Ausgabe 
19.7.1898
 
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mit großer Schnelligkeit über die Früchte, stürzten sich dann wie der Blitz auf eine der mit ihrer süßen Arbeit beschäf­tigten Bienen, und in einer Sccunde war das blutige Werk beendet. Mit ihren gewaltigen Kiefern trennten die Hornisse den Leib ihres noch lebenden Opfers am Vereinigungsstücke von Vorder- und Hinterleib in zwei Stücke, worauf sie die­selben verzehrte, oder auch ein Stück mit sich forrttrug.

Jedenfalls ist die Hornisse das einzige Jnsect, welches Raublust und Blutgier in gleicher Weise verbindet, sodaß sie mir vollem Rechteder Tiger unter den Jnsecten" genannt werden kann.

GeineinnützigeO.

Anbau verhagelter Felder reicht es im Monat Juli noch zur Saat von Weißrüben, Wickfutter mit Erbsen, Buchweizen, Spörgel und weißem Senf zu Grünfutter. Bis gegen die Mitte dieses Monats können noch Runkeln, Kohl­rüben und Tabak gepflanzt werden, auch kann man Buch­weizen zum Reifwerden, sowie Frühmais zu Grünfutter säen. Auch mit dem Anbau von Johannisroggen, der dann in kräftigem Acker noch im Herbstgrünfutter und nächsten Sommer bet etwas Nachdüngung doch eine gute Körnerernte liefert, ferner mit Jncarnatklee, welcher bei kräftigem Boden in milden Gegenden bis Mitte oder Ende Mai des nächsten Frühjahrs einen starken Schnitt giebt, geht es noch.

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Das Saufenlaffen erhitzter Pferde ist gefährlich. Wenn ein erhitztes Pferd nach dem Saufen nicht in Be­wegung gesetzt wird, so stellen sich in vielen Fällen Zittern, Bauchkrämpfe und Brustfellentzündung ein, was eine Folge der plötzlichen Abkühlung ist. Wenn aber das erhitzte Pferd gleich nach dem Trinken des kalten Brunnenwassers in eine schnelle Gangart versetzt wird, so pflegen die'e Erscheinungen nicht einzutreten- denn das Wasser erwärmt sich bald in den Eingeweiden und nimmt deren Temperatur an. Das beste Mittel, erhitzte und in den Stall gebrachte, also nicht mehr scharf arbeitende Pferde ohne Nachtheil zu tränken, besteht darin, daß man ihnen stets warmes Wasser vorsetzt. Das­selbe ist sehr gesund und befördert die Thätigkeit der Ge­därme, Pferdebesitzer, welche dieses Verfahren anwandten, haben bekundet, daß bei ihren Pferden innere Krankheiten zu den Seltenheiten gehören. Zu bemerken ist noch, daß das Wasser wirklich warm und nicht lau sein darf- denn letzteres ist ekelerregend und wird daher nur ungern von den Pferden genommen.

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Wenn Pferde aus der Eisenbahn transportirt werden sollen, dann bestreue man den Boden des Wagens mit einer dichten Lage von Sand oder Sägemehl. Die Pferde müssen gut angebunden werden. Sollen edlere Pferde trans­portirt werden, dann sollte der Wagen mit Strohmatten ausgepolstert sein. Bei edlen Pferden empfiehlt sich auch das Bandagiren und Anlegen von Kniekappen. In einem Kastenwagen kann man ohne Schaden vier edlere und etwa sechs gemeine, ruhige Pferde unterbringen. Niemals soll man vergessen Nachts eine brennende Laterne an der Wagen­decke aufzuhängen. Unterwegs füttere man die Pferde mit Hafer und Heu. Als Getränk empfiehlt sich Kleientränke. Das Getränk soll nicht zu kalt sein, da sonst die Pferde auf dem Transporte gerne Durchfälle bekommen. In der heißen Jahreszeit nimmt man am besten einen größeren Wasser- vorrath in Kufen mit und läßt ihn vor der Verwendung einige Zeit stehen, bis das Wasser sich etwas erwärmt hat. Beim Einladen nimmt man die widerspenstigen Pferde am besten in die Mitte. Vor dem Einladen in den Wagen, soll man ganz widerspenstigen Pferden, die gerne in die Höhe

steigen, die Augen verbinden. Die Pferde steigen nämlich mit verbundenen Augen nicht leicht in die Höhe. Bei dem Höchsteigen überschlagen sie sich aber sehr gerne, oder sie ver­letzen sich häufig unter der Wagenthüre am Genick.

