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1700 Jahre vergehen, bevor die Menschheit durch Erfindungen auf diesem Gebiete der Mühe und Feuerbereitung enthoben wurde
Den hauptsächlichsten Anstoß zur Weiterentwicklung der Feuerbereitungstechnik geben Scheele und Priestley durch Entdeckung des Sauerstoffs (1774) und Lavoisier durch seine bahnbrechenden Untersuchungen des Wesens der Verbrennung. Diese führten nicht zu der Erkennmiß, daß die Luft ein wesentliches Erforderniß der Verbrennung, sondern daß die Entzündlichkeit der einzelnen Körper eine durchaus verschiedene ist. Manche Körper müssen erst bis zum heftigen Glühen erhitzt werden, ehe sie in Flammen aufgehen, andere wie der Phosphor, braut en nur gerieben zu werden, um zu verbrennen, manche sogar nur mit der Atmosphäre in Berührung zu kommen. Was lag näher, als die so gefundenen Eigenschaften der Substanzen für die Zwecke der Feuerbereitung zu benutzen? So entstand 1812 in Wien das erste chemische Feuerzeug, die Tunk- oder Tauchzündhölzchen, deren Erfinder Chancel war. Man tauchte dünne Hölzchen in geschmolzenen Schwefel, ließ denselben erstarren und überzog dann die vorher geschwefelten Köpfchen mit einer Mischung aus chlorsaurem Kali, Rohrzucker und Zinnober. Die Entzündung dieser Hölzchen geschah aber nicht durch Reibung an irgend einer Fläche- wer sie benutzen wollte, bedurfte vielmehr noch eines Fläschchens mit einer besonderen chemischen Füllung (mit concentrirter Schwefelsäure getränkter Asbest), in welche die Hölzchen zum Zwecke der Inbrandsetzung getaucht wurden. So unbequem uns die Anwendung des beschriebenen Zündmittcls erscheint, so bedeutete dasselbe für die Feuererzeugungstechnik dennoch einen gewaltigen und bahnbrechenden Fortschritt. Uns Modernen erscheint sreilich der Preis der Wiener Tunkhölzchen (hundert Stück zwei Mark) ungeheuer hoch, die damalige Zeit aber profitirte doch dabei, da die Erfindung eine großartige Zeitersparniß bedeutete. Damals hieß es eben, sorgfältig mit den kostbaren Dingern umgehen. Eins mußte hinreichen zur Feuererlangung, im Uebrigen dienten, so lange es irgend anging, Holzspahn und Fidibus. In England erfuhr die Chancel'sche Erfindung ei e Umgestaltung dahin, daß man Zündflüssigkeit und Zündkörper in einer Art Patrone vereinigte, die sich beim Zerdrücken des in ihr ent haltenen, die Zündflüssigkeit in sich fassenden Glasröhrchens entzündete. Einen großen Fortschritt bedeutete diescs Verfahren nicht, wohl aber die Erfiudung der Phosphorzündhölzchen, welche 1833 gleichzeitig in mehreren Ländern auftauchten. Wem das bedeutungsvolle Verdienst derselben zuzuschreiben ist, wissen wir nicht. Derosne soll 1816 zuerst den Phosphor zur Herstellung von Zündhölzchen benutzt haben. Die Engländer nehmen übrigens die Priorität der Erfindung für Walker in Stockton in Anspruch — ob mit Recht, darf billig bezweifelt werden. Die Congrcve'schen Streichhölzchen, wie man die ersten Phosphorhölzchen nannte, geriethen, da die Entzündung explosionsartig erfolgte, gar bald in den Ruf großer Feuergefährlichkeit, sodaß sie in verschiedenen deutschen Staaten verboten wurden. Später gelang es, die Zündmasse wesentlich zu verbessern, indem man anstatt des gefährlichen chlorsauren Kalis Mennige und Salpeter oder andere neutralere aber gleich wirksame Stoffe benutzte.
