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und von dem bleibenden Nutzen, den er seiner Mitwelt dadurch zu erringen hoffte, halfen ihm über ave Klippen hinweg. Schon seine äußere Erscheinung hat günstig für ihn gewirkt. Seine schlanke Gestalt, ein freundlicher Ernst in seinen regelmäßigen Gesichtszügen, große, braune Augen mit dunklen, schattigen Brauen nahmen auf den ersten Blick für ihn ein. In seiner Wissenschaft steht er neben den Ersten aller Zeiten gleichberechtigt da, der Landwirth erkennt in ihm seinen Meister und auch die Physiologie räumt ihm einen Ehrenplatz ein, die Chemiker müssen ganz im Besonderen Liebig dafür danken, daß er es verstanden hat, der Welt klar zu machen, daß die Chemie eine Wissenschaft sei und -aß er es vermochte, dem Publikum Achtung vor ihren Errungenschaften einzuflößen. Die Menschheit im Allgemeinen nennt täglich seinen Namen und zehrt von seinen Schöpfungen.
Am 12. Mai 1877 ward dem großen Manne ein Denkmal, eine herrliche Broncebüste, in seiner Vaterstadt errichtet und auch die Städte München und Gießen besitzen prachtvolle Standbilder des großen Chemikers. Doch der Verstorbene durste von sich sagen:
Exegi monumentum, aere perennius.
G enreinnütziger.
Preisausschreiben! Bei dem Preisausschreiben für hervorragende Leistung hauswirthschastlicher Bedarfsartikel wurde der erste Preis Frau Marie Rettmastn in Düsseldorf für folgenden Artikel zuerkannt. Ach, Gott, da ist der Stopfkorb schon wieder voll, sagt die vielbeschäftigte Hausfrau, es ist doch wirklich schrecklich, wie sich in unserem Haushalt die schadhaften Strümpfe und Wäsche anhäufen I Das sind die Klagelieder fast aller Hausfrauen, die sich immer wiederholen, und je größer das Hauswesen, je mehr kann man sie hören. Noch vor l1^ Jahren sah auch ich mit vieler Verzweiflung auf den Stopfkorb nieder; doch in dem Gedanken, daß diese unliebsamen Stopfarbciten ja doch erledigt fein müssen, setzte ich mich jedes Mal zur Arbeit, aber keineswegs mit Luft und Liebe, denn das Stopfen, wenn es wirklich gut gemacht werden soll, geht keineswegs schnell vorwärts, nur zu langsam fließen die Stunden hin, die man den Stopfarbeiten widmen muß. Nein, ich stopfe lieber, außer den nothwendigen Strümpfen gar nichts mehr, das Leinenzeug lohnt sich wirklich nicht, spricht vorschnell manches Hausmütterchen, die Zeit, welche ich darauf zubringen muß, kann ich besser zu nützlicher Arbeit verwenden. Diesen vielleicht sonst sehr practischen Hausfrauen möchte ich das Wort reden, denn der heutige Fortschritt in der Arbeirs- industrie hat auch die geplagten Hausmütter mit einem Mittel bekannt gemacht, mit dessen Hülfe sie diese mühevolle und zeitraubende Arbeit schnell und gleichmäßig verrichten können; nämlich den vielfach prämiirten „Magie Weaver" Stopf- Apparat. Dies unvergleichlich vorzügliche Hülfsmittel zum Stopfen in jeglichen Stück- oder Webe Gegenständen, sah ich hier zuerst in einer Industrie - Schule für weibliche Handarbeiten, welche diesen Apparat, wie mir die Vorsteherin sagte, auf Empfehlung des Lette-Vereins in Berlin angeschafft hatte. Ich staunte über die Kunstfertigkeit und Schnelligkeit, mit welcher die Schülerinnen mittelst dieses Stopf-Apparats ihre Stopfarbeiten ausführten, und da ich hörte, daß der Preis dieses nützlichen Hülfsmittels, inet. Probearbeit mit Anweisung und Porto nur 3 Mk. betrug, ließ ich mir den Stopf-Apparat von S. Schub erts Versandhaus Berlin, Beuthstr. 17, welches den Vertrieb übernommen hat, zustellen, und ich kann sagen, ich habe keine Ausgabe im Haushalt weniger bereut, als diese, denn in den IV2 Jahren, während welchen ich den Stopf-Apparat benutzte, brauchte ich nicht mehr in die Klagelieder anderer Hausfrauen einzustimmen: Haben wir jetzt „Große Wäsche", so graut es mir nicht mehr an den Tagen vorher, denn die Stops-
arbeiten, welche ich früher mühselig in mehreren Tageis vollendete, sind jetzt mit Hülfe meines Apparates in wenigen Stunden erledigt; Strümpfe, Unterzeuge,Tischtücher,Servietten und Leintücher, die ich früher als unrettbar verloren, forträumte, dienen mir nun, nachdem ich sie in kurzer Zeit hübsch und fein gestopft habe, noch manches Jahr. Wenn manche sparsame Hausfrau diese kleine Ausgabe für den Magie Weaver Stopf-Apparat nicht scheut, so wird ihr auch manchmal gern die Heranwachsende Tochter die sich anhäufenden Stopfarbeiten abnehmen und dieselben ebenso gern verrichten, wie manche mühevolle Kunststickerei, die manchmal wenig Zweck hat und nur Zeit und Nerven beansprucht.
