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* Der Knecht, der ihn zu holen gegangen war, hatte ihn unweit von Rapshagen getroffen, denn der Mann pflegte am Sonntag einen Rundgang zu machen und einen Theil seiner Kundschaft zu besuchen, der an Wochentagen schwer zu Hause anzutreffen war.
Er erklärte jeden Wiederbelebungsversuch für eine völlig aussichtslose Thorheit und stellte mit wichtiger Miene und großer Sicherheit fest, die Todte müsse schon paar Stunden im Wasser gelegen haben.
„Ich hab's gesagt!" stöhnte der Amtmann, der wieder hinzugetreten war und rang fassungslos die Hände. „Mein
■> liebes, liebes Annachen! Mein armer Adolf!"
Schluchzend beugte er sich über die Leiche. Kopfschüttelnd stießen sich die Leute an. Das hätten sie ihrem harten, polternden Herrn gar nicht zugetraut. Es sah ja wirklich aus, als habe er das Fräulein lieb gehabt und hatte sie doch so viel geplagt und gescholten. Erst heute früh noch hatte er ihr den Aufemhalt im Freien nicht gegönnt.
„Bringt mir das Vieh aus den Augen, grabt es ein, damit ich es nie wieder zu sehen bekomme!" schrie jetzt Göbener und zog den Fuß zurück, als habe er glühendes Eisen berührt/ er war damit gegen den Papagei gestoßen, der nicht weit von Anna am Boden lag.
Krischan, der zweite Knecht, hob den Bogel auf und trug ihn bei Seite, der Bader sagte aber:
„Wir wollen die Todte doch ins Haus tragen."
„Und müssen wir nicht nach Fuchsberg schicken und es der Frau sagen lassen?" fragte die Großmagd.
Göbener wehrte mit beiden Händen! Nein, nein, meine Tochter könnte von dem Schreck auch den Tod haben. Und was wird meine Frau sagen? Sie hatte ja die künftige Schwiegertochter so sehr lieb!"
(Fortsetzung folgt.)
t Die „Säkechets-Tändstickor".
1848—1898»
Von Friedrich Thieme.
------- (Nachdruck verboten.)
Welchen Werth besitzt heutzutage ein Zündholz? Gar keinen. Es ist die nichtigste der Nichtigkeiten. Fünfzig oder gar hundert kosten einen Pfennig. Wozu also damit geizen? Fängt das Erste nicht Feuer, so vielleicht das Zweite oder Dritte, und oftmals brennt ein ungeduldiger Raucher nach einander gar ein Dutzend ab, bevor die bläuliche oder gelbröthliche Flamme seine Cigarre in vergnüglichen Brand steckt. Warum also davon Notiz nehmen, daß wir im Jahre 1898 das fünfzigjährige Geburtsjubiläum der jetzt beliebtesten Zündhölzchen, der sogenannten schwedischen, begehen? Und doch — was wären wir ohne dieselben? Was ohne Zündhölzchen überhaupt? Die Frage, was die Menschen ohne Feuer anfingen, wollen wir gar nicht erst aufwersen, denn das wäre zu weit ausgeholt. Aber schon der Raucher, der sein Feuerzeug daheim gelassen hat und keiner feuerführenden Seele auf seinem Spaziergange begegnet, lernt den Werth eines Zündhölzchens schätzen/ und wenn er Zufällig noch ein einzelnes in seiner Westentasche findet, so geht er so vorsichtig und feierlich damit zu Werke, als ob ♦ es sich um etwas besonders Kostbares handelt. Noch
kritischer gestaltet sich die Sache, wenn man ä la Robinson auf eine einsame Insel verschlagen worden ist und glücklicherweise noch oder unglücklicherweise nur noch ein einziges Streichhölzchen im Besitz hat. Da erlangt das eine Streichhölzchen, das man sonst achtlos von sich warf, plötzlich die Bedeutung eines unersetzlichen Kleinods, das man, wenn es unter besagten Umständen einen Marktwerth haben könnte, dem Eigenthümer nicht blos mit Gold aufwiegen, sondern für das man mit Freuden das Tausendfache seines Gewichts in Gold bieten würde. Ohne Feuer kein Leben! Da hängt der Blick voll Spannung an dem unscheinbaren Gegenstand,
zitternd reibt die Hand ihn und unendlich vorsichtig an einem sorgfältig ausgewählten Stoffe / der Athem wird zurückgehalten, damit er das schwache Flämmchen nicht erlösche. Dann sehen wir ein, was das Zündhölzchen für ein wichtiges Culturwerkzeug ist — eine von den vielen Wohl- thaten der Technik, die wir als etwas Selbstverstiindliches hinnehmen, ohne darnach zu fragen, woher sie kommt und wem wir sie verdanken. Kennt doch die undankbare Menschheit, so wenig sie sich sonst die Gelegenheit zu einer Feier entgehen läßt, vielfach nicht einmal die Geburtsjahre der bedeutungsvollsten Entdeckungen und Erfindungen, von den Geburtstagen und den Namen der Erfinder ganz zu schweigen.
