Ausgabe 
19.3.1898
 
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ihrem Arm hängende Körbchen, in welchem ein Band Schiller lag.

Göbener lachte spöttisch auf, als er das Buch bemerkte: Freilich, muß Dich ja bilden, damit Du für den feinen Adolf paßt. Na, meinetwegen, bleib' draußen, das sag' ich Dir aber, komm' ich um zwölf Uhr nach Hause und das Mittag- brod steht nicht fix und fertig auf dem Tisch, dann werde ich sehr deutlich mit Dir reden!"

Zur Bekräftigung seiner Worte stieß er drohend den Stock auf den Boden und ging auf den Hof zurück, um durch das Thor auf die Landstraße zu gelangen, auf welcher dicht vor ihm bereits die beiden Knechte hinschritten.

Alter Griesgram! Spitzbub!" rief ihm erboßt, das Gefieder sträubend, der Papagei nach und kichernd stießen sich die beiden Mägde in die Seite. Sie hatten den Weg durch den Garten nehmen wollen und sich, als sie den Alten neben Anna erblickten, zurückgehalten, damit das Unwetter sich austobte und sich nicht auch auf sie entlade. Nun kamen sie hervor, grüßten Anna und machten sich beflügelten Schrittes von dannen, denn die Glocken stimmten bereits das zweite Geläut an.--

Der Herr Prediger in Reppenhagen, wo Rappshagen eingepfarrt war, hatte eine für das Verständniß seiner Zu­hörer sehr wohl geeignete Predigt gehalten, und erbaut und gestärkt machten sich die Gemeindeglieder auf den Heimweg, in kürzerer oder längerer Frist von den höheren Em­pfindungen zu den weltlichen übergehend und sich auf den Sonntagsbraten oder auch nur auf die Sonntagsklöße freuend.

Auch die Dienstboten vom Rappshagener Gutshof be­traten in solcher Stimmung das Haus ihres Dienstherrn, sahen sich aber in ihren Erwartungen schmählich betrogen. Weinend kam den in die Küche Tretenden die alte taube Suse entgegen, die wohl Handlangerdienste verrichten konnte, aber nicht im Stande war, eine Speise selbst zu bereiten und klagte ihnen, der Braten für den Herrn Amtmann sei nicht gar geworden und sie habe auch für sie das Pökelfleich und die Pflaumen mit Reis nicht kochen können.

Aber wo ist denn Fräulein Annechen?" fragten beide Mädchen wie aus einem Munde.

Weiß nicht, hat sich den ganzen Vormittag nicht sehen lassen," erwiderte die Alte.

Sie war im Garten, als wir fortgingen!" schrie ihr die eine Magd ins Ohr.Hast Du sie dort nicht gesucht?"

Susanne schüttelte, nachdem ihr die Frage zwei Mal wiederholt worden war, den Kopf.

Das ist mir nicht eingefallen. Wer geht denn Sonn­tags, wo man nicht zu pflanzen und zu jäten braucht, in den Garten? Da bleibt man doch lieber in der Stube. Hab' sie im ganzen Hause gesucht, aber da war sie nicht,- dachte, sie sei doch noch mit in die Kirche gegangen."

Die Mägde sahen einander verdutzt an. Eine solche Eigenmächtigkeit konnte doch nur die alte Suse, die nicht nur taub, sondern auch etwas einfältig war, der pflicht­getreuen, gewissenhaften Anna zutrauen. Was konnte ge­schehen sein, wodurch sie abgehalten worden war, in der Küche nach der Mahlzeit zu sehen? War es denkbar, daß sie vielleicht im Garten bei ihrem Buche etgeschlafen war?

Ehe sie noch darüber fertig werden und sich anschicken konnten, nach dem Garten zu gehen, erscholl aus dem Wohnzimmer Schelten und Toben. Den Hut auf dem Kopfe, den Stock in der Hand, mit stark bestaubten Stiefeln, trat der Amtmann in den Hausflur, an dessen Ende die Küche lag.

Was ist denn das für eine niederträchtige, loderige Wirtschaft?" schrie er, vor Zorn ganz roth im Gesicht. Habe ich Dir nicht gesagt, punkt zwölf soll das Mittags­essen fertig sein? Jetzt ist's halb ein Uhr und noch kein Tisch gedeckt. Was hast Du getrieben, Anna?"

Er trat auf die Schwelle der Küche, schaute sich in dem großen, Hellen Raum um und fragte, womöglich noch erboster:

Nicht hier? Wo steckt denn die Dirne'? Da soll doch gleich"

(Fortsetzung folgt.)

