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Das Treiben von Radieschen und Rettigen ist eine gewinnbringende Cultur. Man ist aber besser daran, wenn die jungen Pflanzen erst in Saatkisten angesäet und sobald sie die Keimblätter vollkommen entwickelt haben, in das Mistbeet gepflanzt werden. Meist finden die Radieschen als Zwischenpflanzung unter Salat und Gurken geeigneten Platz, denn sobald letztere an Ausdehnung zunehmen, haben sie ihr vollständiges Wachsthum erreicht und sind verbrauchsfähig. Rettige verlangen des größeren Blattwerkes wegen mehr Raum und find als Zwischenpflanzung bei Kohl, Kohlrabi oder Carfiol angezeigt. Auch an dem unteren Rande der Kästen ist oft genügend Platz. Beim Verpflanzen der Sämlinge beachte man vor Allem, daß die Wurzeln senkrecht in den Boden kommen und die Sämlinge überhaupt bis zu den Keimblättern in der Erde stehen. Geeignete Treibarten sind: Non plus ultra Erfurter Dreienbrunnen, dunkelblutrothes Treib-, laubloses Radies, scharlach- rothes Treib- mst weißem Wurzelende. Von Rettigen sind empfehlenswerth: gelber Mairettig, runder, weißer Treib-, rwsst'cher Delikateß-, chinesischer runder Scharlachrother.
An Ausgüssen, Eimern, Spülschüsseln rc. setzt sich oft ein fettiger Schmutz an, den man mit Seife, Soda und Bürste nur schwer entfernt; nimmt man dagegen ein wollenes Läppchen und träufelt einige Tropfen Petroleum darauf, so genügt ein einfaches Abwischen und Nachspülen mit Wasser.
Lampen - Cylinder als Blumenvase. Ein Cylinder, wenn auch unten etwas zerbrochen, wird mit zwei sich kreuzenden Seidenbändern umwunden, deren obere Ränder zu einer üppigen Schleife vereinigt werden. Eine manschettenartige Garnitur umschließt den unteren Cylindertheil. Diese besteht aus grünem oder rothem Sammettheil im Quadrat 24 Ceutimeter groß. Den Cylinder hat man auf die Mitte des Stoffkheils zu stellen. Man streift den Sammt straff und hoch und bindet ein Seidenband fest um die Manschettengarnitur zu einer Schleife. Damit der Cylinder recht fest steht, füllt man ihn mit Schrotkörnern.
GeineknirÄtziges.
Apfelgelee. An den „Practischen Rathgeber" für Obst- uiib Gartenbau in Frankfurt a. O. gelangte nachstehende Anfrage: „Besitzer einer größeren neu eingerichteten Dampf- muskocherei ist gewillt, um die A läge rentabler zu machen, die Fabrikation von Apfelgelee aus getrockneten ameri- kanischen Kernhäusern und Schalen mit aufzunehmen und bittet deshalb um gefällige Mittheilung, auf welche Weise und mit wie- viel Procent Raffinade man ein klares, garantirt haltbares, gut verkäufliches Gelee erzielt?" die dann von Herrn Obergärtner Mertens in Geisenheim, Lehrer am pomologischen Institut daselbst, in folgender Art beantwortet wurde: „Die Herstellung von Apselgclee aus getrockneten amerikanischen Kernhäusern und Schalen unter Zusatz von Kartoffelsyrup bedeutet einmal für den deutschen Obstbau einen großen Schaden und ist auch zum anderen für das Publikum von schwerwiegendem Nachtheil, da dieses ein Fabrikat erhält, das alles Andere ist, nur kein reines Obstproduct. Die wenigsten Käufer kennen die Zusammenstellung und die Herstellungsweise dieses Fabrikats, weshalb es dringend geboten erscheint, das Publikum von dem Ankäufe und Genüsse solchen Erzeugnisses abzuwenden. Wie können auch die mit Schmutz, Obstmaden und fauligen Theilen getrockneten Schalenabfälle, die in Fässern zusammengestampft zu uns nach Deutschland kommen, ein appetitliches Erzeugniß liefern?! Der Ekel regt sich schon, wenn man nur daran denkt! Von Zucker, aus der Zuckerrübe gewonnen, ist meistens keine Spur vorhanden, wohl aber von Kartoffel
