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misch von Blumenduft, Parfüm, Essenzgeruch, Wärme drang Lurch die Thürritzen hinein in die Mansardenzimmer.
Nie mehr hatte sie dem Manne zu begegnen gedacht, der sie so empfindlich gekränkt, nun saß sie wieder mit ihm an einem Krankenbett wie damals — sie hütete das Kind, weil ihr Herz an ihm hing,- was er that, geschah neben der Berufspflicht für die schöne Mutter.
Bruno Hallsberg zwang sich, an alles Mögliche zu denken. Natürlich würde ihn morgen die neugierige Frau Winter nach der schönsten Toilette fragen — sie war nervös und wechselte ihre Aerzte, wenn es für sie nichts mehr zu fragen gab. „Frau Ebba," selbstverständlich. „Und wer machte den mächtigsten Eindruck auf Ihr Herz — auch selbstverständlich Frau Ebba?"
Ah, wie unsäglich fade ihm das Alles plötzlich vorkam — Sentenzen von Montegazza zogen ihm durch den Sinn — und die eine wurde er nicht los, an seine Beichte denkend: „Daß man im Leben nur einmal lieben könne, ist eine der vielen großen Unverschämtheiten, welche die Liebe täglich gedankenlos hinschwatzt."
(Fortsetzung folgt.)
Die Entdeckung des Seeweges nach Ostindien vor 400Jahren am 19. Mai 1498.
Von Dr. Anton Schmidt.
------- (Nachdruck verboten.)
KO. Das „Wunder der Zeiten", lieber Leser, war ein Seefahrer, der vor vierhundert Jahren nach der entgegengesetzten Richtung, wie Columbus, kühn in das Weltmeer hinaussegelte, um, was jener ursprünglich auch wollte, Indien auf dem Seewege zu erreichen. Columbus mußte sich mit dem „Brosamlein" West-Indien begnügen, während es Basco de Gama, dem „Wunder der Zeiten" beschieden war, nach abenteuervoller Fahrt am 19. Mai 1498 in Kalikut, der Lamaligen Hauptstadt des Feenlandes, zu ankern.
Vascus Gama oder Vasco de Gama wurde im Jahre 1459 zu Sines, einer kleinen Seestadt an der Westküste Portugals, geboren, wo sein Geschlecht zu den Notabeln des Landes gehörte. Er selbst jedoch sollte durch eigenes Genie, durch Energie seines Characters, durch persönlichen Muth und unablässigen Eifer für den Nationalruhm seines Vaterlandes und dessen politische und merkantile Jnteresien ein echter Sohn seines glorreichen Jahrhunderts werden.
Nachdem Bartolomeo Diaz das von Johann II. „Cabo de boa esperanza“ getaufte Vorgebirge an der Südspitze Afrikas entdeckt hatte, übertrug Don Emanuel, der im Jahre 1495 nach Johannes II. Tode den portugiesischen Thron bestieg, die Vollendung des entworfenen Planes seines Vorgängers dem erfahrenen Seemann und überließ die Vorbereitungen und Einrichtungen zu der gewaltigen Reise seinem eigenen Ermessen. Vasco de Gama verlangte 4 Schiffe, 3 Kriegsschiffe und 1 Proviantschiff, und wählte zu Gefährten seinen Bruder Paolo de Gama, dem er die Führung des zweiten Schiffes übergab, während er selbst das erste leitete, und zum Führer des dritten den Nicolo Ccelho, zum Befehlshaber des Proviantschiffes den Gonsalvo Nunez ernannte.
So gerüstet, segelte er nach feierlichst abgehaltenem Gottesdienst am 8. Juli 1497 aus dem eine Meile von Lissabon entfernten Hafen von Belem ab, begleitet von zahlreichen Glückwünschen der Portugiesen und ihres Königs. 160 Mann machten des Helden ganze Besatzung aus. Madeira, die kanarischen Inseln, die mauretanische Küste und Guinea waren bei günstigem Winde bald hinter ihnen und am 28. Juli landeten sie zum ersten Male zu Santiago. Ein günstiger Nordwestwind führte sie von hier aus längs der Küste Afrikas hinab nach dem Vorgebirge der guten Hoffnung, aber drei Monate lang dauernde heftige Stürme
hinderten sie, eher als am 4. November die Westküste des Caplandes zu erreichen.
