedenke auch, daß Du ein treues Herz für immer von Dir stößt, es verwundest. Was aber tauschest ®“ em? Es ist leichter, ein Freundesherz zu verlieren, g bs sich zu gewinnen und zu erhalten. Ueberlege wohl,
Ina aber schüttelte entschieden den Kops. „Ich muß, ich muß!" murmelte sie wie mechanisch. B
„So thue was Dir das Rechte erscheint!" Der Kranken Hand legte sich auf den braunen Scheitel der Schwester. „Möche es in Wahrheit das Rechte sein!" sagte sie etwas gepreßt, dann küßten sie sich stumm und lange. Mit feuchten Augen blickte die Kranke der Enteilenden nach.
„Armer Franz! Möge sein weiches gutes Herz bald den nöthigen Trost in einer glücklicheren Liebe finden und Ina me diese Stunde bereuen!" Zwei große Thränen lösten sich langsam von den Wimpern der Betenden.
Sie dachte eigener schmerzlicher Erfahrung. Auch sie hatte einst geglaubt, sich selbst ein Glück besonderer Art schaffen zu können und wie bitter hatte sich jene Vermessenheit doch gerächt!
(Fortsetzung folgt.)
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: Ursachen. Dr. Weil in Stuttgart untersuchte
5905 Schulkinder mittelst Flüstersprache und Ohrspiegel. Jn- folge von Nachlässigkeit und Unreinlichkeit hatten von den Knaben 11 Prozent und von den Mädchen 15 Prozent Ohren- r110 "T" »ur deshalb schwerhörig. Von ■ßp±\Unb Volksschülern aller Altersklassen, die ^^^ "^iinchen untersuchte, besaß mehr als der vierte „en ®r,tte( der normalen Gehörschärfe. Be- h*9 cm Elustusses der Schwerhörigkeit auf die Fortschritte ttchEassenvs?^?e“te Er feft/ der durchschnitt- Klassenplatz der Kinder um so weiter nach unten lag, er f al«?” 6 tfOretb Z^ besseren Vergleichung nahm der Klaffen zu je 100 an, so daß der mittlere Durchschntttsplatz für die ganze Schule durch die Zahl Me au??bb" 4tm>?Qnik/r9K6En M fotaenbe Resultate: 2?;eh Ä b S?IetCr Hörenden hatten den Durchschnitts- s :50,<ble Quf 4 b's 2 Meter Hörenden hatten
" W* 68 statt 50. Diese Zahlen beweisen nUc überhaupt eine Beeinflussung der kem Gr L st°ttgefunden hat, sondern daß sogar eine genau dem Grade der vorhandenen Schwerhörigkeit entsprechende Steigerung dieses Einflusses vorhanden ist. Schon in der ersten oben dargestellten Gruppe von Schwerhörigen spricht diese zum Theil nur einen so geringen Gehordcfekt aufweifen, daß er im gewöhnlichen Verkehr gar ttlr $.etr.a^t ^zogen wird und den meisten Betroffenen stlbst, sowie deren Angehörigen, bleibt. Es ist also der zahlen- geliefert, daß ine geistige Entwickelung des dem Grade seiner Horverminderung entsprechende Beeinträchtigung erfahrt, während der Lehrer, weil er dies Leiden meist nicht kennt, das arme Kind für faul und unauf- halt. Der amerikanische Ohrenarzt Dr. S. Sexton fanb 13 Prozent Kinder mit stark geschwächtem Hörvermögen, aber nur in einem einzigen Falle war dem Lehrer etwas davon bekannt., unter den Kindern selbst kannten nur 19 von 76 ihren eigenen Gehörfehler.
Die neuesten Untersuchungen hierüber stammen vom Kreis- phhsikus Dr. Richter in Groß-Wartenberg. Von 700 Schul- krndern hatten über 12 Prozent geschwächtes Gehörvermöaen und 16 Prozent waren ganz schwerhörig. Als Durchschnitts- platz ergab sich, nach der Methode von Dr. Bezold berechnet, her 65(16 bis 66fte Platz, so daß also auch diese Schwerhörigen ! o JU?Cn schlechtesten Schülern ihrer Klasse gehörten. Nur 12 Kinder wußten von ihren eigenen Gebrechen und nur 7 ?^ch ihre" Lehrern als schwerhörend bekannt. Bei . Bindern ahnten die Lehrer nichts von einer Schwerhörigkeit und konnten sie demnach beim Unterrichte auch nicht berücksichtigen, sondern hielten die Schüler für uunusmerksam und leicht zerstreut. Häufig sagten die Lehrer, sie hatten wohl die Empfindung gehabt, daß etwas mit den Kindern „nicht richtig" sei, aber sie wären nicht darauf verfallen, daß die Kinder schwerhörig sein könnten, da dieselben, einmal energisch aufgerüttelt, dann dem Unterrichte wieder gut zu folgen vermocht hätten. Natürlich! So lange nämlich aus großer Angst die Aufmerksamkeit mit aller Energie zusammengenommen wurde und die Schüler vom Munde des Lehrers abzulesen suchten, was sie nicht mit den Ohren vernehmen konnten. v
_ Keineswegs darf man aber etwa die Schule für die häufige Schwerhörigkeit verantwortlich machen. Im Geqentheil r79:etVn ben oberen Klassen weniger Ohrenleidende zu sein als in den unteren. Diese auffällige Thatsache mag verschiedene ®yttnbe haben. Da ohrenkranke Kinder oft auch sonst körper- ltch schwächlich und leidend sind, so wird wohl ein Theil derselben noch un Schulalter irgend einer Erkrankung zum Opfer Ht" ± em ttnberer T^il wird, wenn das Gehörleiden sich verschlimmert, aus der Schule genommen. Daher in den höheren Klaffen die Abnahme in der Zahl der Gehörschwachen.
Wie kommt nun aber die Schwerhörigkeit bei den Kin- dern zu stände? Die häufigsten Ursachen derselben sind, wie die Unte Buchungen ergeben haben, Unreinlichkeit, Erkältungen