oder Stärkesyrup eine große Menge, nach Dr. Loh, Nahrungsmittelchemiker in Düsseldorf, bis zu 70 Procent, so daß es sich dann nicht mehr um Apfelgelee, oder richtiger -Kraut, sondern um geäpfeltes Kartoffelsyrup- Gelee handelt. Dieses Zeug segelt nun unter der Flagge „Kraut" oder „Gelee" und untergräbt, weil billiger als dieses, die ehrliche Apfelkrautfabrikation. Dieser Erwerbszweig, der besonders am Rhein, von Coblenz abwärts, seit Langem in hoher Blüthe stand, ist schon jetzt durch die in vielen Fabriken eingerissene Schmiererei so erschüttert, daß die ehrlichen und zuverlässigen Geschäfte sich kaum noch halten können. Selbst schon im Auslande (z. B. in Holland) spricht man davon, daß die ehedem solide rheinische Apfelkrautfabrikation nicht immer reine Obstproducte auf den Markt bringe. Ist es dann noch zu verwundern, wenn über lang oder kurz die Ausfuhr von Kraut oder Gelee aus Deutschland nach anderen Ländern zum größten Nachtheil der heimischen Industrie schließlich abnehmen muß? Dann können wir es wohl behaupten und sagen, daß die aus Amerika billig eingeführten, getrockneten Obftabfälle das hauptsächlich mit verschuldet haben. Die Herstellung billiger Ersatzmittel läßt sich ja nicht verbieten, aber auf die Bezeichnungen „Apfelkraut" oder „Apselgelee" dürften sie keinen Anspruch erheben, müßten vielmehr unter anderem Namen, deutlich gekennzeichnet, feilgeboten werden, um nicht die Käufer zu täuschen. Aus guten Gründen also sehe ich davon ab, die Herstellungsweise dieses als Genuß- und Nahrungsmittel höchst geringwerthiges Zeugs im „Practischen Rathgeber" zu schildern.
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Rindfleisch nach Matrosenart. Uebrig gebliebenes Rindfleisch läßt sich auf folgende Art leicht zu einem sehr schmackhaften Gerichte zubereiten. Man macht eine braune Buttersauce, gießt in dieselbe ein halbes Glas Rothwein und ebensoviel Auflösung von Liebigs Fleisch-Extract, fügt Salz, Pfeffer, die üblichen Küchenkräuter, ein Dutzend kleine Zwiebeln, sowie ein Stück Zucker bei, läßt Alles eine Viertel Stunde kochen und wärmt dann in dieser Sauce langsam das in Scheiben geschnittene Rindfleisch.
Humoristisches.
Eine neue Krankheit. A.: „Ihre Frau ist ja heute so auffallend still?" — B.: „Nun ja — sie leidet wieder an der Krakehlkopfentzündung."
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Malitiös. „. . Haben Sie schon gehört, der Schriftsteller Cassio ist kurz vor der Aufführung seiner Premisre gestorben!" — „Ja, der war immer sehr vorsichtig!"
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Moderne Annonce. Als Geschiedene zeigen sich hocherfreut an August Piepenbrinck, Ida Schmock, gewesene Piepenbrinck.
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Anzüglich. Unteroffizier: „Mensch, machen Sie doch nicht ein so trauriges Gcficht wie ein Affe, der erfahren hat, daß Sie von ihm abstammen!"
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Schusterjungen-Witz. „Frau Meesterin, das is wohl Cyclopensuppe?" — „Wieso?" — „Sie hat nur e' eenziges Ooge!"
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„Kannst Du mir euren berühmten griechischen Dichter nennen?" — „Achilles." — „So, so — wodurch war denn der berühmt?" — „Durch seine Verse!"
RÄraetion I. V.: Hermann Elle. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Metzen
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