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ie Erde sagt es den Lerchen an, Daß der Frühling gekommen sei. Da schwingen sie sich himmelan Und singen es laut und frei.
Es hört's der Wald, es hört's das Feld, Die Wiesenblumen und Quellen,
Und endlich hört's die ganze Welt, Auch der Mensch in seinen Zellen.
Hofsmann v. Fallersleben.
Der Amtmann von Rapshagen.
Criminal-Roman von F. Arnefeld.
(Fortsetzung.)
Die Großmagd berichtete ihm jetzt, was sie von der alten Suse erfahren hatte, während diese sich furchtsam in einen Winkel drückte, und Göbener schrie, mit dem Fuße stampfend:
//Das ist ja eine saubere Bescheerung, sieht beinahe aus, als wäre sie durchgegangen!" und er schlug ein böses, heißeres Lachen auf.
„Der Braten auf der einen Seite roh und auf der anderen verbrannt, solche schöne Hammelkeule, ist ja eine Sünde und Schande!" fuhr er fort, nachdem er die Thür des Bratofens geöffnet und hinein geblickt hatte,- „da stehen die Pflaumen und der Reis noch, roh, wie sie eben in den Topf gethan sind, und das Fleisch ist nicht angekocht. Na, warte, mein Herzchen, Du sollst den alten Göbener kennen lernen."
„Weißt Du denn nicht, wo sie steckt?" drang er auf die Alte ein, welche nur den Kopf schüttelte.
„Hast wohl hier auch geschlafen wie ein Murmelthier, sonst müßtest Du sie doch gesucht haben." Er packte sie heftig am Arm.
„Hab' im ganzen Haus gesucht, da ist sie aber nicht!" wimmerte die Alte, machte sich von ihm los und rieb sich die schmerzende Stelle.
„Aber nach dem Garten ist sie nicht gegangen," legte sich Anneliese, die Großmagd, ins Mittel, „und wir haben Fräulein Annechen, als wir in die Kirche gingen, dort sitzen gesehen."
„Auf dem Rückweg sind wir durchs Hofthor gekommen"
fügte die Kleinmagd hinzu und der Amtmann erwiderte i spöttisch:
j „Du meinst wohl, Ihr hättet sie sonst wecken können, - sie wird bei ihrem Buche eingcnickt sein. Na, warte, ich i will Dich lehren! Zum Lesen und mit Deinem Vogel j Possen zu treiben, halte ich Dich hier wahrhaftig nicht in = Rapshagen. Das kommt aber davon, wenn die Frau aus dem Hause geht und solch unreifem Dinge die Wirtschaft überläßt."
Die letzten Worte, deren Ungerechtigkeit Niemand besser zu beurtheilen wußte, als die Mädchen, welche täglich Zeugen von Annas Fleiß und Umsicht waren, murmelte er nur halblaut, während er durch die Hinterthür schritt, um nach dem Garten zu gehen.
„Komm mit!" sagte die Großmagd zu ihrer Nebendienerin, „ich muß sehen, was aus dem Fräulein geworden ist."
j //Er wird zanken!" antwortete diese mit einer bezeichnenden Geberde nach der Richtung, in welcher Göbener verschwunden war.
Anneliese zuckte geringschätzig die Achseln. „Das thut er ja so wie so. Ich muß wissen, was aus dem Fräulein geworden ist, das kann ja gar nicht mit rechten Dingen zugehen." a
'/Aber Anneliese, Du kannst einem ja ganz gruselig machen! rief die Kleinmagd, und der soeben hinzukommende Knecht fragte:
„Was soll denn einem Menschen am Hellen Vormittag hier geschehen?"
."Ach/ es treiben sich Strolche herum!" seuftze die Großmagd.
„Dem wär's schlecht ergangen, der auf den Hof gekommen wäre, ich hatte den „Faßan" losgemacht," erwiderte der Knecht, schloß sich aber den beiden Mägden an, die ihren Weg nach dem Garten nahmen.
Sie fanden den Amtmann neben dem Tisch unter dem Apfelbaum stehen und zwar so voll Verwunderung, daß er darüber vergaß, über ihr Kommen zu schelten- er schien es vielmehr für etwas Selbstverständliches zu halten und gar nicht ungern zu sehen.
„Was soll man nun davon eigentlich denken?" rief er, auf den offen stehenden Bauer deutend, „der Vogel ist fort und das Mädchen auch!"
Die Dienstboten schauten mit offenem Munde und erschrockenen Mienen den leeren Bauer, ihren Dienstherrn und sich untereinander an, vermochten aber auf seine Frage


