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1898. - Sir. 2?
Samstag dm 19. Fedmar. ß.
^^drbeitstage
Voll rüstiger Plage
Sind die besten
Von allen Festen. Frieda Schanz.
Was einmal voll und rein
Das Herz besessen,
Bleibt unverlierbar sein
Und unvergessen. F. v. Löwe.
Muttersohn.
Roman von Arthur Zapp.
Er wirft einen Blick um sich und macht eine heftige Bewegung nach |bem Garderobehaken herum, auf dem sein Hut hängt. Aber die Mutter fällt ihm in den Arm. Ihre Augen heften sich in verzehrender Augst auf seine entschlossenen, finsteren Mienen. In ihren verzerrten Zügen, in der Leichenblässe ihres Gesichts malt sich eine wahre Todesfurcht.
„Was willst Du thun?" redet sie ihn mit fliegendem Ahem an, „wo willst Du hin?"
„Wohin?" Er sieht sie erstaunt, entrüstet an. „Wohin? Nach dem Gericht! Habe ich nicht lange genug warten müssen? Glaubst Du, ich will noch länger als Dieb gebrandmarkt sein vor aller Welt?"
„Du willst . . . willst . . . O—Otto anzeigen?" lallt sie mit erlöschender Stimme.
„Freilich will ich. Hot er's vielleicht besser verdient? Er erntet nur, was er gefäet hat, er und Ihr, Ihr, die Ihr ihn von klein auf verhätschelt und verzogen habt und ihm immer eingeredet habt, daß er was ganz Besonders sei. Ihr . . . Ihr seid eben so viel schuld als er!" Sie greift das Wort auf, wie ein Ertrinkender nach einem schwachen Strauch, nach einem Zweige hascht, um sich zu retten.
„Ja, Carl," fällt sie mit dem Eifer der Verzweiflung ein, „Du hast Recht. Mich trifft die Hauptschuld. Warum habe ich ihm immer den Willen gethan? Ich hätte strenger sein sollen mit ihm. Es wäre nicht so weit gekommen. Ich bin die eigentliche Schuldige. Lieber, lieber Carl, strafe mich nicht so schwer!"
Sie hängt sich mit ihrem ganzen Gewicht an ihn. Er kehrt seinen Blick ab, er kann nicht in das flehende, thränende Auge der Mutter sehen. Frau Köster wendet
sich nach Helene um. „Hilf mir doch bitten, Helene!" ruft sie ihr zu. „Du bist doch auch eine Mutter und hast ein Kind, für das Du gezittert hast, wenn Gefahr es bedrohte. Und Du würdest lieber Dein Leben hingeben als es verlieren. Hilf mir doch, Helene!"
Aber die junge Frau blickt lautlos zu Boden. Das Flehen der alten Frau schneidet ihr tief in's Herz, aber sie vermag es nicht über sich, von Carl das unmögliche Opfer zu verlangen.
Carl fährt auf, ergriffen und erbittert zugleich.
„Bin ich denn nicht auch Dein Kind?" sagt er. „Warum hast Du mich weniger lieb als ihn, warum willst Du, daß ich büße, was er verschuldet hat? Nein! Nein! Nein!" Sein Zorn flammt wieder heller auf und wüthend stampft er mit dem Fuße auf. „Ich thu's nicht. Ich schweige nicht länger. Und wenn Ihr mich Alle bittet, ich will nicht länger als der Spitzbube gelten, während er frei ausgeht!"
Er macht ein paar heftige Bewegungen mit seinem Arm, um sich von ihr loszureißen. Aber sie klammert sich in ihrer Todesangst nur noch fester an ihn.
„Du darfst ihn nicht anzeigen," ruft sie außer sich, „Du darfst nicht! Glaubst Du, er würde die Schande überleben? Willst Du ihn tödten, willst Du Deinen Bruder tödten? Und glaubst Du, ich ertrüg's, wenn er sich ein Leid anthäte? Willst Du auch mich, willst Du auch Deine Mutter unter die Erde bringen?"
Ihre Erschöpfung zwingt sie, eine Pause zu machen, das leise Schluchzen Helenens dringt durch das Zimmer. Carl kehrt das Gesicht ab und blickt nach der anderen Seite. Aber wenn auch Niemand seine Mienen sehen kann, an dem heftigen Alhmen seiner Brust hört man, daß er innerlich schwer mit sich ringt.
Frau Köster sinkt vor Ihrem Sohn in die Knie nieder und ihre Arme um seine Hüfte schlingend, greift sie im Delirium ihrer Angst in die Vergangenheit zurück.
„Lieber Carl, habe doch Erbarmen mit mir! Bin ich nicht immer eine gute Mutter gegen Dich gewesen und Du willst nun ein so unbarmherziger Sohn sein? Habe ich Dir nicht das Leben gerettet, als Du noch ein ganz kleiner Junge warst und schwer an Diphtheritis darniederlagst? Acht Tage und acht Nächte habe ich Dir Eisumschläge gemacht und bin in kein Bett gekommen. Und als Du nachher außer Gefahr warst, weißt Du, was da der Arzt zu mir gesagt hat? Das ist Ihr Werk, hat er gesagt. Ihnen hat er's zu danken. Sie haben ihm das Leben gerettet. Und