Um voll und ganz den Werth unserer modernen Feuererzeugungsmittel zu schätzen, muß man wissen, welch' ein unendlich schwieriges Geschäft in früheren Zeiten die Feuerbereitung war, wie sorgfältig man den werthvollen Prometheus- funken bewahrte und verpflanzte, je von Hütte zu Hütte, von Dorf zu Dorf weiterlieh, wie wir jetzt ein Buch oder eine Maschine, und welch ein Unglück der Verlust der wärme- und lichtspendenden Flamme war. Besondere Personen waren speciell zum Zwecke der Feuerbewahrung angestellt, ja das Feuer ward zum Gott, der Feuerdienst zum Cultus, die damit Betrauten zu Priestern und Priesterinnen. Und die Zeit, wo die Feuererzeugung so schwierig war, liegt nicht etwa weit zurück: noch zu Anfang unseres Jahrhunderts sahen sich die Culturvölker auf Feuerstein, Stahl und Schwamm angewiesen. Es mußte erst der Verbrennungs- proceß überhaupt näher erforscht werden, bevor die Möglichkeit, Feuer auf anderem als dem Primitiven Wege der Reibung zu erzeugen, den Gelehrten sich bot.
Wir lächeln, wenn wir lesen, daß die Wilden sich vermittelst der Reibung zweier Hölzer Feuer machen. Vergeblich versuchen wir, dies nachzuahmen, denn erstens eignet sich nicht jede Holzart zur Ausführung, und zweckens verlangt t dieselbe auch einen gewissen, durch Uebung bedingten Kunstgriff, der uns abgeht. Die Thatsache aber steht fest, wenn auch bereits in uralter Zeit bei allen sich entwickelnden Völkern der bequemere Feuerbohrer die Methode der Hölzchenreibung verdrängte. Der Handfcuerbohrer besteht, wie E. B. Tylor berichtet, aus einem Pfeilförmigen Stück Holz mit stumpfer Spitze, welches zwischen den Händen in schnelle Drehung versetzt und zugleich gegen ein zweites Holzstück gedrückt wird, so daß in das letztere eine Vertiefung eingebohrt wird und sich der durch das Bohren erzeugte Kohlenstaub entzündet. Als Zünder benutzte man Moos, trockene Blätter oder manche Pilzarten, wie man deren Ueberreste in den schweizerischen Pfahlbauten gefunden hat. Der Feuerbohrer ist noch jetzt bei einzelnen wilden Völkern im Gebrauch, auch die Römer benutzten ihn noch bis in das erste Jahrhundert nach Christi/ selbst als sie bereits die Kunst des Feuerschlagens vermittelst des Feuersteins verstanden, diente derselbe noch zur Entzündung des heiligen Feuers der Vesta. Noch heute entzünden die Brahmanen ihre Opferfeuer mittelst des Feuerbohrers, weil die auf andere Weise erzeugte Flamme als nicht würdig hierzu gilt, und in Schweden und einigen anderen europäischen Ländern besteht noch heute der Gebrauch, bei besonderen Gelegenheiten Feuer auf diese Weise hervorzurufen. So bei Viehseuchen, wo man die Thiere dadurch vor der Seuche zu schützen glaubt. Noch 1876 wurde in Perth, wie Ranke mittheilt, ein solches Feuer entzündet. Die alten Römer bedienten sich vorher des Epheu- und Lorbeerholzes, später kam der Feuerbohrer in Gebrauch, der natürlich im Laufe der Zeit mannigfache Verbesserungen erfuhr, bis er schließlich durch Feuerstein und Eisenkies verdrängt wurde. Nicht zu ver- gessen ist das während der Regierung des Titus aufgekommene Verfahren, die Spitze eines Schwefelstengelchens in vermodertes Holz zu stecken und durch Reiben an Steinplatten in Brand zu setzen. Das war schon ein Uebergang zu den chemischen Zündmitteln, und doch sollten noch


