Nr. 76
Äonnerstag den 19. Mai
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fä wollten um das Lenzerwachen Drei Freunde eine Lustfahrt machen, Da wendete der Eine ein:
„Es muß der Tag erst länger sein!" Und als sie wieder Rathschlag hatten, Der Zweite sprach: „Es fehlt an Schatten!" Doch als sie zechten bald in Schweiß, Der Dritte sprach: „Es ist zu heiß!" So war, noch eh' sie sich verglichen, Der schöne Lenz auch schon verstrichen.
Martin Greif.
Das Fräulein.
Roman von E. Ve ly.
(Fortsetzung.)
In früheren Jahren hatte sie gern glänzende Feste im eigenen Hause gegeben/ wenn man dieselben noch lange nachher in der Gesellschaft, an der Börse, in ganz fernstehenden Kreisen besprach, so war ihr das wie eine Art schuldigen Tributs erschienen. Dann hatte sie auch daran die Lust verloren und jedesmal, wenn eine gesellschaftliche Verpflichtung größerer Art an sie herantrat, erfüllte sie das mit Unmuth, wehrte sie sich mit tausend Gründen gegen ihren allzeit gastlich gesinnten Mann. Nun stand die letzte große Gesellschaft der Saison bevor — und als diesmal der Consul, die Einladungsliste in der Hand, zur Frühstücksstunde in ihr Zimmer trat: „Ebba, es wird nun die höchste Zeit," ganz auf allerlei Widerstand vorbereitet, sah sie lächelnd von einem Buche über englische Krankenhäuser in die Höhe und nickte: „Bestimme nur, ich bin einverstanden."
Herr Conrad warf einen fragenden Blick in den Spiegel, der ihm gegenüber hing — ja, war er denn das selber in dem Jacket letzten Schnitts und der neuen Cravatte? und da seine eigensinnige, kleine Frau? —
„Aber Ebba, das ist so außerordentlich —"
„Was Du Deinen Gästen bieten wirst, Conrad? — warum soll es das nicht sein?"
Er hütete sich, sie zu corrigiren und schob die Liste hin.
„Wenn Du streichen willst —"
„Aber bitte, nein —" nur eine Secunde neigte sie sich suchenden Blickes über das Blatt und da stand ja der Name,
dem das galt. Alle die anderen waren ihr doch gleichgiltig, nichts, als Staffage für ihn.
Conrad Lund beeilte sich, das Papier wieder an sich zu ziehen, damit nicht, wie früher so oft, ihr rosiger Finger andeute: Die sind wirklich fortzulassen.
„Also — einverstanden! Ich nehme Dir nach Möglichkeit die Last ab — Du wirst, wie gewöhnlich, nur schön zu sein haben — was Du ja gar nicht anders kannst."
Und der Abend kam — weithin durch den Garten schimmerten die electrischen Lampen, die weiße Villa war in Tagesglanz getaucht — drüben die kahlen Bäume des Thiergartens bekamen noch ihren Theil des Lichtreflexes und ganz phantastisch ragten sie mit geraden Wipfeln und krummen Aesten auf.
An der Außenpforte stand ein Portier in rother Kleidung und einem Tressenhut, die anfahrenden Wagen zu dirigiren — mit Würde hob und senkte er den Stab mit dem dicken Knauf.
Vor dem Hause selber war ein türkisches Zelt errichtet, unter dem hielten die Equipagen und die Droschken verschiedener Klassen, und die Damen schlüpften daraus hervor und setzten die feinbeschuhten Füße auf die Teppiche. Blumen und Grün am Eingang, im Vestibül, auf den Treppen, Diener in übergroßer Menge, auch eine Decoration in ihrer Livree bildend, und dann ein Wogen, Summen, Rauschen von Schleppen, Blitzen von Diamanten, Fächerwehen — immer neues Kommen, immer frisches, freundliches Begrüßen.
In dem Vorzimmer schlüpfte Doctor Hallsberg aus seinem Ueberrock — da, vor den großen Spiegeln standen noch Damen, mit spitzen Fingern an den Frisuren ordnend, die Diamanten oder Perlen auf dem weißen Halse zurechtschiebend, noch hie und da ein zufriedener Blick über die eigene Erscheinung, ein forschender nach der Nachbarin, ein letztes Glattstreifen der langen Handschuhe--Und immer
aufs Neue wechselten und wiederholten sich die Bilder.
Die großen Gesellschaftsräume in dem unteren Stock kannte Bruno noch nicht — das war ein Leuchten und Glänzen, als er sie betrat, sorgsam einige gewaltige Schleppen vermeidend.
Zuerst das Händeschütteln mit dem Hausherrn, ganz „letzte Nüance" von dessen Seite, sein Auge suchte dann Frau Ebba. In der Mitte des Raumes stand sie, umgeben von einem großen Kreise. Wie sie s reizend aussah, im weißen griechisch geordneten Kleide, keinen Schmuck in den


