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tablen Einrichtung des Schiffes vergnügte nicht nur, sondern überraschte auch die nußbraunen Notabilitäten von Mozambique, so daß es Gama leicht wurde, einen der Fahrt nach Kalikut kundigen Steuermann von dem Statthalter zu erhalten. Zacocia, an Land zurück gekehrt, erfuhr aber, daß seine Gastgeber Christen und keine Muhamedaner seien und sann auf Verrath und Verderben. Es entspann sich ein Gefecht mit den Wilden, in welchem Gama mit leichter Mühe Sieger blieb. Er drohte Quiloa in Fammen zu schießen, wenn ihm nicht sofort ein Steuermann an Bord gesandt würde, segelte als dieser erschien, am 1. April ab, und erreichte am 7. die Höhe von Mombaza.
Hier berichtete der neue Steuermann, wohnten Christen im friedlichen Verein mit Mosleminen und, nichts Böses ahnend, gab Gama den Befehl zu lande». Kaum waren die Anker geworfen, als bewaffnete Abgesandte in Böten erschienen, Geschenke brachten und Gama und Gefolge zu einem Besuche beim Könige einluden. Gama aber sandte vorsichtigerweise erst zwei Degradodos voraus, um den König zu begrüßen und den Character desselben auszuforschen. Da er sich friedlich anließ, trug Gama kein Bedenken, zumal ein Sturm im Anzuge war, noch weiter in die Bucht hineinzufahren und dort vor Anker zu gehen. Die unerwartete Annäherung der Schiffskolosse jedoch und das Werfen der Anker so nahe der Hauptstadt beunruhigte die argwöhnischen Schwarzen, welche ihr verrätherisches Vorhaben entdeckt glaubten, und sie sprangen mitsammt dem Steuermann über Bord, um dem Lande zuzuschwimmen. Gama blieb auf dem Schiffe, stellte des Nachts doppelte Wachtposten aus und ließ, als in der Finsterniß sich einige Boote näherten und man versuchte die Ankertaue durchzu schneiden, Feuer geben. Es entspann sich ein blutiges
Scharmützel, in welchem die Vollkugeln des Admiralsschiffes eine fürchterliche Arbeit verrichteten. Doch blieben die Portugiesen Sieger nachdem ein Theil der Stadt in Trümmer und Flammen geschossen war. Gama hielt schleunigste Abfahrt für das Gerathenste, ehe noch Verstäikung aus dem Innern des Landes herbeikam und ihm die Ausfahrt aus der Bucht verlegte. Von zwei dicht bemannten Sarazenenschiffen verfolgt, erreichte er die offene See, schoß eines derselben in Grund, jagte das andere in die Flucht und behielt von den Sinkenden 14 Sarazenen als Geißeln an Bord.
Am Ostersonntage erreichte Gama Melinde. Der altersschwache König dieses Reiches sandte ihm seinen Sohn zur Begrüßung entgegen und ließ ihn zu einem Gastmahl auf seinem Schlosse einladen. Gama empfing den Prinzen sehr freundlich, ging aber nicht an Land sondern lichtete am 20. April schon wieder die Anker, um nach Nordostcn seinem Ziele zuzusegeln, welches nach den Aussagen des Malemo Cana, der einer von den Geißeln war, nicht allzufern mehr sein konnte. Nach einer Fahrt von 28 Tagen entdeckte man am 17. Mai bei sehr nebligem Welter eine hohe Küste, die vor der Hand nicht genauer zu erkennen war. Als aber am 19. Mai — einem Sonntage — aus dem zerrinnenden Nebel die Berge der Küste Malabar sichtbar hervortraten und Cana sie klar als die Berge in der Nähe Kalikuts erkannte, eilte er freudig erregt zu Gama und verkündigte ihm, was er gesehen. Gama eilte auf Deck und beschenkte den Sarazenen reichlich und ließ unverzüglich einen feierlichen Gottesdienst auf den Schiffen abhalten. Am selbigen Abend noch entließ er sämmtliche Gefangene frei ans Land und warf etwa zwei Meilen von der Stadt Kalikut die Anker aus. Der Seeweg nach Ostindien war gefunden!
