Ausgabe 
19.5.1898
 
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Das Schneiden der Haare. Eine eingehende Prüfung der alten und weitverbreiteten Annahme, daß das Schneiden der Haare ihr Wachsthum befördere, enthalten die soeben erscheinenden Sitzungsberichte der Niederrheinischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde von Professor Schiefferdecker und Herrn Bischoff in Bonn. Im Jahr 1893 hatte Remesow in Petersburg aus Versuchen an Hunden und Kaninchen eine Beförderung des Haarwuchses durch Schneiden der Haare nachweisen und schließen können, daß das Schneiden und noch mehr das Rasiren an sich einen Reiz der Pupille zuführe. Es war also die Frage, ob dieser Reiz durch die Hautnerven geleitet werde, in welchem Falle das Haar kein todtes Ge­bilde sein konnte, oder ob er durch den Kältereiz an der kahlen Stelle hervorgerufen wurde. Im ersteren Falle hatte man das, beim Menschenhaar freilich vielfach fehlende Mark als die lebendige Substanz im Auge, das bei den Versuchs- thieren als sehr gut entwickelt ist. Bei den Bonner Ver­suchen wurden nun außer Hunden und Kaninchen auch das hierfür besonders geeignete Schwein gewählt und die Haare zum Theil so geschnitten, daß das Mark noch nicht getroffen wurde, zum Theil so, daß es ein- oder mehrere Male ge­troffen wurde,- auch wurden die Tasthaare gleichzeitig ge­schnitten. Das überraschende Ergebniß der Untersuchung war, daß sich überhaupt kein Einfluß des Schneidens auf das Wachsthum der Haare zeigte. Die Zählung der. Haare auf der Seite am Thiere, wo sie geschnitten waren, ergab nahe dieselben Zahlen, wie die Zählung auf der Controll­seite. Es geht aus dieser (im Archiv für Mikroskop. Anatomie) ausführlich erscheinenden Arbeit hervor, daß man mit ziem­licher Sicherheit annehmen kann, daß das Schneiden keinen Einfluß auf das Wachsen der Haare ausübt, und daß kein Theil des Haares die Fähigkeit besitzt, einen solchen (Schnitt-) Reiz weiterzuleiten.

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Vom Pflanzen. Schon jetzt ist Bedacht darauf zu nehmen, welche Gemüsearten später nach den abgeräumten Erbsen zu bauen sind. Werden letztere bis Mitte Juni ent­fernt, so können die Erbsenbeete bestellt werden mit Blumen­kohl, Weißkohl, Wirsing, Rosenkohl, Kraus- oder Winterkohl, Kohlrabi, Kohlrüben, Frühkarotten, Schwarzwurzel, Kopf­salat, Sommer- und Winter Endivien, Sommer- und Winter- rettigen, Speiserüben, Poree, Majorann und anderen Würz­kräutern. Alle diese Gemüsearten können bis zum Herbste sich entwickeln und eine Ernte geben, Schwarzwurzel aus­genommen, die erst nächstes Jahr brauchbare Wurzeln liefert. Wo man dem Boden keinen Stalldünger giebt, muß man im Laufe des Sommers und im Herbste fleißig mit Jauche oder sonstigem flüssigen Dünger nachhelfen. Das Aufbringen von Composterde auf die Erbsenbcete an Stelle des Mistes ist ebenfalls gut. Werden die Erbsenbeete erst gegen Mitte Juli oder noch später leer, so thut man am besten, wenn man sie nur mit Rapünzchen, Spinat oder Perlzwiebeln bestellt.

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Schävlichkeit -es Rasens unter -en Obstbänmen. Rasen unter den Obstbäumen ist den letzteren insofern schädlich, als die Graspflanzen dem Boden sowohl die Feuchtigkeit wie die zum Gedeihen der Obstbäume erforder­lichen Nährstoffe entziehen. Der beraste Boden verdunstet weit mehr Wasser, als jener ohne Raiendecke, und die Obst­bäume verdorren um so leichter, je geringer die wasser­haltende Kraft des Bodens ist, und je weniger tief die Wurzeln der Obstbäume in den Boden eingedrungen sind. Auf Sandboden und unter jungen Obstbäumen ist daher die Bedeckung des Bodens mit Rasen besonders gefährlich/ man halte deshalb den von der Kione des Baumes überragten Theil des Bodens stets vom Rasen frei. Tieswurzelnde Pflanzen, wie Luzerne bringen die jungen Obstbäume noch leichter zum Absterben als Gräser.