Aus demPraktischen Wegweiser". Würzburg.

Staubablagerungen auf den Wedeln der Palmen verhindern die Athmung derMlätter, weshalb die öftere Reinigung durch vorsichtiges Abwischen mit einem feuchten Schwamm oder Abpinseln mit einem weichhaarigen Pinsel ebenso nothwendig ist, wie die tägliche Waschung des mensch­lichen Körpers. Das Ueberbrausen mit reinem, warmen Wasser sollte unbedingt nachfolgen. Diese öftere Reinigung verhindert auch die Ansiedlung der Schildläuse, des Thrips, der rothen Spinne, der weißen Schmierlaus oder der grünen Blattlaus. Die Unterseite der Wedel ist der eigentliche Aufenthalt dieser Schmarotzer und es ist bei der Reinigung der Blätter deshalb nothwendig, auch hier abzuwischen. Wie oft wähnt der Besitzer einer schönen Palme dieselbe in bester Pflege, bis er eines Tages die unangenehme Wahrnehmung macht, daß durch seine eigene Sorglosigkeit die Pflanze voll­ständig verlaust ist. Dann kann nur eine peinlich genaue und wiederholte Abwaschung mit Seifenwasser oder Tabak­absud den Fehler wieder gut machen. Besser aber ist, die Ansiedlung der Schädlinge durch eine regelmäßige Reinigung zu verhüten, denn später ist die Vertilgung nicht nur mühsam und schwierig, sondern auch langwierig, weil immer wieder Ungeziefer austritt.

Die San Jose Schildlaus hat in Amerika ganze Obstbaudistricte, insbesondere Californiens, vernichtet, denn das Thier hat eine Vermehrungsfähigkeit, die diejenige der bekannten Obst- und Weinschädlinge weit übersteigt. Die Nachkommenschaft eines einzigenThieres wird auf 300Millionen geschätzt. Die Reichsregierung hat vor wenigen Tagen, hoffentlich noch zur rechten Zeit, die freie Einfuhr ameri­kanischen Obstes verboten und die Untersuchung alles auf dem Seewege eingehenden Obstes angeordnet. Hierbei hat sich herausgestellt, daß der größte Theil der einzuführenden Obstmengen Früchte enthielt, die mit der San Joss Schild­laus im lebenden Zustande behaftet waren. Demgemäß sind große Mengen amerikanischen Obstes von der Einfuhr in Deutschland ausgeschlossen und zurückgesendet oder in England gelandet. Der deutsche Obstbau wird hierdurch einerseits vor einer ungeheuren Gefahr geschützt, andererseits verliert er die schlimme Concurrenz des amerikanischen Obstes, denn Angesichts der erschwerten Einfuhr und dem damit ver­bundenen größeren Risiko wird der amerikanische Züchter sehr bald den Export nach Deutschland aufgeben. Dem deutschen Obstbau erwächst dadurch aber die Verpflichtung, diese Lücke durch vermehrte Production auszufüllen, und die an dieser Stelle schon wiederholt ausgesprochene Mahnung: baut Obst", kann nicht oft genug wiederholt werden. In den Großstädten sind Aepfel und Birnen bereits so selten und so theuer geworden, daß sie nicht mehr als Lebensmittel, sondern nur noch als Luxusartikel angesehen werden können, und vielfach hörte man die Apfelsine als Ersatz für den Weihnachtsapfel Vorschlägen, weil diese, namentlich bei größerem Bezüge, sich billiger als Aepfel stellt. Wie lange wird der Deutsche sich noch den Gewinn entgehen lassen, den jetzt das Ausland bezieht, und zwar in einem von Jahr zu Jahr steigenden Maße? Denn während 1889 die Obsteinfuhr die Ausfuhr nur um 20 Millionen Mark überstieg, beträgt diese Zahl für 1896 bereits 32 Millionen. Solche Diffe­renzen lassen sich nicht etwa aus der Zunahme der Bevölke­rung erklären, sondern weisen einfach darauf hin, ein wie großes Bedürfnis, Obst zu essen, vorhanden ist. Für den Absatz der Ernte braucht Niemand in Sorge zu sein, die Zeiten, wo eine reiche Obsternte wegen mangelnden Absatzes als Viehfutter diente, wiederholen sich heute, Angesichts unserer entwickelten Verkehrsverhältnisse nicht wieder.