Ein anderes Feuerzeug, das von Döbereiner in Jena erfunden wurde, stellte sich als ein zu complicirter Apparat dar, als daß es die bequemen Streichhölzchen hätte verdrängen können. Vielmehr arbeitete die Wissenschaft eifrig an der Beseitigung der den letzteren anhaftenden Mängel - vor Allem galt es, den gefährlichen Phosphor aus der Zündmaffe zu entfernen. Auch dieses Bemühen krönte herrliches Gelingen. Einem Deutschen, Professor R. Böttger- Frankfurt a. M., gelang die Herstellung von Streichhölzchen, deren Zündmasse nicht nur giftfrei war, sondern die sich auch
durch sehr geringe Feuergefährlichkeit auszeichneten. Es sind dies unsere bekannten „Schweden" oder Sicherheits- zündhölzer, deren Erfindung in das stürmische Jahr 1848' fällt. Die Fabrikation geschah zuerst in Jöngköping in Schweden, daher der Name „schwedische Streichhölzchen." Diese Hölzchen entzünden sich nur auf einer besonders prä- Parirten Reibfläche, vereinzelte Ausnahmen abgerechnet — denn wer hätte wcht auch schon ein schwedisches Zündholz auf einer trockenen Glastafel zur Entflammung gebracht?" Die Zusammensetzung der Zündmasse ist in den einzelnen Fabriken verschieden und wird meist als strenges Betriebs- geheimniß gewahrt. I. G. Vogt theilt in seiner „Jllustrirten Welt der Erfindungen" das Reccpt einer Augsburger Fabrik mit, wonach zur Herstellung der Zündmasse folgende Substanzen verwandt werden: Chlorsaures Cali 59,3, chlorsaurer Baryt 21,6, Schwefel 2,3, mineralische Bestand- theile 4,0, Klebstoff 12,8. Zur Herstellung der Reibfläche benutzt man amorphen (ungiftigen) Phosphor, Schwefelkies und Klebstoff zu gleichen Theilen. Nach Vogt genügen 80 Gramm dieser Substanzen zur Ueberziehung der 2000 Reibflächen für 1000 Schachteln.
Die Fabrikation der Zündhölzchen ist keine so einfache, wie man sich beim Anschauen eines der kleinen Feuerwerkskörper wohl denken mag. Früher stellte man sie allerdings durch Handarbeit her, jetzt ist die Fabrikation in den größeren Fabriken durchaus eine maschinelle, und zwar ist es erstaunlich, durch welche Menge von Maschinen ein einziges Zündhölzchen hindurch gehen, welche Manipulationen es über sich ergehen lassen muß, ehe wir es zum Anzünden unserer Cigarre oder unseres Küchenfeuers verwenden können. Das Material besteht meist aus astfreiem Espen-, Fichten, und Tannenholz. Die einzelnen Holzklötze werden zuerst auf der Schälmaschine zu langen Bändern von Zündhölzchenstärke verarbeitet, sodann auf der Abschlagmaschine geschnitten. Aus dieser Maschine gehen die fertigen Hölzer, aber natürlich noch un- präparirt, hervor. Nachdem sie vollständig trocken geworden sind — denn das müssen sie sein, um sich später gut vollsaugen zu können — werden sie auf der Holzdrahtmaschine gereinigt, in der Ordnungsmaschine geordnet und sodann mittelst der Einlegemaschine in den Rahmen gespannt. Ein einziger Rahmen faßt etwa 2000 Hölzchen, die so in ihm befestigt sind, daß jedes Hölzchen durch einen leeren Raum von seinen Nachbarn getrennt bleibt. Der Rahmen wird mittelst eines Schraubengewindes so fest zusammengepreßt, daß kein Hölzchen herausfallen kann. In dieser Lage werden die Hölzchen getunkt oder imprägnirt, was auf die Weise geschieht, daß die Rahmen mit den gleichmäßig vorstehenden Hölzchen zuerst in geschmolzenen'Schwefel oder Paraffin und sodann in die Zündmaffe getaucht werden. Wiederum läßt man nun die Hölzchen trocknen, worauf die Rahmen mit Hilfe einer weiteren, der Auslegemaschine, entleert werden. Sie wandern dann in die Füllmaschine, welche die Verpackung in die Schachteln besorgt- einer weiteren Maschine liegt das Einpacken in Papier ob. Da nun auch zur Herstellung der Schachteln selbst eine besondere Maschine erforderlich ist, so bedarf es im Ganzen der Anwendung von neun Maschinen, um ein so kleines, unscheinbares Ding wie ein Streichhölzchen für den Gebrauch fertig zu machen. Noch immer gilt die Fabrik Jönköping als die größte, da sie täglich gegen 50 Millionen Stück liefert- doch blüht z. Zt. auch die Zündholzfabrikation in Deutschland, Oesterreich, Japan und Rußland, und besonders einige deutsche Firmen, wie die Sebold'sche Maschinenfabrik in Durlach, haben sich um die Fortbildung der Fabrikation durch Construction zweckmäßiger Maschinen verdient gemacht.
Humoristisches.
(EmP f ehle ns w er th.) Er: „Wo soll unser Rendezvous stattfinden?" — Sie: „Wie wärs auf dem Standesamts
Redaktion I. B.: Hermann Elle. — Druck und Verlag der Brühl'schen Univeriitüts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Schevda) in Gießen