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Getreide als Hühnerfutter. Vielfach ist man noch der Ansicht, schlechte bezw. verdorbene Futtermittel seien für Schweine, Hühner u. s. w. noch sehr geeignet und man er­ziele mit denselben immer noch gutes Fleisch und gute Hühner­eier. Es ist dies ein großer Jrrthum. Verdorbene, ver­schimmelte, dumpfig oder sonstwie riechende Futtermittel sind nicht allein der Ge undheit der Thiere höchst nachtheilig, sondern geben auch dem Fleisch bezw. den Hühnereiern einen schlechten Geschmack. Will man jedoch verschimmelte, dumpfige Getreidekörner an Hühner verfüttern, so muß man die Körner vorher mit kochendem Wasser abbrühen, damit sie die ver­dauungsstörende Wirkung und den fremden Beigeschmack ver­lieren und von den Thieren lieber ausgenommen werden. Von den Getreidekörnern wird vielfach die Gerste als das eigentliche Hühnerfutter betrachtet, auch wird sie vom Ge­flügel gern genommen. Sollte letzteres nicht der Fall sein, so wird dies nicht selten durch Einquellen der Gerste erreicht. Im Winter ist es zweckmäßig, Morgens mit heißem Wasser gebrühte oder gekochte Gerste in noch warmem Zustande zu verabreichen. Auch ist Gerstenschrot zur Herstellung von Weichfutter geeignet- angekeimte Gerste oder Malz wird von den Hühnern ebenfalls gern genommen. Weizenkörner sind leichter verdaulich und für legende Hühner sehr zu empfehlen. Hafer eignet sich besonders für junges aber auch für Lege­geflügel, da er fördernd auf das Eierlegen wirkt. Der Roggen wird von den Hühnern in trockenem Zustande nicht gerne gefressen, lieber nehmen sie denselben im eingeweichten Zustande. (Das Gleiche ist mit den sehr nährstoffreichen Hülsenfrüchten der Fall. Nur die Erbsen bilden ein beliebtes Hühnerfutter.) Der Mais eignet sich als wärmendes Winter­futter, sowie zur Mast. Alleinige Maiskörnerfütterung macht die Legehühner zu fett. Maisschrot paßt auch zu Weichfutter, insbesondere Mastgeflügel. Den Buchweizen kann man als gutes Hühnerfutter empfehlen.

Humoristisches.

Modern. Dame (zur neu eintretenden Köchin): Können Sie auch Fahrräder putzen?" Köchin:Nein, gnädige Frau, aber ich kann Ihnen die Adresse geben, wo ich das Reinige putzen lasse!"

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Merkwürdig. A.:Haben Sie schon gehört, unser Freund Menzel ist gestern ertrunken!" B.:Das ist aber merkwürdig." A.:Was ist denn?" B.:Na, ich habe vor zehn Minuten mit Menzel gesprochen, und er hat mir nicht 'ne Silbe davon erzählt!"

Literarisches.

Zu -en Mutterpflichten gehört es, den Heranwachsenden Töchtern Gelegenheit zu bieten und dieselben dazu anzuhalten, practische Kenntnisse im Schneidern und Zuschneiden zu erwerben. Das Können auf diesem Gebiete wird im ganzen Leben von Nutzen sein, mag es nun dazu dienen, die Herstellung einer geschmackvollen Garderobe zu über­wachen oder dieselbe selbst herzustellen. Um etwas Ordentliches zu er­lernen, empfiehlt es sich sehr, sich der vorzüglichen und erprobten Lehr­werks und Hilfsmittel zu bedienen, die in reicher Auswahl in dem renommirten VerlagEuropäische Modenzeitung, Dresden" erschienen sind. Kein geeigneteres Geschenk giebt es, als der daselbst neu er­schieneneLeitfaden für die moderne Damenschneiderei" (geb. 1 Mark) oder das vorzügliche Lehrwerk:Die Perfects Schneiderin" (6 Mark). Prospecte werden auf Verlangen gern zugesendet.

Siedaction: E. Burkhardt. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.