Spargel aufzubewahre«. Man hat verschiedene Methoden, den Spargel frisch aufzubewahren. Ein sehr ein­faches Verfahren besteht im Aufbewahren in Kleie. Der Spargel wird rein gewaschen und mit einem Tuche gut ab­getrocknet. Dann nimmt man getrocknete Kleie mit bräunlich geröstetem Salz, bringt davon zu Unterst in einen Topf, legt darauf eine Reihe Spargel, dann wieder eine Lage Kleie und geröstetes Salz, dann wieder Spargel u. s. f., bis der Topf ziemlich voll ist. Die oberste Schichte muß aus Kleie bestehen, wird etwas festgedrückt und dann der Topf mit zerlassenem warmem Fett begossen. Das letztere dient dazu, die Luft von dem Inhalte abzuschließen. Der Topf wird an einem trockenen, aber kühlen Ort ausgestellt.

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Gegen Ungeziefer ans Rosen. Man sammle alle Cigarrenstummel und sonstigen Tabaksabsall aus der Pfeise, ohne Asche, in ein Gefäß mit einem Deckel und begieße diese Abfälle öfter mit der Flüssigkeit aus dem Pfeifenabguß und lasse immer Alles zusammen, unter mehrmaligem Durchmischen gut austrocknen/ darauf zerreibe man diesen Tabak zu einem feinen Staubmehl/ ich benutzte zu diesem Zweck mit großem Vortheil eine abgelegte Pfeffermühle. Diesen Staub nun, des Morgens, wenn die Blätter noch bethaut sind, auf und unter dieselben gespritzt, vertreibt und vernichtet, ohne den Pflanzen selbst irgendwie zu schaden, alles Ungeziefer von denselben, und was von den Blättern auf die Beete abfällt, säubert diese von Erdflöhen und anderem Geschmeiß. Eine Spritze, wie man sie im Hause zum Zerstäuben desJnsecten- pulvers gebraucht, würde auch hier von großem Nutzen sein.

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Wie eine Maibowle gebraut wir-? Das weist Jeder und doch weiß er es nicht. Zum Trost in dieser Maikühle lassen wir hier das Recept des bekanntenBlumen- Schmidt" in Erfurt folgen: Man hole sich vom Waldmeister vor der Blüthe die ersten feinen Spitzen, da die Blüthe den Dust des edlen Krautes um ein Wesentliches erschöpft. Eine Handvoll lasse man sechs Stunden in einen Achtelliter Sherry ziehen und hat dann etwas ganz besonders Gutes für Feinschmecker und Kenner zum Anrichten einer Maibowle/ ein halber Thee- löfstl des Extractes genügt für eine Flasche Wein, natürlich Rhein- oder Moselwein, wenns ganz was Liebes werden soll.

Humoristisches.

Schlechte Ausrede. Frau (welche ganz unverhofft ihrem Mann begegnet):Aber warum hast Du denn Deinen Ehering herunter?" Mann: Ach bei der Hitze!" * *

Sergeant (an dem Helm eines Soldaten eine kleine Beule findend):Ra, nu' wird's Tag kommt der Kerl mit einem Chapeauclaque zum Appell!" # *

Ermuthigende Drohung. Arthur: «Wenn mir jetzt nicht auf dem Tandem säßen, würde ich Sie umarmen und küssen." Hilda:Wenn Sie das noch einmal sagen, steige ich ab!" * *

Erster Gedanke. Lieutenant Robinson rettet bei einem Schiffbruch das nackte Leben auf eine wüste Insel. Nachdem er sich etwas erholt und den Zustand seines Körpers recognoscirt hat, bricht er in die Klage ans:Fatal, fatal: Monocle verloren!"

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Tiefsinnige Betrachtung des stud. med. Süffel. Es läßt sich viel leichter von der Leber als über die Leber sprechen.

Redaction: E. Burkhardt. Truck und Verlag der 581-iil)l'fden Unwersitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.