Nun folgten eine Reihe von Festlichkeiten zu Ehren des kühnen Seefahrers. Die ganze Bevölkerung Kalikuts war Tag und Nacht auf den Beinen, und die indischen Fürsten überboten sich in Ehren- und Freundschaflsbe- zeugungen gegenüber dem Abgesandten der portugiesischen
Majestät, als welchen sich Vasco de Gama ihnen präsen- tirte. Bald zeigte sich aber auch hier Falschheit und Verrath aus Rcligionshaß und Gama kehrte am 5. October nach Melinde zurück. Von hier aus erreichte er nach viermonatlicher ungemein stürmischer und gefahrvoller Fahrt, am 2. Februar 1490, Maga-Daxo, eine Stadt an der äthiopischen Küste, etwa 160 Meilen von Cap Guardafui, welche er, da er erfuhr, daß sie d-n heimtückischen Sarazenen gehörte, ohne Weiteres in Brand schießen und ihre dort im Hafen liegenden Schiffe in Flammen stecken ließ.
Am 7. Februar erst erreichte man Melinde, wo Gama bei dem gastfreundlichen Könige fünf Tage verweilte. Ein längerer Aufenthalt schien wegen der näherrückenden rauhen Jahreszeit nicht räthlich. Man segelte also am 14. Februar nach dem Cap der guten Hoffnung ab. Da Paolo de Gamas Schiff zu sehr beschädigt war, wurde es auf Befehl Bascos verbrannt. Paolo ging auf seines Bruders Schiff, die übrige Mannschaft wurde auf diesem und Coslhos Schiff untergebracht. In Sansibar, wo man den 29. März ankam, wurde eine Gesandtschaft des maurischen Gouverneurs, der Handelsbeziehungen anknüpfen wollte, empfangen und in der Nähe von Mozambique eine Denksäule aus Steinen errichtet. Am 29. April wurde das gefürchtete Cap der guten Hoffnung bei herrlichem Wetter umsegelt und mit günstigem Winde die Insel Santiago an der Westküste Afrikas erreicht. Hier aber erhoben sich wüthende Stürme, und die beiden Schiffe Gamas und Coslhos wurden im Dunkel der Nacht von einander geweht. Nicolo Coelho mußte zuerst allein den dirccten Weg nach Lissabon nehmen. Gama segelte nach Terceira, wo er seinen Bruder, der seit längerer Zeit an der Auszehrung litt, durch den Tod verlor. Man bestattete ihn, errichtete ihm eine steinerne Denksäule, segelte ab und lief am 30. August 1499 im Hafen von Lissabon ein.
Obwohl Coslho, schon seit dem 10. Juli zurück, ihm also zuvorgekommen war, war doch des Königs wie aller Portugiesen Freude über Gamas Rückkehr unvermindert groß. Mit ihm kehrten nur 55 Mann von denen zurück, die er bei seiner Abfahrt mitgenommen hatte. Emanuel ließ es an Belohnungen und Ehrenbezeigungen für Gama und seine Begleiter nicht fehlen. Vasco de Gama erhielt für sich und seine Nachkommen erblich den Tuet „Don" und die Würde eines Admirals der indischen Meere mit sehr bedeutenden Einkünften, dazu die Erlaubuiß, einen Theil des Reichswappens in seinem Geschlechtswappen zu führen und bei jeder Reise nach Indien 200 000 Crusados auf eigenen Gewinn anzulegen. Später wurde ihm noch der Titel eines Grafen von Vidigneira zu Theil.
Die Fahrt Vasco de Gamas bleibt ein „Wunder der Zeiten" geradeso, wie die „Lusiaden" Camoens ein „Wunder der Poesie" bleiben werden, trotz „Suezcanal" und —- „Verismus!"
Hrnnsristrsches.
Schmeichelhaft. A.: „Was ist denn aus der entzückenden kleinen Wittwe geworden, mit der Sie vor mehreren Jahren so häufig tanzten ?" — B.: „Die ist jetzt ver- heirathet!" — A.: „O, das thut mir leib; aber ich weiß, Sie hatten immer Unglück mit Ihren Liebesgeschichten." — B.: „Ja, da haben Sie recht!" — A.: „Apropos, wen hat sie denn geheirathet?" — B.: „Mich!"
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Flitterwochen-Idyll. Er: „Du hast Wohl heute Wäsche?" — Sie: „Nein — wie kommst Du denn darauf?" — Er: „Ich dachte nur — weil hier ein Stück Seife in der Suppe schwimmt."
Redaction: <$. Burkhardt. — Druck und V.rlag der Bri.hl'schen Un.veifiiüts-Bnch- und Cteindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.