Hier, wo sie zum zweiten Male vor Anker gingen, gerieth die Mannschaft mit den kriegerischen Wilden in ein kurzes, aber blutiges Gefecht, wobei Gama durch einen Pfeilschuß am Bein verwundet wurde. Am 16. verließen sie die Küste und am 20., einem Sonntage, umsegelte Gama trotz heftigen Sturmes, trotz des Murrens und der Drohungen der, nur durch strengste Bestrafung noch darnieder zu haltenden Mannschaften, statt des von ihm persönlich in Eisen geschlossenen, rebellischen Steuermannes seines Schiffes mit kundiger Hand selbst das Ruder führend, das Vorgebirge der guten Hoffnung und landete am 25. auf einer kleinen Insel des 60 Meilen vom Cap entfernten Meerbusens von San Bras auf Afrikas Ostseite. Auf Gamas Befehl wurde hier, nachdem man Mundvorrath von der Insel herbeigeschafft hatte, das havarirte Proviantschiff des Nunez verbrannt und nach kurzer Untersuchung der Insel die Anker gelichtet. Ein rasender Sturm wehrte ihnen aber das Auslaufen, und erst am 16. December erreichten sie, längs der Küste hinsegelnd, die chaoischen Inseln.
Nur bis hierher waren schon vor Gama portugiesische Seefahrer gekommen und eine von Dias gesetzte Grenzsäule bezeichnete das bisher erreichte Ziel der nach dieser Seite hin gewagten Seeunternehmen. Hier wurden Wasser und Lebensmittel eingenommen, und da sich neue Stürme erhoben, lief man in eine nahe Flußmündung ein, welche zu Ehren des Tages .der heiligen drei Könige il Rio dos Reis genannt wurde. An der Küste hinfahrend studirte Gama die Sitten und Gebräuche der Wilden, zu welchem Zwecke er zwanzig sogenannte Degradados d. h. zum Tode verurtheilte Verbrecher, welche er, nach damaligen Gebrauch der Entdeckungsfahrer, an Bord mit sich genommen hatte, hier und dort ans Land setzte, damit sie sich unter die Wilden mengten und das Nähere ihm berichteten.
Am 15. Januar des neuen Jahres 1498 legte man bei der Mündung eines großen Flusses an, wo man sich aufzuhalten gedachte. Kaum war man drei Tage am Lande, als vier der Angesehensten des fremden Volkes zu Gama kamen, ihn zu begrüßen und zu einem Gastmahl im Palaste ihres Königs einzuladen. Martin Alonso, ein Matrose, der des Arabischen mächtig war, erfuhr von ihnen, daß oft große Schiffe aus dem Osten an einer Küste landeten, die nicht allzufern von diesem Hafen läge. In der freudigen Hoffnung, daß jenes Land kein anderes als Indien selbst sei, errichtete Gama zum Gedächtniß auf der Insel, der er den Namen St. Raphael gab, eine steinerne Denksäule, auf der im Zeichen des Kreuzes das königliche Wappen Emanuels prangte. Die Einladung zum Gastmahl schlug er höflich aus und verließ nach längerer Rast, während welcher man in regem Verkehr mit den Wilden stand, am 24. Februar den Hafen, nachdem er auch hier zwei Degradados zurückgelassen hatte.
Schon am 1. März kamen wieder eine Menge kleiner Inseln in Sicht, deren Einwohner mit lautem Jauchzen und Freudengeschrei in arabischer Mundart, auf Kähnen dem Admiralschiff begrüßend entgegenruderten. Gama lud sie zu einem Gastmahl an Bord und erfuhr, daß der Name ihrer Insel Mozambique sei, welches durch einen Präfecten ihres Königs zu Quiloa regiert werde, und daß handeltreibende Sarazenen ihre nahe Küste bewohnten und von hier aus mit Arabien und Indien in reger Verbindung ständen. Ebenso waren die Wilden der Entfernung von ihrer Insel bis Kalikut und des Seeweges dorthin wohl kundig, wie sie auch den Gebrauch eines eigenen Schiffsinstruments, der Magnetnadel und des rautenförmigen Compasses verstanden. Gama entließ sie mit reichen Geschenken, und am nächsten Tage begab sich Zacocia, der Statthalter selbst in Person, mit Gefolge an Bord des Admiralschiffes. Ein großes Festmahl mit Parade und Musik, sowie eine Besichtigung der gewaltigen Schiffskanonen und der sonstigen kriegerischen sowohl als confor-