Aus dem „Practischen Wegweiser". Würzburg.
Wenn die Hühner Eier ohne feste Schale fasten laste«, trotzdem genügend Kalkstoffe, wie Eierschalen, Kalkmörtel, Muscheln, Sand und Erde im Laufraum vorhanden ist, so kann dieses Nebel in verschiedenen Ursachen begründet sein, z. B. innere organische Veränderungen, namentlich aber Fettsucht. Wenn im großen Ganzen das Geflügel nicht übermäßig mit Körnerfutter genährt wird, so kommen doch Fälle vor, daß in Folge geringer Bewegung oder einseitiger stickstoffreicher Fütterung Verfettung der Eierstöcke eintritt und die Legethätigkeit eine minimale wird oder durch unvollkommene Eier eine unerwünschte Aenderung erfährt. Man verschaffe seinen Hühnern freien Auslauf und damit genügende Bewegung, sowie die Möglichkeit, nach Be- dürfniß Grünfutter, Würmer, Jnsecten und dergleichen fressen zu können.
Vermischtes.
Das Handwerk. Die „Görlitzer Nachr." bringen unter diesem Titel folgendes Gedicht:
„Ein Handwerk soll der Bub' nicht treiben, Denn dazu ist er viel zu gut;
Er kann so wunderniedlich schreiben. Ist so ein feines junges Blut.
Nur ja kein Handwerk — Gott bewahre!
Das gilt ja heute nicht für fein: Und wenn ich mir's am Munde spare, Es muß schon „etwas Bessres fein!" Das ist der wunde Punkt der Zeiten. Ein Jeder will auf's hohe Pferd. Ein Jeder will sich nobel kleiden, Doch Niemand seinen Schneider ehrt. Der Hände Arbeit kam zu Schanden; Der Ärbeitsblouse schämt man sich. Das rächt sich noch in deutschen Landen, Das rächt sich einmal bitterlich.
Das Handwerk hat noch gold'nen Boden, Hält es nur mit dem Zeitgeist Schritt! Folgt es den Künsten und der Moden Und bringt man Liebe zu ihm mitt Wenn Bildung sich und Fleiß vermählen Und thut der Meister seine Pflicht, Mögt ihr es zum Beruf erwählen — Es ist das Schlechteste noch nicht."
Aus der Geograp hie stunde. Lehrer: „Alfred Meier, nenne Du mir 'mal die Nebenflüsse der Donau in Baiern." — A.: Meier: „Lech, Isar, Ammer, Regen." — Lehrer: „Richtig - aber ein paar hast Du noch vergessen. Fahre Du 'mal weiter fort, Rudolph Lehmann,- auf Regen folgt —" — R. Lehmann: „Sonnenschein!"
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Der feine Ton. „Heute fahren wir zweiter Klasse, sind lauter feine Leut' d'rin. Benehmt's Euch fein, verstanden! Der Erste, der sich ordinär benimmt, kriegt a Watschn, daß ihm der Rüssel anfschwillt wie a Luftballon!"
Redaktion: I. V.: Hermann Elle. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Schcyda) in Gießen


